Gerichtsprozess

Dritter Verhandlungstag: Auch die Besitzer der geschädigten Autohäuser in Delligsen sagen nun vor Gericht aus

Delligsen - Zehn Zeugen machen am Montag ihre Aussage vor der zehnten Strafkammer des Hildesheimer Landgerichts. Auch die Besitzer zweier Autohäuser in Delligsen sind dabei. Ihnen war jeweils ein Wagen gestohlen worden. Von einem Auto fehlt noch immer jede Spur.

Autohaus-Inhaber Patrick Ludewig zeigt nach der Tat die Spuren des Diebstahls von seinem Firmengelände. Foto: Madlin Trümper (Archiv)

Delligsen - Zehn Zeugen im 15-Minuten-Takt – die zehnte Strafkammer des Hildesheimer Landgerichts hatte sich für den dritten Verhandlungstag viel vorgenommen. Erneut standen am Montag die mutmaßlichen Täter vor Gericht, die insgesamt elf Fahrzeuge bundesweit gestohlen haben sollen – zwei davon im Januar vergangenen Jahres in Delligsen. Jetzt sagten die Zeugen aus. Ihnen waren ausnahmslos Fahrzeuge gestohlen worden, die über ein Keyless-Go-System verfügen. Unter den Zeugen waren auch zwei Inhaber oder Geschäftsführer von Autohäusern in Delligsen, denen im Januar vergangenen Jahres je ein Auto vom Hof gestohlen wurde.

GPS-Technik ausgebaut

Dem einen Autohändler wurde ein Nissan Navara gestohlen, der andere musste den Verlust einer Mercedes X-Klasse hinnehmen. Der Eigentümer des Nissan Navara hatte Glück. Über ein GPS-Tracking konnte die Polizei den Wagen verfolgen und später sicherstellen. Der Mercedes, der technisch auf dem Nissan Navara basiert, bleibt dagegen weiterhin verschwunden. Aus Datenschutzgründen verweigerte Mercedes nach Angaben des Zeugen zunächst die technisch mögliche Verfolgung des Wagens. Erst zwei Tage nach dem Diebstahl konnte mit der Ortung des Fahrzeugs begonnen werden. Möglicherweise hatten die Täter zu dem Zeitpunkt bereits die GPS-Technik in dem Wagen ausgebaut.

Dabei sind die Ortungen der gestohlenen Fahrzeuge wichtige Beweismittel für die Polizei, wie eine 26-jährige Polizeikommissarin als Zeugin vor Gericht erläuterte. Bei der Auswertung der Handydaten können die Ermittler die Ortungsdaten der gestohlenen Fahrzeuge kombinieren. „Handytracks und Autotracks stimmen überein“, erklärte die Beamtin. Dabei gaben sich die Beschuldigten alle Mühe, ihre Spuren zu verwischen. Sie kommunizierten mit Handys, die auf fiktive Personen angemeldet sind. Monatelange Ermittlungen waren notwendig, um ein Handy mit einem fiktiven Nutzer einer realen Person zuzuordnen. Doch dann konnten die Ermittler die Personen orten, Routen nachverfolgen und deren Gespräche mithören.

Alle gestohlenen Fahrzeuge verfügen über Allradantrieb. Einige Fahrzeuge wurden später in Antwerpen in Überseecontainern entdeckt, vorbereitet für eine Tour nach Afrika. Besonders beliebt scheinen bei den Abnehmern Fahrzeuge vom Typ Alfa Romeo Stelvio zu sein. Die Fahrzeuge zeichnen sich durch italienisches Design, leistungsstarke Motoren und edle Lederausstattung aus. „Mein Alfa hatte 280 PS und eine gute Ausstattung“, berichtet ein 77-jähriger Rentner aus Laatzen, der ebenfalls bestohlen wurde. Von dem Geld von der Versicherung hat er sich gleich einen neuen Alfa Romeo gekauft.

Firmenwagen gestohlen

Besonderes Pech hatte ein Getränkehändler aus dem Harz. Bei einem Besuch seiner Schwiegermutter in Hannover wurde ihm sein Firmenwagen geklaut. Eine Woche später konnte die Polizei den Wagen in der Nähe von Bremen sicherstellen. Doch die Polizei wollte zunächst ein Gutachten erstellen lassen, insbesondere zu den DNA-Spuren, um den Diebstahl den Verdächtigen rechtssicher zuordnen zu können. Doch das Gutachten zog sich hin. Erst acht Monate später bekam er seinen Wagen zurück. In der Zwischenzeit musste er die Leasingraten für den Wagen weiter bezahlen und zusätzlich einen weiteren Wagen leasen, da er ein Fahrzeug für seinen Betrieb benötigte. Auf den zusätzlichen Kosten bleibt er bis heute sitzen.

Weitere Verhandlungstage schließen sich an. Mit einem Urteil wird Anfang April gerechnet.

  • LeineBL
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