Verkehrspolitik

Durchbruch bei drittem Autobahn-Anschluss für Hildesheim – Neuigkeiten auch zur Nordumgehung

Hildesheim - Der Bundesrechnungshof hat nun sein Votum zu der jüngsten Studie der Stadt Hildesheim abgegeben. Ging es da um wirtschaftliche Bedenken, hakt es bei einem weiteren Jahrzehnte-Projekt an völlig anderer Stelle.

Die Anschlussstelle Drispenstedt würde nicht ausgebaut, wenn der dritte Anschluss gebaut wird. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Für Befürworter ist er wesentlich für die wirtschaftliche Entwicklung Hildesheims, für Kritiker eine unnötige Versiegelung hochwertiger Böden – der geplante dritte Autobahn-Anschluss für Hildesheim. Doch nun ist eine wichtige Hürde aus dem Weg geräumt. Der Bundesrechnungshof hat seine Bedenken gegen das Vorhaben zurückgezogen. Das geht aus einem Schreiben des Rechnungshof-Präsidenten Kay Scheller an den Hildesheimer SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal hervor. „Aus Sicht des Bundesrechnungshofs kann die Planung der Anschlussstelle Hildesheim-Nord fortgesetzt werden“, schreibt Scheller.

Verkehrssicherheit nachgewiesen

Im Zentrum der Prüfung stand die Frage, ob die zusätzliche Ausfahrt wirtschaftlich sinnvoll sei – oder ob es besser sei, die Anschlussstelle Drispenstedt zu erweitern. Eine solche Analyse hatte der Bundesrechnungshof gefordert. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages hatte das unterstützt. Daraufhin hatte der Bund die Planungen erst einmal gestoppt – um auf die endgültige Einschätzung des Bundesrechnungshofs zu warten.

Die liegt nun dem Brief Schellers an Westphal zufolge vor. Das Bundesverkehrsministerium habe die entsprechende Analyse vorgelegt. Zudem habe die Autobahn GmbH des Bundes die Verkehrssicherheit des Vorhabens nachgewiesen. Der Bundesrechnungshof sehe damit seinen Beschluss „im Wesentlichen umgesetzt“, die Planungen könnten wieder aufgenommen werden.

Baustart in zehn Jahren?

Grundlage war eine von der Stadt Hildesheim in Auftrag gegebene Studie. Die war wie berichtet zu dem Ergebnis gekommen, der Bau einer neuen Anschlussstelle sei mit 13,6 Millionen Euro zwar mehr als doppelt so teuer wie der Ausbau in Drispenstedt mit 5,6 Millionen Euro. „Gesamtwirtschaftlich“ lohne sich die dritte Ausfahrt aber trotzdem, argumentierte die Studie – unter anderem, weil Lastwagen bei Transportfahrten deutlich Zeit einsparen könnten.

Worin sich Befürworter und Kritiker indes einig sein dürften: Es ist und bleibt ein äußerst langwieriges Verfahren. Knapp ein Vierteljahrhundert ist seit der ersten grundsätzlichen Genehmigung durch das Bundesverkehrsministerium vergangen. Und selbst wenn die Planungen jetzt zügig wieder aufgenommen werden, wie es Bernd Westphal fordert, und wie es sich auch die Stadt Hildesheim wünscht: Als realistisch gilt ein Baustart in fünf Jahren, die ersten Lastwagen könnten in zehn Jahren von der Autobahn ins Gewerbegebiet Nord rollen und umgekehrt.

Personalmangel in der Behörde

Unterdessen rückt das Votum des Bundesrechnungshofs ein weiteres Hildesheimer Verkehrsprojekt in den Fokus, das noch sehr viel länger zwischen Schreibtischen und Schubladen der zuständigen Behörden hin- und hergeistert: Die sogenannte Nordumgehung, eine Straße, die von der B 1 aus um Himmelsthür herum in Richtung B 6 und über eine weitere Verbindungsstraße letztlich auch zur Autobahn führen soll. Seit mehr als 50 Jahren ist die Nordumgehung inzwischen Thema.

Aktuell ruht es mal wieder – weil offenbar niemand da ist, der die Straße konkret planen könnte: „Die Planungen zur Ortsumgehung Himmelsthür sollen unmittelbar aufgenommen werden, sobald es gelingt, für den Geschäftsbereich Hannover (der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Anmerkung der Redaktion) qualifiziertes Personal zu finden“, erklärte Florian Mosig, Pressesprecher des Niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, jetzt auf Anfrage. Denn: „Es ist kein Geheimnis, dass wir nicht nur in diesem Bereich eine Fachkräftethematik haben.“

Mit Rainer Breda

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