Eine ganz besondere Karriere

Dieser Hildesheimer ist seit 37 Jahren ganz dicht dran am Coca-Cola-Geheimnis

Hildesheim - Die genaue Rezeptur von Coca-Cola ist ein gut gehütetes Geheimnis. In den Sirupraum, das Herz der Produktion, darf längst nicht jeder rein. Das ist am Produktionsstandort Hildesheim nicht anders – Ali Celimli jedoch stehen die Türen dort offen.

Seit 37 Jahren arbeitet Ali Celimli im Herz der Coca-Cola-Produktion am Standort Hildesheim - ganz dicht dran an einem gut gehüteten Geheimnis. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Ihn kennt hier wirklich jeder am Standort, und er wohl auch die allermeisten. Wenn Ali Celimli an seinem Arbeitsplatz durch die Gänge und weitläufigen Hallen geht, kommt er aus dem Grüßen nicht mehr raus. Seit die Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH 1993 ihren Standort an der Industriestraße in Hildesheim bezogen hat, ist Celimli mit an Bord. 31 Jahre ist das jetzt her. Für Coca-Cola arbeitet der gebürtige Türke aber noch viel länger, seit 37 Jahren, um es genau zu sagen. Und immer an einem ganz besonderen Arbeitsplatz: im Sirupraum. „Dem Herz der Produktion“, sagt der 55-Jährige. Da kommt nicht jeder rein. Immerhin geht es dort auch um das geheimnisumwitterte Rezept des amerikanischen Erfrischungsgetränks.

Celimli ist in Izmir aufgewachsen, an der türkischen Westküste. Als er noch ein Kind war, ist sein Vater als klassischer Gastarbeiter nach Deutschland gegangen. „Nach Stadthagen“, erzählt Celimli. 1983 hat der Mann seine Frau und den damals 14-jährigen Sohn dazu geholt. Dem passte das gar nicht. „Ich wollte nicht von meinen Freunden weg“, erinnert er sich. In Stadthagen war alles neu für ihn: Umgebung, Menschen, Sprache. „Und das Wetter hat mir nicht gefallen“, sagt er. Der Jugendliche besuchte die Schule, jobbte nebenher im Restaurant eines Bekannten. Dort war der Chef des damaligen Stadthagener Coca-Cola-Abfüllbetriebes regelmäßig zu Gast. Eines Abends fasste sich der inzwischen 18-Jährige ein Herz und fragte den Unternehmer, ob er nicht Arbeit für ihn hätte. „Ich sollte Montag in den Betrieb kommen, da ließe sich was machen, hat er gesagt“, erzählt Celimli schmunzelnd. Und genau so war es dann auch. Der junge Mann konnte quasi sofort als Hilfsarbeiter anfangen – und ist seitdem dabei geblieben. Als die Coca-Cola Standorte Stadthagen, Hannover und Kassel geschlossen und fortan am Standort Hildesheim konzentriert produziert wurde, zog er mit. Er lebt er mit seiner Familie in Bavenstedt. Celimli hat sich über die Jahre immer weitergebildet, an vielen Schulungen teilgenommen. Eine Ausbildung jedoch hat er nie absolviert.

457 Millionen kommen in die Flaschen

Von Anfang an war der Sirupraum sein Einsatzort. Der Ort, an dem die Basis für die Produktion von Coca-Cola, Fanta, Sprite und all den anderen Getränken des Unternehmens gelegt wird. Nur wenn dort alles richtig gemacht wird, fließt am Ende an den fünf großen Produktionsstraßen in der Halle das korrekte Gemisch in die Flaschen. Und das sind mächtig viele Liter: 457 Millionen Liter Coca-Cola, Coca-Cola light, Coca-Cola Zero, Fanta Orange, Fanta Orange/Mango/Mandarine mit und ohne Zucker, Mezzo Mix, Sprite mit und ohne Zucker sowie Lift Apfelschorle werden an der Hildesheimer Industriestraße jährlich produziert und abgefüllt.

„Früher mussten wir hier noch viel von Hand erledigen“, erinnert sich Celimli. Heute ist vieles automatisiert. „Das erleichtert uns die Arbeit“. Und sorge auch dafür, dass in diesem ersten Produktionsschritt alles genau nach Vorschrift gehe. Oder besser gesagt: nach der Rezeptur, nach der weltweit Coca-Cola hergestellt wird. Die ist ein gut gehütetes Geheimnis. Und der 55-Jährige räumt er ein, dass er das auch nicht in allen Einzelheiten kennt.

Eine besondere Lieferung aus Irland

Denn: Die Grundsubstanz wird bereits fertig gemixt aus Irland nach Hildesheim geliefert. In 10.000 bis 30.000 Liter fassenden Edelstahltanks wird daraus das jeweilige Endprodukt hergestellt. Zur Grundmischung kommen in Hildesheim dann aber beispielsweise noch Wasser und Zucker hinzu. „Den Zucker beziehen wir aus der Region, von den Zuckerfabriken in Clauen und Nordstemmen“, sagt Celimli. Die genauen Parameter für die Fertigstellung des Sirups für Coca-Cola und alle anderen Getränke sind im Computer hinterlegt, der den Produktionsprozess auch steuert.

Für die Mehrwegflaschen wird im Sirupraum das gesamte Getränk fertiggestellt und über Rohrleitung weiter zu den entsprechenden Produktionsstraßen geleitet. Es braucht dann nur noch einige Sekunden bis eine Flasche damit befüllt, geschlossen, etikettiert und weiter zur Verpackung geschickt wird.

Für die Befüllung der Einwegflaschen bereiten Celimli und seine Kollegen und Kolleginnen die angelieferte Grundsubstanz zwar vor, die wird dann aber erst an der Produktionsstraße mit Wasser vermischt. „Diese Produktionslinie ist moderner und übernimmt diesen Schritt“, sagt der 55-Jährige. In beiden Fällen überwacht das Team an großen Monitoren den Prozess. „Das war früher natürlich alles ganz anders“, erinnert sich der Wahl-Hildesheimer.

Vom Hilfsarbeiter zum Fachmann

37 Jahre im selben Unternehmen, am gleichen Arbeitsplatz – wollte er denn nie weg? Celimli schüttelt den Kopf. „Ich hatte immer Spaß an meiner Arbeit und bin noch immer stolz darauf“, sagt er. Stolz ist er auch darauf, viele junge Kollegen und Kolleginnen im Unternehmen anleiten zu können. Im Sirupraum gehören Auszubildende ins Team, die den Beruf des Lebensmittel-Techniker erlernen. Auch wenn er den Beruf nie im klassischen Sinn gelernt hat, ist er über die vielen Jahre zum Fachmann geworden und dem Nachwuchs in vielen Fragen behilflich sein.

Und dennoch kennt auch er die genaue Rezeptur für Coca-Cola und all die anderen Getränke nicht. Celimli nimmt es gelassen. Aber den Kollegen in Irland beim Anmischen des Sirups über die Schulter schauen, würde er doch gerne mal.  

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