Radsport

Eintrittsgeld für Bad Salzdetfurther Bikepark: Jetzt hagelt es viel Kritik

Bad Salzdetfurth - Im Bad Salzdetfurther Bike- und Outdoorpark (BOP) müssen Radsportler künftig ein Ticket ziehen, bevor sie ihre Runden drehen können. Der Betreiber gibt wirtschaftliche Gründe dafür an – doch es gibt viel Kritik am neuen Eintrittsgeld.

Bad Salzdetfurth - Seit fast zwölf Jahren gibt es den Bike- und Outdoorpark (BOP) in Bad Salzdetfurth. Und genau so lange wird über die Einrichtung kontrovers diskutiert. In der Vergangenheit insbesondere deswegen, weil der BOP aus Sicht der Kritiker die Stadt nur Geld kosten würde, aber nichts oder zu wenig einbringe. Nun hat sich der Betreiber, inzwischen ist das die hundertprozentige Stadttochter Sportstadt GmbH, entschieden, Eintrittsgeld für die Anlage zu nehmen. Doch das ruft neue Kritiker auf den Plan.

Ich werde den Park künftig meiden

Stefan Quiska

Einer von denen ist Stefan Quiska. Der Hildesheimer ist ambitionierter Radfahrer, pendelt mit dem Rad zur Arbeit und radelt in seiner Freizeit viel durch den Landkreis. Im BOP ist Quiska Stammgast – bislang. Der Sportler trainiert selbst auf den Trails, kommt zudem häufiger mit Besuchergruppen, Kindergeburtstagen zum Beispiel. „Ich werde den Park künftig meiden, wenn ich dort bezahlen muss“, sagt Quiska. Dabei ist er gar nicht grundsätzlich gegen eine Gebühr. Allerdings geht ihm das Ticketsystem gegen den Strich. „Es trifft die Falschen“, ist er sicher und mutmaßt, dass künftig viele Kinder und Jugendliche nicht mehr kommen werden. Oder sie ohne Ticket fahren, „weil das ja auch gar nicht richtig kontrolliert werden kann“, argumentiert er. Als Alternative schlägt Quiska Parkgebühren für diejenigen vor, die mit dem Auto anreisen. Das treffe dann solche, die es sich am ehesten leisten könnten und ließe sich zudem besser kontrollieren. Quiska wirft noch ein weiteres Argument in die Waagschale: Aufgrund des Eintrittsgeldes würden sich vermutlich wieder mehr Biker in den Wald zurückziehen, dort vielleicht eigene Schanzen bauen – das sei nicht nur gefährlicher, sondern auch nicht im Sinne von Wanderern und Natur.

Der Bikepark hat laufende Kosten, die gedeckt werden müssen und wenige Einnahmen

Jonah Willig

Noah Lehning lehnt das Ticketsystem prinzipiell nicht ab, „im Gegenteil“. Und auch Jonah Willig sagt: „Der Bikepark hat laufende Kosten, die gedeckt werden müssen und wenige Einnahmen“. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Park kostenpflichtig wird. Doch es gebe einige Detailfragen, die zuvor hätten angesprochen werden müssten. Lehning und Willig sind viel im BOP unterwegs. Beide nutzen ihn privat wie beruflich.

Der 22-jährige Lehning ist am Ortberg aufgewachsen, fährt quasi sein Leben lang Fahrrad, vor allem im BOP. Zudem ist er Leiter des Propain Testcenters, das zur Fahrtechnikschule Rock My Trail gehört, die seit zwei Jahren eine Filiale am BOP hat. Lehning bedauert, dass die Sportstadt GmbH vor Einführung des Ticketsystems nicht das Gespräch gesucht habe: nicht mit den vielen lokalen Fahrern und auch nicht mit Rock My Trail, die zahlreiche Kurse im BOP geben und dafür eine Abgabe pro Teilnehmer an den Betreiber zahlen. Sehr viele Rock My Trail-Kunden seien erst durch die Kurse auf den Park aufmerksam geworden, so Lehning.

Kein Geld für die vielen freiwilligen Helfer

Gebühren seien gerechtfertigt, aber die Umsetzung eines Ticketsystems könnte sich als schwierig gestalten, mutmaßt Willig. Der 25-Jährige ist passionierter Mountainbiker, gehört ins Team um Olaf Nützsche, der bei der Sportstadt angestellt ist und den BOP unter seinen Fittichen hat. Außerdem gibt Willig für Rock My Trail Fahrtechnik-Kurse. „Der Bikepark liegt mir besonders am Herzen, da ich von Stunde eins der Anlage mit dabei war, dort förmlich jedes Wochenende meiner Jugend verbracht habe und zum Wachstum des Bikeparks beitragen durfte“, sagt Willig. Geld haben er, Lehning und die anderen Helfer für ihre viele Arbeit im BOP noch nie bekommen.

Willig ahnt: „Ohne kontrollierende Instanz – wie ein Drehkreuz vor einem Lift – wird ein Ticketsystem wohl stark auf Vertrauensbasis basieren.“ Eine transparente Kommunikation sowie ein stetiger Ausbau und Optimierung des Parks seien unabdingbar, wenn das Bezahlmodell funktionieren solle. Gerade im Punkt Optimierung gibt es aber offenbar Nachholbedarf. Einige der Elemente stünden schon seit Tag eins im BOP, bräuchten dringend eine Überarbeitung, so Lehning.

Andere Bikeparks nehmen Liftgebühren

Er erinnert, dass in anderen Bikeparks Gebühren für einen Lift zu zahlen seien, ansonsten aber keine Gebühren für die Nutzer und Nutzerinnen anfallen würden. Der BOP lebe von seiner Familien- und Anfängerfreundlichkeit, „genau das macht ihn zu einem so attraktiven Ausflugsziel“. Besonders Familien mit kleinen Kindern und Jugendlichen profitierten von der bisher kostenfreien Nutzung. „Auch die Jugendlichen werden es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf Dauer leisten können, dort jeden Tag ihre Runden zu drehen“, ergänzt Willig.

Ich habe schon echt viel Herzblut und Zeit in den BOP investiert, um den Park zu pflegen und verbessern

Noah Lehning

Lehning habe „schon echt viel Herzblut und Zeit in den BOP investiert, um den Park zu pflegen und verbessern“, die Einführung des Ticketsystems habe deshalb für ihn und viele andere einen bitteren Beigeschmack. „Dadurch das dazu keine Kommunikation stattgefunden hat, fühlt es sich so an, als wären die hunderten, freiwilligen Arbeitsstunden, die meine Freunde und ich geleistet haben, nicht gewollt oder einfach nichts wert“, bedauert Willig. In Zukunft würden er und seine Mitstreiter sich die Frage stellen müssen, ob sie Eintritt für Strecken und Sprünge zahlen wollen, die sie selbst gebaut haben.

Lehning, Willig und die anderen aus dem Team wollen nun das Gespräch mit der Sportstadt GmbH suchen: „Man kann sicherlich voneinander profitieren“, sagt Lehning. Ohne die Arbeit der vielen freiwilligen Helfer wäre der Park schließlich nicht das, was er jetzt ist, so Willig.

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