Hildesheim - Elif Ciblak kommt im schwarzen Sportdress auf das Spielfeld. Sie lächelt. Die Hildesheimerin könnte in dieser Saison etwas ganz besonderes schaffen: Sie könnte sich zu Deutschlands bester Amateur-Torjägerin bei den A-Juniorinnen krönen.
Gleich beginnt das Training. Das Frauen-Team des VfV Borussia 06 Hildesheim bestreitet die Übungseinheit gemeinsam mit den A/-B-Juniorinnen des Klubs. Elif Ciblak spielt sowohl für die U19 als auch für die Damen-Mannschaft. Bei den Erwachsenen traf sie bislang 15 Mal – und das mit gerade erst 16 Jahren.
Bis vor ein paar Tagen war Elif Ciblak zudem deutschlandweit die erfolgreichste Torjägerin bei den A-Juniorinnen. Da aber die U19 des VfV 06 am Wochenende nicht spielen musste, und Ciblak deshalb nicht nachlegen konnte, zog Cheyenne Celine Kocak vom 1. FFC Düsseldorf an ihr vorbei. Kocak hat nun 57 Tore auf ihrem Konto, Ciblak 56. Danach kommt eine ganze Weile niemand mehr, auf Rang drei der Statistik rangiert dann mit 47 Treffern eine weitere Hildesheimerin: Mia Caroline Gehrkens vom SV Blau-Weiß Neuhof. Alle Treffer von der Kreisklasse bis zur Regionalliga fließen in diese Statistik ein.
Bleibt sie in Hildesheim?
Zwischen der Düsseldorferin Kocak und der Hildesheimer Angreiferin Ciblak wird es wohl bis zum Saisonende ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Deutschlands Torjägerinnen-Kanone bleiben. „Ich schieße halt sehr gern Tore“, sagt Elif Ciblak. Davon kann sie nie genug kriegen. Kein Wunder, dass höherklassige Vereine an ihr dran sind. Unter anderem liegen Angebote von den Oberligisten SV Hastenbeck und Nachbarn PSV Grün-Weiß Hildesheim sowie des Landesligisten 1. FC Sarstedt vor.
„Wenn du mehr laufen würdest, käme noch mehr dabei heraus“, sagt Elifs Vater Turhan Ciblak und lächelt liebevoll. „Stimmt schon“, antwortet die Tochter. Sie weiß genau, wo sie im gegnerischen Strafraum zu stehen hat. „Elif kann in allen Lagen den Ball sicher annehmen, ist beidfüßig, hat einen guten Abschluss und ist Kopfball-stark. Aber sie müsste sich einfach mehr bewegen“, wiederholt Papa Turhan.
Die Ciblaks, insbesondere der Vater, sind so etwas wie die Seele des VfV-06-Damenfußballs. Bis vor sieben Jahren war die Familie noch bei Türk Gücü engagiert. 2016 wechselte sie geschlossen zu den Borussen, und Turhan Ciblak übernahm deren Frauen-Team. „Wir haben mit sieben Spielerinnen angefangen, jetzt sind es in der ganzen Abteilung mehr als 60.“
Nach wie vor betreut er die Damen-Mannschaft, die in der Kreisliga auf Platz zwei liegt. Die A- und B-Juniorinnen des Klubs werden von seiner Tochter Dilara Ciblak gecoacht, Elifs älterer Schwester. Die U19 spielt ebenfalls in der Kreisliga und führt dort die Tabelle an. Außerdem gibt es beim VfV 06 noch eine weibliche C/D-Jugend, die wiederum Elif Ciblak gemeinsam mit Björn Matz trainiert.
Ich stehe um 6 Uhr auf, um 7 Uhr beginnt die Arbeit bei der EVI. Um 16.15 Uhr bin ich wieder zuhause, esse schnell etwas, ab 16.30 Uhr trainiere ich die C/D-Juniorinnen, und danach habe ich selbst Training. Ein echter Power-Tag
„Fußball ist ein großer Bestandteil meines Lebens“, sagt Elif Ciblak. Die Torjägerin hat deswegen ein strammes Tagespensum. Sie besucht die elfte Klasse der Fachoberschule für Wirtschaft, absolviert momentan ein Praktikum bei der EVI. „Nehmen wir mal den Montag. Ich stehe um 6 Uhr auf, um 7 Uhr beginnt die Arbeit bei der EVI. Um 16.15 Uhr bin ich wieder zuhause, esse schnell etwas, ab 16.30 Uhr trainiere ich die C/D-Juniorinnen, und danach habe ich selbst Training. Ein echter Power-Tag.“
Fußball steckt bei fast allen Ciblaks in den Genen. Was das angeht, setzte sich das Erbgut des Vaters Turhan Ciblak durch. Seine Frau Nuray kommt zwar immer mit zu den Spielen – richtig interessiert sie sich aber nicht für diesen Sport.
Fünf Töchter hat das Ehepaar Ciblak. „Auch unsere beiden ältesten Mädchen waren lange dabei. Aber sie sind jetzt verheiratet, arbeiten und haben aufgehört, zu spielen. Übrigens werde ich bald Opa“, sagt Turhan Ciblak.
Ein altes Foto aus der HAZ
Seine jüngste Tochter Feyza ist gerade einmal fünf Jahre alt. Selbstredend tritt auch sie schon gegen den Ball. Als Torjägerin Elif Ciblak angefangen hatte, war sie exakt genau so alt wie ihre kleine Schwester Feyza heute. Es gibt dieses Bild aus der HAZ vom Tag des Mädchenfußballs im September 2012. „Mir macht Fußball spielen viel Spaß. Mein Vater hat schon einen Spielerpass für mich beantragt, ich soll in die U12“, sagte die damals fünfjährige Elif Ciblak zum Reporter der Zeitung. Dieses Bild hat sie noch heute auf ihrem Smartphone gespeichert. Und das lässt erahnen, wie wichtig ihr das Thema Fußball ist.




