Photovoltaik-Freiflächenanlage

Energiewende im Schatten des Kohlekraftwerks: Das entsteht gerade in Mehrum

Hohenhameln - Die Tage des Kohlekraftwerks in Mehrum sind gezählt. Der Bau einer großen Photovoltaik-Freiflächenanlage in der Nachbarschaft verrät einiges über den aktuellen Druck der Energiewende.

In zwölf Reihen werden die Solarmodule in der Nachbarschaft des Kohlekraftwerks Mehrum angeordnet. Foto: Thomas Wedig

Hohenhameln - Das Bild hat Symbolkraft, steht es doch für zwei Pole der Energiewende: Zu Füßen des Kohlekraftwerks in Mehrum nimmt eine der größten Freiflächen-Photovoltaikanlagen der Umgebung Gestalt an. Auch wenn der Kraftwerksriese ab dem 1. August noch einmal für eine Übergangszeit Strom produzieren wird, sind seine Tage gezählt. Die Zukunft liegt unten auf der Wiese im Gewerbegebiet Ackerköpfe. Mehr als 7000 Solarmodule, zusammengerechnet mit der Fläche von zwei Fußballfeldern, sollen künftig so viel Strom produzieren, dass damit die Orte Hohenhameln und Mehrum mit zusammen rund 5000 Einwohnern komplett mit Strom versorgt werden könnten. Ein moderner Speicher wird außerdem dafür sorgen, das Solarstrom auch für die Nacht zur Verfügung steht.

20 bis 30 Anfragen pro Tag

Andreas Greinke, der die Anlage mit seiner Firma GW Energytec baut, spürt in diesen Tagen, wie die aktuelle Energiekrise Druck aufbaut: „Wir haben zurzeit jeden Tag 20 bis 30 Anfragen von Hausbesitzern, die schnell eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach installieren möchten“, berichtet er. Doch auch wenn sein 40-köpfiges Team neben dem Großprojekt auf der Wiese pro Woche zehn Anlagen auf Privathäusern anbringt, ist der Andrang kaum noch zeitnah zu bewältigen. Was nicht nur an den Personalkapazitäten liegt, sondern auch an der Lieferzeit einzelner Teile. Die liegt zum Beispiel beim Trafo für die Freiflächenanlage bei 65 Wochen.

Das zeigt schon: Trotz der neuen Dringlichkeit, die die Energiewende durch die weltpolitische Lage gewonnen hat, muss ein Projekt immer noch mit einem gewissen Vorlauf geplant werden. In Mehrum laufen die Arbeiten seit zehn Tagen, in drei Wochen sollen die Gerüste mit den Modulen stehen. Da dann aber noch Trafo und Akku fehlen, rechnet Greinke damit, dass die Anlage erst im Februar oder März des kommenden Jahres in Betrieb gehen wird.

Investitionsvolumen zwischen 3 und 4 Millionen Euro

Die Firma GW Energytec wird sie nicht selbst betreiben. Das Unternehmen baut sie und übergibt die Anlage, die zwischen 3 und 4 Millionen Euro kosten wird, dann an einen Investor aus Süddeutschland. Der steht schon fest, soll aber noch nicht genannt werden. Mit den Kosten verhält es sich derzeit wie in den meisten anderen Wirtschaftsbereichen: „Sie liegen aktuell um 60 bis 70 Prozent höher als vor zwei jahren“, berichtet Greinke.

Seine Firma hat ihren Sitz erst seit dem vergangenen September in Mehrum – und das direkt neben dem Feld, auf dem nun die Photovoltaik-Freiflächenanlage wächst. Die ist in der Region nicht das einzige aktuelle Großprojekt dieser Art. Ähnliche Anlagen entstehen zum Beispiel bei Detfurth (Stadt Bad Salzdetfurth) und bei Volkersheim (Stadt Bockenem), auch bei Netze und Harbarnsen (Gemeinde Lamspringe) ist eine geplant. Dort gab es Proteste gegen die Pläne, eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans ist aber in Arbeit.

Nach den Erfahrungen von Andreas Greinke haben die großen Photovoltaik-Flächen für die Tierwelt eher positive als negative Effekte. „Die Tiere haben da ihre Ruhe, Schutz und Schatten“, sagt er, „das wird unterschätzt.“ Das gilt für die Rolle der Photovoltaik nicht: Im vergangenen Jahr deckte sie in Deutschland mit 51 Terawattstunden von mehr als 2 Millionen Anlagen 9,1 Prozent des Stromverbrauchs, wie das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme berichtet und ergänzt: „ An sonnigen Tagen kann PV-Strom zeitweise über zwei Drittel unseres momentanen Stromverbrauchs decken.“

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