Realschulgebäude

Ehemalige Schule in Lamspringe: Umstrittene Flüchtlingsunterkunft vor dem Start – was ist mit dem Protest des Rates?

Lamspringe/Kreis Hildesheim - Der Umbau der ehemaligen Realschule Lamspringe zu einer Unterkunft für Geflüchtete ist fast fertig: Wann und wie der Betrieb startet und was aus dem Beschluss des Rates wurde, die Belegung zu halbieren.

Die Bettwäsche liegt auf den Doppelstockbetten in der ehemaligen Realschule von Lamspringe bereit. Im Oktober ziehen die ersten geflüchteten Menschen ein. Foto: Thomas Wedig

Lamspringe/Kreis Hildesheim - Zurzeit kommen rund 25 geflüchtete Menschen pro Woche im Landkreis Hildesheim an. „Wenn es dabei bleibt, wären wir ohne die neue Unterkunft in Lamspringe in der letzten Septemberwoche blank“, sagt Landrat Bernd Lynack über die verbliebenen Wohnraum-Kapazitäten. Er informierte am Dienstag zusammen mit Amtsleiter Heiko König in Lamspringe über den laufenden Umbau der Realschule. Die soll ab Oktober nach und nach belegt werden, der genaue Starttermin steht noch nicht fest. Insgesamt werden 105 Frauen, Männer und Kinder in der ehemaligen Schule untergebracht.

Humbert: „Wir sitzen alle in einem Boot“

Der Gemeinderat hatte Anfang Juli auf Antrag der CDU mit einem Mehrheitsbeschluss gefordert, nur die Hälfte der 120 Flüchtlinge unterzubringen, von denen damals noch die Rede war. „Das Innenministerium prüft noch, welche Wirkung dieser Ratsbeschluss hat“, berichtete Gemeindebürgermeister Andreas Humbert bei dem Ortstermin. Eines stehe indessen schon fest: Das Einvernehmen bezüglich der Unterkunft, das er als Verwaltungschef gegenüber dem Landkreis erklärt hatte, gilt: „Das kann nicht zurückgenommen werden.“ Ein Gemeinderat könne generell nicht darüber entscheiden, ob der Landkreis in seinem Schulgebäude Geflüchtete beherberge. „Und das finde ich auch richtig“, bekräftigte Humbert. „Der Landkreis muss die Menschen unterbringen, die ihm zugewiesen werden. Und da dürfen die Kommunen sich nicht verweigern. Wir sitzen alle in einem Boot.“

Ab 2015 wohnten schon einmal Flüchtlinge in der Realschule, damals waren es sogar mehr – bis zu 150. Das habe gut funktioniert, meinte Humbert rückblickend, betonte aber auch: „Wenn Bürgerinnen und Bürger jetzt wegen der erneuten Belegung Bedenken haben, müssen sie das auch sagen dürfen, ohne in eine rechte Ecke gerückt zu werden.“ Ihre Sorgen im Zusammenhang mit der geplanten Unterkunft hatten Einwohnerinnen und Einwohner in der besagten Ratssitzung zum Ausdruck gebracht. Nach einer Info-Veranstaltung für Anlieger habe sich die anfängliche Aufregung ein wenig gelegt, sagt Humbert. Ähnliche Erfahrungen hat Landrat Lynack auch in Ummeln gemacht, wo im Messehotel bis zu 200 Flüchtlinge wohnten. Momentan ist die Zahl noch auf 140 beschränkt, bis eine weitere Betreuungskraft ihren Dienst aufnehmen kann.

600.000 Euro für Umbau und Modernisierung

In Lamspringe hat der Landkreis rund 600 000 Euro in eine Modernisierung der Schule gesteckt, bevor dort wieder Bewohnerinnen und Bewohner einziehen können. Der größte Teil des Geldes floss in eine Erneuerung des Heizungs- und Trinkwassersystems. Der Grundriss wurde kaum verändert. Als Schlaf- und Wohnräume werden die Klassenzimmer genutzt, in denen jeweils fünf Doppelstockbetten sowie mehrere Tische und Schränke aufgestellt werden. Die Eingangshalle wird zum Aufenthaltsbereich, zwei angrenzende Räume werden als Spielzimmer und Speiseraum eingerichtet. Den Betrieb wird laut Amtsleiter König ein Anbieter übernehmen, der schon Erfahrung mit ähnlichen Einrichtungen hat. Auch ein Sicherheitsdienst wird rund um die Uhr anwesend sein – allerdings nicht, weil mit Straftaten gerechnet wird, betonen Lynack und Humbert: Die habe es 2015 so gut wie gar nicht gegeben. Die Sicherheitsleute sollen auch für Ordnung in einer bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft sorgen.

Aufnahmebehörde ist nicht verhandlungsbereit

Um noch weiteren Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen zu gewinnen, hatte der Kreis wie berichtet alle Städte und Gemeinde gebeten, mögliche Gebäude oder Grundstücke zu nennen – auf Letzteren müssten dann Container aufgestellt werden. Die Resonanz war verhalten, wie Lynack berichtet. Es habe nur vereinzelt Vorschläge gegeben, dabei ging es zum Beispiel um alte Gasthöfe. Die Kreisverwaltung prüft nun, welche Standorte geeignet sind. Und hofft, dass sie gewappnet sein wird, wenn das Land wohl im September die neuen Aufnahmequoten festlegt. Was die angeht, sei die zuständige Landesaufnahmebehörde nicht verhandlungsbereit, berichtet Lynack: „Wir hatten mehrfach um Aufschub gebeten, der wurde aber nicht gewährt.“ Und Amtsleiter König ergänzt: „Es gab nicht mal eine Antwort.“ So müsse der Landkreis alles versuchen, die Unterbringungsquoten zu erfüllen. Die Kreisverwaltung geht dabei davon aus, dass auch immer wieder Plätze in Sammelunterkünften frei werden, sobald Asylbewerber anerkannt werden und von da an bei der Wahl des Wohnortes freier sind.

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