Almstedt - Vor einigen Tagen hat der 31-jährige Fabian Sachs aus Sehlem Stammzellen gespendet für einen ihm unbekannten schwerkranken Blutkrebspatienten, der wohl nur durch sie gerettet werden kann. Sachs ging damit bewusst in die Öffentlichkeit, um allen potenziellen Spenderinnen und Spendern die Scheu zu nehmen, sich registrieren zu lassen. Denn eine Krankheit wie Blutkrebs kann jeden und jede treffen, jederzeit. Das zeigt sich nun auch im Nachbardorf von Sehlem, in Almstedt.
Von dort kommt Linus, 25 Jahre alt. Er wird in Göttingen im Universitätsklinikum behandelt und hofft auch auf eine rettende Stammzellenspende. Sie erscheint als einzige Möglichkeit, den Blutkrebs zu besiegen. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist auf der Suche nach einem genetischen Zwilling, dessen Gewebemerkmale mit denen des 25-Jährigen übereinstimmen. Daten aus dem In- und Ausland werden abgeglichen – und jeder oder jede weitere Registrierte erhöht die Chancen, jemanden zu finden, der passt.
Typisierungsaktion am 10. November
Daher wird in Zusammenarbeit mit der DKMS gerade eine große Typisierungsaktion in der Almstedter Turnhalle organisiert: Alle, die noch nicht registriert sind, können sich am Sonntag, 10. November, von 12 bis 16 Uhr dort testen lassen. Bei der Gelegenheit kann ein geeigneter Spender oder eine Spenderin für Linus oder auch für einen anderen Betroffenen gefunden werden, der verzweifelt auf Hilfe hofft. In der Ferne – oder auch in der Nachbarschaft. Laut DKMS erhält alle 27 Sekunden irgendwo auf der Welt ein Mensch die Diagnose Blutkrebs – und nur 30 Prozent finden einen geeigneten Spender oder eine Spenderin in der eigenen Familie.
Vor wenigen Wochen der erneute Schock
Linus dachte eigentlich, er hätte den Blutkrebs nach einer längeren Leidenszeit überwunden. Vor zwei Jahren traten die ersten Symptome auf. Als schließlich die Diagnose feststand, startete die Chemotherapie. Im Lauf der Behandlung musste der 25-Jährige mehrere Krisen überstehen – erst einen Nierenstau, dann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Schließlich ging es ihm besser. Doch die Hoffnung, den Kampf gegen den Krebs gewonnen zu haben, währte nicht lange – vor wenigen Wochen kam der erneute Schock: Der Krebs war zurück. Und schnell sei klar gewesen, erklärt die DKMS: Nun kann nur noch die Stammzellenspende helfen.
„Ich hätte nie gedacht, dass mir das passiert“, wird Linus von der DKMS zitiert. Er sei eigentlich ein lebensfroher und geselliger Mensch, der leidenschaftlich gern Fußball spielt, schreibt die Organisation und appelliert an alle gesunden, noch nicht in der Datei registrierten Menschen zwischen 17 und 55 Jahren, die eigene Eignung testen zu lassen. Das geht ganz einfach durch einen Abstrich mit einem Wattestäbchen an der Wangenschleimhaut. Wer dazu bereit ist, kann entweder am 10. November nach Almstedt kommen, oder ein Set unter www.dkms.de/linus bestellen. Bis Mittwochabend hatten sich dort bereits 157 Personen für den Test registriert. Einmal aufgenommene Daten stehen langfristig weltweit für Patientinnen und Patienten zur Verfügung, eine erneute Typisierung ist dann nicht nötig.
Dringend benötigt werden auch Geldspenden, denn jede einzelne Typisierung kostet 50 Euro und wird nicht von den Krankenkassen übernommen. Das ist das Konto für Überweisungen: DKMS, IBAN DE 32 7004 0060 8987 0007 73, Verwendungszweck: KPH046, Linus.
Hilfsbereitschaft in Almstedt ist groß
In Almstedt ist ein Organisationsteam dabei, den Typisierungstermin vorzubereiten. Die Hilfsbereitschaft im Ort ist groß. In der Turnhalle, Jahnstraße 14, sollen Kaffee und Kuchen sowie Bratwürste und kalte Getränke gegen Spenden angeboten werden. Dann soll es auch ein Kinderprogramm geben. Außerdem ist eine Spendenaktion beim Heimspiel der 1. Herrenmannschaft des MTV Almstedt gegen den SV Alfeld am 16. November geplant. Spenden soll außerdem der Verkauf verschiedener Backwaren am 16. und 17. November einbringen. Mit dabei sind Lennis Hofbäckerei sowie die ehemaligen Almstedter Bäcker Reimund Schaper und Heinfried Tönniges. Der Erlös kommt zu drei Vierteln der DKMS zugute. Auch das DRK Alfeld und Geschäftsleute aus der Region wollen die Hilfe für Linus unterstützen.
mit Burghard Neumann
