Hildesheim - Die Schüsse auf das Hildesheimer Jobcenter haben offensichtlich noch weitreichendere Folgen: Inzwischen hat sich ein Hildesheimer Autofahrer gemeldet, der um ein Haar von dem Unbekannten getroffen worden wäre. Das Geschoss schlug in die hintere linke Seitentür seines Fahrzeugs ein. Die Scheibe zersprang in viele Teile.
Es ist Mittwoch, der 18. September, morgens gegen 6.30 Uhr. Es ist noch dunkel. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der 40-jährige Hildesheimer auf dem Rückweg seiner Nachtschicht. An der Kreuzung Kennedydamm/Ecke Kaiserstraße verlangsamt der Mann seine Fahrt vor dem Zebrastreifen. Da hört er plötzlich einen lauten Knall. „Ich dachte, ein Unfall – jemand sei mir in die Seite gefahren“, erinnert sich der Angestellte. Nur: Die Kreuzung ist um diese frühe Uhrzeit völlig frei – kein Verkehr oder Hindernis zu sehen. Wie kann das sein?
Schwarze Gestalt wahrgenommen
Er fährt sofort rechts in die Straße Am Marienfriedhof und bemerkt, dass um ihn herum lauter Glasscherben liegen. Die seitliche Fensterscheibe direkt hinter dem Fahrer ist durchschossen. „Ich habe kaum meinen Augen getraut – der Schuss hat mich nur ganz knapp verfehlt.“ Der Hildesheimer reagiert ziemlich erschrocken, kann zunächst nicht realisieren, was wirklich passiert ist. Aus den Augenwinkeln nimmt er gegenüber auf dem Parkplatz des Justizzentrums eine Gestalt wahr. „Vermutlich ein Mann, dunkel gekleidet.“ Ihm schenkt er zu diesem Zeitpunkt aber keine weitere Beachtung. Er verständigt die Polizei.
Auch die Beamten sind zunächst verwundert über diesen doch etwas mysteriös anmutenden Zwischenfall. Zumal ein sogenannter Ermüdungsbruch der Fensterscheibe bei einem sieben Jahre alten Kombi wohl auch nicht in Frage kommen kann. Als ein weiteres Fachkommissariat von der Polizeiinspektion hinzugezogen wird, fällt der Verdacht schnell auf jenen Unbekannten, der es seit Monaten immer wieder auf das Jobcenter abgesehen hat – und die Polizei in Atem hält.
Wie berichtet, wird das Jobcenter seit Juni immer wieder mit Schüssen attackiert. Die Einschläge vornehmlich an den Fensterscheiben im Erdgeschoss des fünfstöckigen Bürokomplexes liegen nach bisherigen Ermittlungen der Polizei „im hohen einstelligen Bereich“. Unter den mehr als 200 Angestellten herrscht seit Wochen ein ungutes Gefühl. Denn wer dahinter steckt, und vor allem was das Motiv sein könnte, all das ist bislang nicht bekannt, sagt die Polizei in Hildesheim. Die Ermittlungen dauern an.
Hinzu kommt nun noch der Fall mit dem angeschossenen Auto. Die Beamtinnen und Beamten ermitteln wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und haben eine entsprechende Strafanzeige gestellt. Das beschädigte Fahrzeug des Hildesheimers wird genau untersucht: Lassen sich hier Hinweise entdecken, um den Schützen ausfindig machen zu können? Doch weder das Ermittlungsteam noch die Autowerkstatt, die das Fahrzeug später auch untersucht, kann außer jeder Menge Glassplitter etwas finden. Die Suche nach einem möglichen Projektil bleibt vergeblich.
Nun hat die Anschlagsserie aber eine neue Dimension bekommen. Denn fast wäre ein Mensch verletzt worden. Der zweifache Familienvater mag sich gar nicht ausdenken, wenn zu dem Zeitpunkt des Treffers auf sein Auto auf dem Rücksitz jemand gesessen hätte. „Ein furchtbarer Gedanke.“ Der 40-Jährige weiß, dass er vermutlich nur getroffen wurde, weil er eben rein zufällig um diese Uhrzeit am Jobcenter vorbeigefahren ist. „Ich habe riesengroßes Glück gehabt, dass mir nichts passiert ist.“
Wer kann Hinweise geben?
Mittlerweile ist sein Kombi wieder repariert. Der Hildesheimer hofft, dass seine Versicherung den Schaden von etwa 1500 Euro übernimmt und er nicht zusätzlich noch finanzielle Einbußen hat. Wer Hinweise zu den Taten, zu Tatverdächtigen oder dem Umfeld geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 05121/939-115 zu geben.



