Hildesheim - Eigentlich ist es nur ein großer schwarzer Raum. Für tfn-Intendant Oliver Graf geht damit aber ein Traum in Erfüllung. Das Theater oben – theo – hat endlich ausgedient, jetzt kommt das Theater im Malsaal. Kurz: thim. „Eine klassische Blackbox“, sagt der Theaterchef und gerät sogleich ins Schwärmen: „Ich war schockverliebt, als ich zum ersten Mal hereingekommen bin.“
Tatsächlich ist es kein Vergleich zum theo, das zwar für kleine Kinderstücke seinen Charme hatte, aber alles andere als barrierefrei und sehr eng war. Im thim, das merkt man, haben Publikum und Kunst gleichermaßen viel mehr Luft zum Atmen.
„Wahnsinnig nah dran“
Ein Bühnenpodest gibt es nicht, die etwa 80 Quadratmeter große Spielfläche ist ebenerdig. Darüber erhebt sich die Tribüne für die Zuschauerinnen und Zuschauer; bis zu 152 Menschen können hier sitzen. In der vordersten Reihe haben sechs Menschen mit Rollstuhl Platz. Und bei Kindertheatervorstellungen kann der Bereich mit Sitzkissen ausgelegt werden. „Man kann von überall gut sehen“, sagt Graf – das Publikum sei „wahnsinnig nah dran“.
Wenn man den Kopf in den Nacken legt, schaut man in eine beeindruckende Technik, fast 40 Scheinwerfer, die an schweren Stahltraversen befestigt sind. Ganz hinten, oben hinter den Zuschauerinnen und Zuschauern, in dem Teil, der sich nach außen etwas vorwölbt, ist die Licht- und Tonregie. Nicht wie früher in einem geschlossenen Kabuff, sondern offen und in den Raum integriert. Auch in technischer Hinsicht: kein Vergleich zum theo.
„Max und Moritz“ zur Eröffnung
„Der Raum an sich soll nicht ablenken, sondern den Stücken dienen. Hier steht die Kunst im Mittelpunkt“, erläutert Oliver Graf das Konzept dieser Blackbox.
Vor allem Kinder- und Jugendtheater soll hier stattfinden, aber auch kleinere Stücke aus dem Spielplan für Erwachsene. Am Freitag 26. Januar, wird das thim in einer geschlossenen Veranstaltung mit geladenen Gästen eingeweiht. Die eigentliche Eröffnung ist dann am Samstag, 3. Februar, mit der Premiere von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“.
Der Theaterraum befindet sich im ersten Stock, ist über eine mit rotem Teppich ausgelegte Treppe und per Fahrstuhl erreichbar. Darunter, zu ebener Erde, ist das großzügige Foyer. Die hellen, gereinigten Betonpfeiler sind ein Verweis auf die Vergangenheit: Früher war das hier eine Tiefgarage, die den alten Malsaal trug. Jetzt ist es ein Raum, der vielfältig genutzt werden soll: nicht nur als Foyer, sondern auch für Workshops mit Kindern und Jugendlichen oder als Ort für kleinere, künstlerische Angebote, die bisher eher im F1 zu Hause waren. Auch eine Medienstation ist integriert. Beim norddeutschen Kinder- und Jugendtheater-Festival im Mai wird hier das Festivalzentrum untergebracht.
Lesen Sie auch: HAZ-Interview: Die neue Studiobühne des tfn ist fertig. Aber warum hat es so lange gedauert, Oliver Graf?
Schmuckstücke sind die Garderobenschränke und die verschiebbare Theke: Für beides wurde der ehemalige Holzboden des einstigen Malsaals verwendet. Mit allen Spuren, die so ein Boden halt im Laufe der Jahre aufnimmt. „Cool“, kommentiert Oliver Graf, und derselbe Begriff fällt noch einmal bei den – im Vorfeld vielzitierten – Unisex-Toiletten. Hier wird nicht mehr nach Männlein und Weiblein unterschieden, sondern nach Stehen und Sitzen – mit einem gemeinsamen Waschraum. Graf: „Ich gehe davon aus, dass wir damit die Schlangen in den Pausen etwas entzerren können.“

