Hildesheim - Die Jugend forscht auch in diesem Jahr wieder – am Mittwoch trafen sich über 80 Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen in der Halle 39 und stellten dort ihre Forschungsergebnisse vor. 15 der insgesamt 41 Projekte kommen aus dem Kreis Hildesheim – die HAZ hat mit den Schülerinnen und Schülern aus der Region über ihre Forschungen gesprochen. Wer auf die Bilder klickt, kann sie in der vollen Größe sehen.
Sarah Plitzko, Phil Schrader und Edward Schreiber vom Scharnhorstgymnasium wollten herausfinden, ob sich Klassenzimmer nicht besser mit einem sogenannten Gegenstromwärmetauscher lüften lassen. Diese heizen den Raum zusätzlich. Um das zu testen, haben die drei ein kleines Haus aus Styropor nachgebaut. Die Idee dazu brachte ihnen die Corona-Pandemie – und das regelmäßige Lüften an kalten Wintertagen. Fotos: Julia Moras
Carlo Jakobi, Amanda Martino und Lara Schillert vom Gymnasium Alfeld wollten prüfen, ob Bio-Plastik sich wirklich so leicht zersetzt, wie dessen Hersteller versprechen. Das Ergebnis: „Das ist fast nie der Fall“, sagt Jakobi. Die drei haben dafür Plastikstückchen wie Softair-Kugeln oder Einkaufstüten in unterschiedliche Bodenproben gelegt und kompostiert. Gerade die Softair-Kugeln blieben aber unverändert. „Ein erschreckendes Ergebnis“, sagt Jakobi.
Leif Schummer, Justus Künzel und Philip Weidehaus von der Molitoris-Schule haben sich angeschaut, wie stark verschiedene Teelichter Ruß abgeben. Die Idee dazu kam ihnen an Weihnachten sagt Künzel: „Wir wollten mal gucken, was Ruß überhaupt ist“ – und welche Teelichter davon am meisten absondern. Besonders gut schnitten laut Künzel Lichter aus Rapswachs ab – die drei empfehlen diese darum auch für den Alltag am meisten.
Arina Fibich und Yasmin Omeirat von der Renataschule wollten testen, welche Mittel die Haut am besten bräunen – ohne dafür eigens in den Urlaub fahren zu müssen, erklärt Fiebich. Dafür zerschnitten sie eine Speckschwarte, trugen die unterschiedlichen Mittel auf und beobachteten, welcher Braunton sich am deutlichsten hielt. Laut Omeirat stehen hierbei Kaffee- und Henna-Mittel an vorderster Stelle.
Mia Ballauf, Alexandra Selle und Miguel Castilho Marcao vom Gymnasium Himmelsthür haben für ihren Test einen eigenen Mini-Vulkan gebaut. In den Schlot legten sie Asche, die sie mit einer Luftpumpe nach oben wirbelten – fast wie ein richtiger Ausbruch. Dabei beobachteten sie, wie sich die Asche auf die umliegenden Pflanzen auswirkte. Besonders hart traf es dabei die Kresse am Fuße des Vulkans, sagt Ballauf. Dafür wuchsen dort neue Pilze, ergänzt Selle. Der dritte im Bunde, Castilho Marcao, war beim Regionalwettbewerb am Mittwoch verhindert.
„Gilt unendlich gleich unendlich?“ Diese Frage stellten sich Talea Neddermeyer und Daniel Kokkelink von der Robert-Bosch-Gesamtschule. Denn: „Wir sind davon ziemlich fasziniert“, sagt Neddermeyer. Sie nennt das Gedankenexperiment des unendlichen Hotels, auch als Hilberts Hotel bekannt, als Anstoß für ihre Überlegungen. Das Prinzip besagt, dass ein Hotel mit unendlich vielen Räumen und unendlich vielen Gästen trotzdem noch Platz für einen weiteren Gast hat, wenn alle nur um eine Tür weiter rücken. „Ein sehr theoretisches Thema“, sagt Neddermeyer – und ein sehr paradoxes.
Maya Rapp vom Gymnasium Alfeld möchte Menschen mit einer Sehbehinderung helfen, indem sie ihnen eine Brille aufsetzt. Dabei handelt es sich aber nicht um irgendeine Brille – in ihr sind an drei Stellen Ultraschallsensoren installiert. Diese bringen die Brille zum Vibrieren, wenn man auf ein Hindernis zusteuert. Man bewegt sich dadurch so ähnlich fort, wie es Fledermäuse und Delphine machen, sagt Rapp. Das Fazit einer Testerin, die sich von der Brille um eine Ecke leiten ließ: „Ziemlich cool!“
Chiara Sophie Hühne und Mirnesa Jukovic von der Molitoris-Schule haben sich Nagellack genauer unter die Lupe genommen. Dabei verglichen sie höherwertigen für sieben Euro mit billigerem für knapp drei Euro. Sie testeten an künstlichen Nägeln und auch an ihren eigenen, ob der teurere besser im Alltag halte, zum Beispiel beim Spielen im Sandkasten mit den kleineren Geschwistern. Und tatsächlich war das Ergebnis eindeutig, sagen die beiden – der teurere fing nicht so schnell an, Risse zu bekommen wie der billigere.
Charlotte Buchhester vom Andreanum ist nicht zum ersten Mal mit ihren Forschungen in der Halle 39, schon im vergangenen Jahr räumte sie mit ihren Holzwürmern mehrere Preise ab. Diesmal hat sie sich biologisch abbaubare Kunststoffe genauer angeschaut, sagt sie – und diese nach einer Anleitung im Internet selbst hergestellt. Zum einen hat sie getestet, ob Milchsäurefolie gut Wasser aufsaugt, damit man es zum Beispiel im Katzenklo auslegen kann. Und zum anderen hat sie ausprobiert, ob Glyzerinfolie auch dann an einer Fensterscheibe hängen bleibt, wenn viel Licht darauf strahlt. Das Ergebnis von beiden Tests, sagt die Schülerin, fiel positiv aus.
Lina Marie Grönewald vom Goethegymnasium möchte Menschen helfen, die unter einer Unterzuckerung leiden – und wollte dafür ausprobieren, um der feine Spürsinn von Hunden nicht ebenfalls eine Hilfe sein könnte. Sie hat darum drei Hunde zu drei Gruppen von Menschen geführt. Stets eine Person zeigte dabei Anzeichen einer Unterzuckerung, erklärt sie – zum Beispiel Schweißausbrüche. Und tatsächlich erkannten die Hunde stets die richtige Person, sagt Grönewald. Das größte Problem dabei war „die Hunde voneinander zu trennen“, fügt sie an, „damit sie nicht die ganze Zeit miteinander spielen.“
Tristan Piel vom Goethegymnasium wandte sich der Chemie zu und warf seinen Blick auf die Katalyse, also die Veränderung einer Stoffumsetzung. Dabei testete er, wie sich das Enzym Urease auf die Katalyse von Harnstoff und Kalkwasser auswirkte, sagt er – und klingt dabei schon wie ein richtiger Vollblutchemiker, der sich mit seinen Begriffen auskennt: Petrischale, ph-Indikator, Bromthymolblau.
Thamsanqa Ndlovu und Bastian Severloh vom Andreanum wollten prüfen, ob sie nicht der Landwirtschaft etwas unter die Arme greifen könnten. Dafür haben sie das Wachstum von Tomatenpflanzen beobachtet, die sie mit Mykorrhiza – einer Mischung aus Pilz und Pflanze – gedüngt haben. Das Ergebnis: Mykorrhiza ließ die Tomatenpflanzen zwar höher wachsen, sagen die beiden. Doch dafür trugen sie viel weniger Früchte.
Giulia Mia Marie Chiappetta geht ebenfalls aufs Andreanum und auch sie hat das Pflanzenwachstum zu ihrem Forschungsfeld erkoren. Die Schülerin prüfte, ob es stimmt, dass Pflanzen mit Musik besser wachsen. Sie wandelte die Musik in Schallwellen um, sagt sie, denn: „Die Pflanzen können ja nicht hören, sie müssen das spüren.“ Drei ihrer Pflanzen behandelte sie jeweils mit klassischer Musik, Pop und K-Pop. „Dabei kam heraus“, sagt Chiappetta, „dass sie bei Pop am besten wachsen.“ Dicht gefolgt, ergänzt sie, von klassischer Musik.
Tom Pieper, Hannes Fuchs und Nick Theurer vom Gymnasium Himmelsthür bauten die Meere nach – in „Minaturform“, wie Fuchs sagt. Dafür stellten sie zwei Aquarien auf, in die sie jeweils fünf Wasserschnecken legten. In eines der Aquarien fügten sie außerdem noch Plastikmüll zu – zerrissene Schokoriegelverpackungen, wie sie in den Meeren überall zu finden sind, sagt Pieper. Nach wochenlanger Beobachtung fiel den drei Schülern auf, dass die Wasserschnecken im plastikfreien Wasser besser wuchsen – die anderen dagegen versuchten regelmäßig, an den Glaswänden ihres Aquariums hinauszuklettern.
Auch Mahmud Eren Deliktas vom Goethegymnasium sah sich für sein Forschungsprojekt Wasser genauer an. Sein Fokus lag allerdings auf dem Wasser, das aus dem Trockner kommt. „Wohin damit?“, fragte er sich – sollte man damit die Pflanzen gießen? Er testete die Frage, indem er drei Tulpen kaufte und sie in Gefäße stellte. In einem davon war kondensiertes Trocknerwasser – und die Tulpe sah deutlich ungesünder aus als die, deren Stil in normalem Leitungswasser lag. Für Deliktas ist daher klar: Zum Gießen der Pflanzen eignet sich das Trocknerwasser kaum noch.














