Neues Geschäft in der Innenstadt

Einblicke ins Modehaus SiNN vor der Eröffnung in Hildesheim: Zwischen Abriss und Aufbau

Hildesheim - In wenigen Wochen eröffnet in der Hildesheimer Fußgängerzone das Modehaus SiNN – hinter noch zugeklebten Scheiben läuft der Umbau auf Hochtouren. Ein Besuch auf der Baustelle.

Einblick in die noch leeren Etagen, in den kommenden Tagen beginnt der Aufbau der einzelnen Marken-Shops von Esprit, Bugatti, MAC und anderen. Über die Gestaltung der neuen SiNN-Filiale in Hildesheim unterhalten sich an der Rolltreppe Frank Rudolf (Virtual Merchandising), der Interimsgeschäftsleiter Adriano Calá und die Junior-Abteilungsleiterin Alice Frick Foto: Moras

Hildesheim - Es kommt alles raus, was verengt!“ Beim Rundgang über die Etagen des Eckgebäudes am Hohen Weg weist Lutz Hockemeyer auf mehrere X-Markierungen, in Neon-Orange auf Wände gesprüht. Zeichen, die Arbeitern wie Donald und Flamur Raci zeigen: Einmal einreißen, bitte! Hockemeyer will mehr Raum, mehr Licht. Schließlich sollen die Kundinnen und Kunden sich hier wohl fühlen, sobald das Modehaus SiNN seine neue Filiale eröffnet. Und im besten Fall soll die Kundschaft sich natürlich nicht nur wohlfühlen, sondern auch Geld für Kleidung ausgeben. Die sie, wenn man ganz ehrlich ist, nicht unbedingt bräuchte. Das ist keine üble Nachrede, nein, das sagt der regionale SiNN-Verkaufsleiter Lutz Hockemeyer selbst. Er formuliert es so: „Eine Frau kauft ja Schuhe und Bekleidung nicht unbedingt, weil ihr Schrank leer ist.“

Kleiner und feiner, so wollen es die SiNN-Verantwortlichen

Es gehe darum, ein „Einkaufserlebnis“ zu schaffen, das Lust auf den Besuch im Geschäft mache. Und künftig, ab voraussichtlich Ende März, auch hier: in dem markanten Gebäude an der Ecke Hoher Weg/Andreasplatz, das nach der H&M-Schließung 2019 leer stand. Mit einer Verkaufsfläche von 2200 Quadratmetern liegt der Hildesheimer Standort in einem Bereich, für den sich das Unternehmen früher gar nicht interessiert hätte, erzählt Hockemeyer. Auch die Größe Hildesheims wäre damals zu klein gewesen, als eine Stadt schon mindestens Hannover-Größe hätte haben müssen, um bei der Expansionsabteilung ins Visier zu geraten. Doch mittlerweile geht man bei SiNN verstärkt davon aus, dass die schiere Größe nicht über den Erfolg entscheidet. „Es ist ein bisschen ,back to the roots’, was wir machen.“ Zurück zu den Wurzeln. Kleiner und feiner, laute die Devise.

Das Unternehmen will vor allem mit Service und Beratung punkten. „Der persönliche Kontakt zur Kundschaft ist uns extrem wichtig“, sagt Hockemeyer. Und er ist sich sicher, dass es andersherum genau so gelte: Viele Menschen würden lieber im lokalen Handel als online kaufen, wenn denn das Ambiente und der Service stimme. Überhaupt, wer braucht einen Online-Versand!? SiNN jedenfalls nicht. Aus Sicht Hockemeyers muss man beim Handel im Internet nicht mitmachen, wenn das analoge Angebot zum Anfassen passe. Aufwand und Ertrag stünden in keinem vernünftigen Verhältnis. „Die Retourenquote ist viel zu hoch, die liegt bei vielen bei 70, 80 Prozent. Ich kenne keinen, der dabei Gewinn macht.“

Online, stationär – oder beides?

Einer, der beweist, dass Online-Handel parallel zum stationären Geschäft funktionieren und Gewinn bringen kann, ist Tobias Eierund, der in der Almsstraße sein Bekleidungsgeschäft betreibt und dort auch die Zentrale des Onlineshop hoseonline.de eingerichtet hat. Allerdings, das bestätigt Eierund, der schon vor 14 Jahren online startete, funktioniere sein Konzept, weil er nicht auf Plattformen wie Zalando setze, sondern alles allein mache. Dass SiNN nun als neuer großer Anbieter in die Innenstadt komme, sehe er nicht als Konkurrenz-Problem. Im Gegenteil: Das könne die Fußgängerzone beleben, wovon der Handel insgesamt profitiere.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Lutz Hockemeyer sieht das ähnlich. Als er in der ersten Etage des noch leeren Gebäudes an der Glasfassade steht, zeigt er auf die andere Straßenseite, zu den alteingesessenen Bekleidungsgeschäften Adamski und Kressmann. Ja, klar stehe man im Wettbewerb. Aber man wolle hier keinen erbitterten Konkurrenzkampf führen, sagt Hockemeyer. „Wir sind im Grunde ein Filialist, verhalten uns aber wie ein lokaler Einzelhändler“, sagt der regionale Verlaufsleiter. Dazu gehöre zum Beispiel auch, dass SiNN sich an Hildesheimer Innenstadtaktionen der Händler beteiligen werde.

Zunächst aber geht der Innenausbau weiter, Handwerker bereiten die Flächen so vor, dass in einigen Tagen der Aufbau der einzelnen Marken-Shops beginnen kann. Zuerst aber, da muss alles weg, auf dem ein neon-orangenes X prangt.

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