Hildesheim - Nach sechs Stunden in der meist prallen Sonne mussten sie alle nochmal richtig ran, die Hildesheimer Schlagerfans: Giovanni Zarrella, der das Finale des „Schlagerinsel“-Festivals am Sonntag auf dem Volksfestplatz bestreiten durfte, ließ nicht mit sich spaßen. Alle mussten mitmachen, mitklatschen, mitsingen, als der Deutsch-Italiener deutsche Hits auf Italienisch umgetextet präsentierte, etwa „Irgendwie, irgendwo, irgendwo, irgendwann“ und „Atemlos“. Und tatsächlich bekam der auf der Bühne omnipräsente Entertainer das Publikum noch einmal richtig zum Toben, erst recht, als er zu Klassikern wie „Volare“ umschwenkte.
Zimmermanns Einblicke
Gut 6000 Besucherinnen und Besucher waren auf den Volksfestplatz gekommen, um eine wahre Starparade der Szene zu sehen und zu hören. Und sie erlebten früh den ersten Höhepunkt, als Anna-Maria Zimmermann wie ein Irrwisch über die Bühne tanzte und ein Meer klatschender Hände belohnt wurde.
Zimmermann gab nach ihrem Auftritt auch einen persönlichen Einblick, warum ihr die Corona-Pandemie besonders hart zugesetzt hatte. Zimmermanns Bühnenpräsenz hatte längst nicht jeder Künstler. Für die nächsten Höhepunkte sorgte der junge Vincent Gross, der als einziger einen Sprung von der Bühne wagte und sich beim Singen vom Publikum tragen ließ.
Alles gab auch Michelle – was ihr zunächst einen respektvollen Kommentar des wartenden Bernhard Brink einbrachte („Mann, die gibt ja richtig Gas!“), dann aber zunehmend Sorgen um ihre Stimme weckte. Um die hatte die einstige Grand-Prix-Sängerin gegen Ende mächtig zu kämpfen.
Viel „Modern Talking“
Dieses Problem hatte Kerstin Ott nicht. Bei ihrem Pride-Hit „Regenbogenfarben“ war das Publikum sofort auf Betriebstemperatur, Regenbogenflaggen wehten über dem Festplatz, ein Riesenchor sang mit: „Lasst uns die Welt bemalen ...“ Als Zugabe gab es das Stück später nochmal.
Vom Publikum gefeiert wurde auch der „Schlager-Dino“, wie ihn die Moderatoren ankündigten: Bernhard Brink. Er gönnte sich allerdings, ebenso wie nach ihm Thomas Anders, ein vergleichsweise kurzes Set, was den einen oder anderen Besucher irritierte. Anders zeigte auch, dass er bei allem „Blick in die Zukunft“ (siehe Interview) immer noch stark an „Modern Talking“ hängt. Einen Großteil seines Programms bildete ein Medley seiner größten Hits aus der gemeinsamen Zeit mit Dieter Bohlen.
Comeback 2023 zugesagt
Dass Anders nicht am Schluss auftrat, wunderte manchen Fan – doch Giovanni Zarrella rechtfertigte den Premium-Platz mit vollem Einsatz, intensiver Interaktion mit dem Publikum und – auch wenn das beim Schlager nicht immer im Vordergrund steht – der besten Männerstimme des Abends.
Veranstalter Denis Pfannmüller von der Agentur MediaOne kündigte noch am Sonntag an, die Festivals im nächsten Jahr erneut nach Hildesheim zu bringen – wenn auch in etwas anderer Form. „Wir sind von Behörden und Platzbetreibern hervorragend aufgenommen worden, die Stimmung war sehr positiv, das hat Spaß gemacht“, bilanzierte er.
