Empfohlen schon ab fünf Jahren

„Eine Woche voller Samstage“: So kommt das beliebte Kinderbuch als Weihnachtsmärchen am Hildesheimer Theater bei Kindern an

Hildesheim - „Paw Patrol“ oder „Miraculous“ gehören heute in jedes Kinderzimmer. Freude vom Nachwuchs, Pein der Eltern. Das Theater in Hildesheim setzt als Kinderstück zur Winterzeit dagegen „Eine Woche voller Samstage“ in einer betont altmodischen Fassung. So kommt das bei Kindern an.

„Eine Woche voller Samstage“ bringen Daniele Veterale als das Sams und Paul Hofmann als Herr Taschenbier ab sofort nach Hildesheim. Aber können sich Kinder für dieses Theaterstück zur Winterzeit noch begeistern?. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Die ersten Tannen und Holzbuden schmücken die Innenstadt, und noch bevor der Weihnachtsmarkt eröffnet, hat er schon den ersten Eisbären nach Hildesheim gelockt. Mit einem Filzstift in der Pranke schreibt er fleißig Autogramme im Foyer des Theater für Niedersachsen (tfn). Hunderte Kinder drängen sich um seinen Tisch und wollen ein Foto mit ihm und den anderen kostümierten Schauspielenden. Da sitzen ein Erzähler und Frau Rotkohl, Herr Taschenbier und natürlich das Sams.

Ab sofort zeigt das tfn sein „Kinderstück zur Winterzeit“ dieser Spielzeit. „Eine Woche voller Samstage“ können Kinder ab fünf Jahren bis Weihnachten erleben. Zuletzt 2011 war die Geschichte von Paul Maar am Hildesheimer Theater zu sehen, damals als Musical. Dieses Jahr inszeniert Melanie Schweinberger, die vorletztes Jahr „Der kleine Vampir“ in die Vorweihnachtszeit nach Hildesheim gebracht hat, das Treffen vom zurückhaltenden Herrn Taschenbier und dem quirligen Sams als Schauspiel.

Große Freude bei Kindern und Eltern

Quieken und Glucksen, Kichern und Lachen ertönt bei der Premiere am Sonntagmittag ständig, wenn Daniele Veterale als Sams über die Bühne purzelt. Zum einen von dem Schauspieler selbst, aber auch durchgängig aus dem Zuschauerraum. Die Reihen sind gefüllt mit Kindern, die hörbar Spaß mit und Freude an dem Treiben auf der Bühne haben. Dafür sorgt natürlich das Sams mit den Reimen aus dem beliebten Kinderbuch und Veterale mit Grimassen, Turn- und Tanzeinlagen und Wortgefechten mit dem restlichen Ensemble. Aber auch Linda Riebau und Manuel Klein begeistern das junge Publikum.

Die beiden übernehmen in der Hausbesetzung – wie jedes Jahr spielt das tfn sein Kinderstück zur Winterzeit in zwei Staffeln – die Rollen von Frau Rotkohl oder Oberstudienrat Groll und Büroleiter Oberstein. Kostümbildnerin Beata Kornatowska hat die Erwachsenen in steife Kleider und Perücken gesteckt, sodass sie wie Playmobilfiguren über die Bühne staksen und am wilden Sams verzweifeln. Das sorgt für große Freude beim Publikum – sowohl bei Kindern als auch Eltern.

Nicht aufregend, aber stilsicher

Trotz einigem Gekreische ist die Inszenierung vom tfn sonst angenehm gediegen. Die Geschichte bleibt eng an der Vorlage und ist überhaupt nicht modernisiert. Lediglich ein Smartphone taucht auf, sonst steht im Büro ein Abakus und in der Schule steht Leibesertüchtigung auf dem Stundenplan. Die Jugend von heute hat trotzdem Spaß und verfolgt die 70-minütige Aufführung aufmerksam. Für Eltern, die regelmäßig in die quietschige Welt der TV-Serie „Paw Patrol“ eintauchen müssen, dürfte das Balsam sein. Das Bühnenbild besteht lediglich aus vier beweglichen Elementen, die den Schriftzug „Sams“ formen und in matten Wasserfarben bemalt sind. Nicht aufregend, aber stilsicher.

Über der Bühne hängen blaue Lampions, die bei jedem Wunsch von Herrn Taschenbier erlöschen, so wie die Wunschpunkte im Sams-Gesicht verschwinden. Das ist für die Kinder leicht verständlich und führt durchs Stück. Denn bei allem Spaß (zu dem auch Ensemblemitglied Camila Cordero und Gastspieler Tobias Herrmann als Erzähler beitragen) erzählt „Eine Woche voller Samstage“ auch eine Geschichte – wie alles, ganz unaufgeregt, aber effektiv. Paul Hofmann übernimmt als Herr Taschenbier den menschlichen Anker im Stück.

Ausgiebiger Applaus

Das gelingt ihm gut, gerade im Zusammenspiel mit Veterale als Sams. Zwischen den beiden herrscht eine schöne Chemie, sodass in all dem Chaos und den Nervenzusammenbrüchen bei Rektoren, Chefs und Vermieterinnen auch zu sehen ist, wie der zurückhaltende Herr Taschenbier lernt, seinen Mann zu stehen und sich eine echte Bindung zwischen ihm und dem Sams entwickelt. Das alles aber ganz nebenbei, ohne, dass es ausbuchstabiert wird.

Am Ende gibt es ausgiebigen Applaus, ohne dass die Kinder von den Sitzen springen. Dass sie die Geschichte trotzdem erreicht hat, zeigt sich bei der Autogrammstunde im Foyer. Da schließen sie selbst den Eisbären, den sich Herr Taschenbier in der Geschichte herbeigewünscht hat, in die Arme.

Die nächsten Termine

„Eine Woche voller Samstage“ ist diesen und nächsten Montag und Dienstag, also 17. und 18. sowie 24. und 25. November, je um 8.45 und 11.15 Uhr in Hildesheim zu sehen. Karten gibt es auf www.mein-theater.live.

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