Hildesheim - Kaum ein Thema zieht sich derart zäh durch Hildesheims jüngere Entwicklung wie der geplante dritte Autobahnanschluss nördlich der Stadt. Bereits im Jahr 2000 gab es dafür grünes Licht vom Bundesverkehrsministerium – und nun, gute 26 Jahre später, ist vom Anschluss noch immer nichts zu sehen. Dabei kam das Thema zuletzt wieder prominenter im Stadtrat auf: etwa während der Debatten zum millionenschweren Ausbau des Hafens oder mit Blick auf die prekäre finanzielle Lage der Entwicklungsgesellschaft Gewerbepark Hildesheim-Giesen (GHG), die das Gewerbegebiet entwickeln soll. Diese Diskussionen schlagen sich vor Ort aber nicht nieder, von Arbeiten ist dort nach wie vor nichts zu sehen – hinter den Kulissen aber liefen sie auf Hochdruck, versichert die Stadtbaurätin Andrea Döring gegenüber dieser Zeitung.
Denn der Autobahnanschluss befinde sich derzeit in der sogenannten Entwurfsplanungsphase samt Vergabe mehrerer Ausschreibungen, etwa für einen Fachbeitrag zum Klimaschutz. Sobald all diese Planungen abgeschlossen seien, gehe es im nächsten Schritt an die Genehmigung des Projekts. Denn die Stadt Hildesheim plant den Autobahnanschluss zwar, aber selbstständig absegnen kann sie ihn nicht. Im Gegenteil stehe sie schon jetzt im regelmäßigen Kontakt mit zahlreichen anderen Akteuren, die im Projekt involviert sind – dem Bund, dem Land Niedersachsen oder auch der Autobahn GmbH.
Abstimmung koste Zeit und Energie
Und die Kommunikation zwischen all diesen Behörden und Zuständigkeitsebenen koste die Stadt Zeit und Energie. „Es braucht viel Abstimmungsbedarf“, bezeichnet es die Projektleiterin Eva Plitzko diplomatisch. Döring drückt es direkter aus: „Ich möchte nicht monatelang auf Prüfergebnisse warten müssen.“ Denn das sei ihrer Aussage nach die Regel, immer wieder werde die Stadt von neuen Vorgaben eingeholt, auf die sie reagieren müsse – zuletzt etwa besagte Ausschreibung für den Fachbeitrag zum Klimaschutz, von dessen Notwendigkeit die Stadt zuvor noch nichts gewusst habe. Auch die Intervention des Bundesrechnungshofs, der die Wirtschaftlichkeit des Anschlusses bis 2024 anzweifelte, habe die Pläne der Stadt stark verzögert. Und dass mit der 2021 gegründeten Autobahn GmbH ein neuer Akteur am Tisch sitzt und mitredet, hat die Stadt 2019 laut Döring ebenfalls nicht kommen sehen. Damals übernahm die Stadtverwaltung die Planung des Projekts vom Land – eigentlich mit dem Ziel, Tempo in die Angelegenheit zu bringen.
Das aber lasse oft auf sich warten. Auch Döring betont, dass es ihr wegen der Abstimmungsschleifen deutlich zu langsam vorangeht. Etwa mit Blick auf den immer wieder genannten möglichen Startschuss des A7-Anschlusses im Jahr 2034: Für Döring ist diese Zeitangabe schlicht „inakzeptabel“, wie sie meint. „Ich sage immer: Es ist nur ein Autobahnanschluss. Nicht mehr und nicht weniger.“ Und um einen solchen zu bauen, sollte ihrer Meinung nach nicht so viel Zeit verstreichen müssen. Wann die Bagger tatsächlich rollen sollen, dazu vermag sie aber auch keine Prognose abzugeben: „Es sollte aber vor 2034 liegen.“
Noch unklar, wer die Kosten für den Bau übernimmt
Damit das gelingt, wünscht sich die Baurätin eine bessere und schnellere Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen: „Alle müssen sagen: ,Wir wollen das!’“ Ob dem so ist, wird sich auch daran zeigen, wer am Ende die Kosten für den Anschluss übernimmt – diese Frage sei aktuell noch völlig offen. Für die Stadt Hildesheim stehe aber schon einmal fest: Sie plant den Anschluss, bezahlen muss ihn wer anderes.
