Söhlde/Kreis Hildesheim - Sich hinsetzen, der Geschichte lauschen und in eine andere Welt abtauchen – Bibliotheken und Leseclubs rücken am Freitag wieder das Vorlesen in den Mittelpunkt. Der bundesweite Vorlesetag soll Kinder und Erwachsene gleichermaßen für das Thema begeistern. Auch im Landkreis Hildesheim sind Kinder wieder dazu eingeladen, sich in die unterschiedlichsten Bücherwelten zu stürzen – ob nun in Groß Düngen, Sarstedt oder Lamspringe.
Wichtig sei aber, dass die Begeisterung für das Vorlesen auch nach dem Aktionstag anhält, sagt Andrea Gabbatsch von der Hildesheimer Stadtbibliothek: „Für uns ist das Thema das ganze Jahr wichtig, denn Kinder sind das ganze Jahr wichtig.“ Erst wenn sie regelmäßig zuhören, lernten sie einen reicheren Wortschatz und eine bessere Aussprache – und ein Verständnis dafür, sich auszudrücken. „Das Vorlesen ist für mich der Schlüssel zur Sprache und damit zum Bildungserfolg“, meint Gabbatsch. „Viele Eltern unterschätzen, wie wichtig das für Kinder ist.“
Eulenroboter, der beim Vorlesen hilft
Auch Karin Buchholz und Melanie Solonaru aus der Gemeinde Söhlde wünschen sich, dass mehr Kinder Geschichten lauschten. Beide sind im Leseclub Söhlde aktiv, wo sie mit vier weiteren Ehrenamtlichen Leseprojekte leiten. Und dabei auch neue Wege gehen wollen – brandneu im Gepäck haben sie dabei Luka, ein Geschenk von Euronics Hoheneggelsen.
Luka ist ein Leseroboter in Form einer Eule, der Texte einüben und vorlesen kann, wenn man die Buchseite vor seinen Augen umblättert. Auch eigene Texte können in die Eule eingesprochen werden, um sie später wieder abzuspielen. Buchholz spricht selbst ein Gedicht für das erste Projekt mit dem Roboter ein, sagt sie.Aber: „Das ersetzt nicht das Vorlesen vor der Gruppe und mit der Gruppe“, sagt Buchholz. Die Vorlese-Eule soll eine Ergänzung sein – und eine Stütze für schüchterne Kinder, die sich vor dem Lesen in der Gruppe zieren. „Damit sie sich trauen“, sagt Buchholz.
Eltern kommen immer seltener zum Vorlesen
Denn immer häufiger, sagt Solonaru, müssten Kinder erst für das Lesen gewonnen werden. Schließlich seien sie von Ablenkungen umgeben – ob nun den Fernseher, das Smartphone oder Tablet. Und die Eltern hätten viel zu selten Zeit, sich mit den Kindern hinzusetzen und gemeinsam eine Geschichte zu lesen, bedauert Solonaru. Daher seien Angebote wie die vom Leseclub wichtig, um die Kinder an das Lesen heranzuführen. Dadurch drängten sie von sich aus ihre Eltern, ihnen etwas vorzulesen – und blieben dann ganz automatisch bei den Büchern, ist sich Solonaru sicher: „Vorlesen ist der erste Schritt zum Selberlesen“, sagt sie. „Und Selberlesen ist der erste Schritt zum Selberdenken.“
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