Vierbeiner

Ein Frettchen als Haustier? Expertin hat im Kreis Hildesheim ein spezialisiertes Tierheim aufgebaut

Alfeld - Frettchen sind laut Carmen Korger als Haustiere wie eine Mischung aus Hunden und Katzen. Sie findet, dass die kleinen Raubtiere liebenswerte Mitbewohner abgeben. Für die Tiere, die zu alt oder zu krank zum Weitervermitteln sind, hat sie eine bundesweit einzigartige Lösung.

Carmen Korger von der Frettchenvilla Sternenglanz mit einem ihrer Schützlinge auf dem Arm. Foto: Phillip Kampert

Alfeld - Wem Hunde zu anhänglich und Katzen nicht kuschelig genug sind, dem würde Carmen Korger zum Frettchen raten. Denn: „Als Haustiere sind Frettchen im Grunde wie eine Mischung aus Katze und Hund“, sagt die 47-jährige Leiterin der Frettchenvilla Sternenglanz in Alfeld. Korger muss es wissen, befinden sich doch rund 20 der quirligen Raubtiere in ihrer Obhut.

Nach mühsamem bürokratischem Vorlauf ist die Frettchenvilla seit wenigen Wochen offiziell ein Tierheim. Zuvor betrieb Korger das de-facto Heim als individuelle Sachkundige – ein Zustand, der auch finanziell nicht mehr tragbar war. Zum Gratulieren hat am Montag sogar Landrat Bernd Lynack (SPD) einen Stopp seiner Sommerreise in Freden zum Gratulieren eingelegt. Ihm berichtete Korger stolz, dass sie in Alfeld bundesweit die einzige Hospiz-Abteilung für Frettchen betreibt.

Einzigartig in Deutschland

In der Frettchenvilla leben nämlich nicht nur Tiere, für die es noch Hoffnung auf eine Weitervermittlung an neue Besitzer gibt. Auch kranke und alte Tiere finden bei Korger ein letztes Heim, bevor sie irgendwann – wenn die Schmerzen kommen – in Absprache mit einer Tierärztin eingeschläfert werden. „Bei mir leidet kein Tier“, sagt die Betreiberin.

Die Frettchen kommen aus ganz Deutschland – selten aus dem Ausland – entweder nach Alfeld oder in eines der anderen wenigen deutschen Heime, die sich auf die Art spezialisiert haben. Entweder, weil jemand ausgesetzte Frettchen gefunden hat oder weil Frettchenbesitzer ihr Tiere loswerden wollen. Auch wer sich ein Frettchen anschaffen möchte, kommt zu Korger – aber was müssen Interessierte wissen?

Für wen sind Frettchen die perfekten Haustiere?

Laut Korger sind die Tiere ideal für Schichtarbeiter. Die Tiere sind eigenständig und flexibel genug, um auch mit einem unbeständigen menschlichen Lebens- und Arbeitsrhythmus klar zu kommen.

Kann man sich ein einzelnes Tier anschaffen?

„Frettchen sind Gruppentiere“, sagt Korger. Heißt: Zwei Tiere müssen es mindestens sein.

Wie viel Platz brauchen Frettchen?

Die Tiere können in einem Zimmer, frei in der Wohnung oder im Außenbereich – oder in einer Mischform – gehalten werden. Korger gibt Tiere nur ab, wenn genug Platz ist: Innen mindestens sechs Quadratmeter plus ein weiterer Quadratmeter ab dem zweiten Tier. Draußen zwölf Quadratmeter plus ein weiterer Quadratmeter ab dem zweiten Tier.

Was braucht man neben ausreichend Platz noch?

„Frettchen spielen gerne“, sagt Korger. Also muss man Spielzeug wie Bälle stellen, zusätzlich kuschelige Ecken (etwa flauschige Decken) sowie einen geeigneten Rückzugsort. Dazu kommt die Ausrüstung, die man für jedes Haustier braucht: Futter, Streu, Klo.

Wie vertragen sich Frettchen mit anderen Tieren und Kindern?

„Mit Katzen und Hunden können Frettchen sich verstehen, müssen sie aber nicht“, sagt Korger. Das hänge von der Persönlichkeit der konkreten Tiere ab. Ein Zusammenleben mit Kindern unter 16 Jahren empfiehlt sie nicht. „Die haben spitze Zähne und wenn man sie falsch behandelt oder anfasst, beißen sie auch mal zu.“ Korger gibt zwar nur Frettchen ab, die erzogen sind, Menschen nicht zu kratzen oder beißen – aber ein Restrisiko bleibe.

Wie viel kostet ein Frettchen?

Bei der Frettchenvilla gibt es ein Tier gegen eine Schutzgebühr von 200 Euro, dann ist das Tier auch geimpft, gechipt und kastriert. Von Händlern, die über Kleinanzeigen wie Ebay oder Quoka verkaufen, rät Korger ab. Die oft günstigeren Preise würden auf Kosten des Tierwohls erzielt. Die Tiere seien oft weder gut ernährt, noch erzogen noch geimpft, gechipt und kastriert.

Werden Frettchen stubenrein?

Frettchen können laut Korger viel lernen – aber hundertprozentig stubenrein werden sie nicht.

Stinken Frettchen nicht?

Es stimmt: „Das ist ein richtiger Gestank“, sagt Korger, „aber nur bei nicht kastrierten Tieren.“ Nicht-fortpflanzungsfähige Frettchen strömen zwar immer noch einen moschusartigen Geruch aus, dieser ist aber lange nicht so stark wie etwa der eines nassen Hundes.

Was muss man bei Interesse an einem Frettchen tun?

„Zuerst telefoniere ich mit Interessenten“, sagt Korger, „dann kommen sie zum Kaffee und lernen die Frettchen kennen.“ Nur wenn die Chefin ein gutes Gefühl hat und die Tiere gut auf die potenziellen Besitzer reagieren, gibt Korger Exemplare ab.

Was ist das beste an Frettchen als Haustier?

„Die sind einfach lustig“, sagt Korger. Die Tiere sind neugierig und verspielt. Außerdem hat Korger die Erfahrung gemacht, dass Frettchen es spüren, wenn es den Menschen schlecht geht. „Gerade, wenn man es braucht, kommen die zum Kuscheln.“

Tierschutz-Fest

Am 24. August ist die Frettchenvilla beim kreisweiten Tierschutz-Fest Tierisch bunt 2024 vertreten, bei dem es zum Beispiel einen Flohmarkt und Stände mit Tierbedarf gibt. Für Verpflegung ist gesorgt. 11 bis 17 Uhr, Am Thie 3, Röllinghausen

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