Hildesheim - Im Juli kommen zum zweiten Mal die 90s Super Show und die Schlagerinsel nach Hildesheim. Vergangenes Jahr lockten die Events zusammen 16 000 Gäste auf den Volksfestplatz. Beide Festivals werden von der Firma Media.One betrieben. Ihr Chef: Denis Pfannmüller. Der begann seine Karriere als Veranstalter in der Frankfurter Club-Szene. Mit befreundeten DJs organisierter er erste Partys, bevor er 1995 zur Plattenfirma Zyx Music ging und dort für neue Künstler zuständig war. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem mit Rednex („Cotton Eye Joe“) zusammen. Nach zwei Jahren bei Zyx studierte er BWL und machte sich als Veranstalter selbstständig und ist heute Geschäftsführer zweier Event-Firmen. Er wohnt mit seiner Frau und einem Kind in der Nähe von Frankfurt am Main. Was ist die Vision des 53-Jährigen – und warum bringt er Eurodance und Schlager ausgerechnet nach Hildesheim?
Herr Pfannmüller, Sie organisieren Partys wie die 90s Super Show und die Schlagerinsel. Sind Sie auch privat ein Party-Tier?
Nicht mehr – die Zeiten sind vorbei. Und auf meinen Festivals bin ich eh die ganze Zeit am Arbeiten: gucken, dass alles läuft, dass alle das haben, was sie brauchen.
Einige der Künstler kennen Sie seit mehr als 20 Jahren – die sind ja auch älter geworden. Reden Sie jetzt alle über Eigenheime und Bausparverträge?
Wir reden leider gar nicht so viel miteinander. In der Festivalsaison sind viele Acts so eng getaktet, dass die nach ihren Auftritten sofort weitermüssen. Eine schöne Ausnahme war zum Beispiel Rednex – mit denen habe ich letztes Jahr nach der Supershow noch bis lang in die Nacht auf dem Hildesheimer Marktplatz gesessen und Geschichten von früher erzählt.
Apropos Hildesheim: Normalerweise gastieren Sie mit Ihren Veranstaltungen in Städten wie Berlin, Leipzig oder Bremen. Das kleine Hildesheim ist da ein Ausreißer – wie kommt’s?
Wir sind permanent auf der Suche nach guten Orten und der Volksfestplatz hat einige Vorteile: Die Anwohner-Situation ist entspannt, der Platz wirkt – für mich als Außenstehenden jedenfalls – zentrumsnah und wir werden auch in der Stadt mit offenen Armen empfangen. Die Zusammenarbeit mit den Vermietern ist sehr gut.
Und das Hildesheimer Publikum?
Großartig! Man merkt, dass die eine gute Zeit wollen. In Großstädten wie Berlin werden die Leute manchmal nervös, wenn’s fünf Minuten später losgeht. Das ist in Hildesheim anders.
Na ja, letztes Jahr musste man vor allem auf seine Getränke lange warten – vor den Ständen gab es Riesenschlangen.
Ja, das war wirklich nicht optimal. Uns hat kurzfristig die Agentur für die Thekenkräfte abgesagt. Das braucht man heutzutage, man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass an jedem Veranstaltungsort genug junge Leute sind, die sich an der Theke was dazuverdienen wollen. In der Kürze der Zeit haben wir das jedenfalls nicht mehr ausgeglichen bekommen – das wollen wir in diesem Jahr besser machen. Es war ja aber auch kurz nach den Lockdowns, das hat die Planung damals echt erschwert.
Nach der Corona-Zeit wollen alle wieder auf Festivals – und die Neunziger und Schlager laufen ja aktuell ziemlich gut. Ist es da schwierig, die Stars auf die Bühne zu bekommen?
Meine Kontakte von früher helfen mir da sehr.
Und wenn die so gefragt sind, wollen die da nicht ein Vermögen?
Es kommt ja noch hinzu, dass viele Künstler sich fragen: Wie lange kann ich noch auf der Bühne stehen? Dann rechnen die durch, was sie bis zum Karriereende noch verdienen wollen. Über die einzelnen Gagen kann ich vertraglich nichts sagen, aber im Schnitt zahle ich 10 000 Euro pro Act und Auftritt.
Einige Leute finden die Ticketpreise etwas hoch …
Wenn man das mal gegenrechnet, glaube ich, dass wir da ein faires Angebot machen – gerade für die Frühbucher.
Und am liebsten würden Sie ihr Angebot in Hildesheim sogar noch erweitern.
Ja. Ich veranstalte auch Oktoberfeste, da prüfen wir gerade, ob das nicht auch was für den Volksfestplatz wäre. Aber grundsätzlich gibt es diese Idee, die Woche zwischen 90s Super Show und Schlagerinsel zu einem großen Festival zu machen. An den Freitagen könnten dann eigenständige Konzerte laufen, an den Donnerstagen Comedy, die Woche über vielleicht lokale Bands. Denn wenn wir kommen, ist die Open-Air-Infrastruktur da. Da könnten sich dann auch Partner einklinken, die das alleine nicht stemmen würden. Ein großes Kultur-Festival – das ist die Vision.
Und wann geht’s los?
Zum Oktoberfest kann ich noch nichts sagen. Aber zum Festival: Da laufen schon Gespräche, da bin ich für 2024 optimistisch.
