Kreis Hildesheim - Weg vom Erdgas: Das ist ein zentrales Ziel, wenn es um die künftige Wärmeversorgung in der Region geht. Doch dieser Weg ist noch lang: Laut Landesamt für Statistik wurden 2020 im Kreis Hildesheim noch rund die Hälfte aller Neubauten mit Gasheizungen bestückt. Ansonsten sind Wärmepumpen auf dem Vormarsch, sie hatten im besagten Jahr einen Anteil bei Neubauten von etwas mehr als einem Drittel erreicht, Tendenz stark steigend.
Geothermie, auf Deutsch Erdwärme, spielt allerdings bei privaten Bauprojekten rund um Hildesheim noch kaum eine Rolle, dabei spricht der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) von einem „absolut unterschätzten Schatz“.
Gefährlich: Wenn Grundwasser in Gipsschichten sickert
Doch der ist im Hildesheimer Land nicht so einfach zu heben. Das liegt unter anderem daran, dass in großen Teilen der Region Sulfatgestein vorkommt, das sich vor allem aus Anhydrit und Gips zusammensetzt. Und das hat seine Tücken: Die Bohrungen, die für die Nutzung von Erdwärme nötig sind, können dazu führen, dass Grundwasser in solche Gesteinsschichten einsickert.
Die Folge: Gips quillt auf und vergrößert sein Volumen derartig, dass Gebäude an der Erdoberfläche massiv geschädigt werden können. So geschehen in Staufen im süddeutschen Breisgau. Dort sollte das Rathaus mit Erdwärme versorgt werden. Die Bohrungen hinterließen aber Schäden an zahlreichen anderen Häusern, die danach von Rissen durchzogen wurden.
Hildesheimer Börde geeignet
Gibt es ein Kataster über entsprechende Bohrungsergebnisse im Kreis Hildesheim, die solche Schäden vermeiden könnten? Kreisweit nicht, antwortet die Verwaltung der Gemeinde Diekholzen auf eine entsprechende Anfrage der FDP des dortigen Rates. Die Verwaltung verweist aber auf Karten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) für ganz Niedersachsen. Eine dieser Karten zeigt die Verteilung von Sulfatgestein.
Sie können das Bild mit ihren Fingern/der Maus herein und herauszoomen und den Ausschnitt des Bildes nach links und rechts schieben. Die roten Flächen zeigen an, wo in Niedersachsen Sulfatgestein vorhanden ist.
Und vor dem sind Erdwärmenutzer nicht mal in der Hälfte des Kreisgebietes sicher – am ehesten in der Börde im Bereich der Gemeinden Algermissen, Harsum, Schellerten und Söhlde, außerdem in einem Bogen von Emmerke über Rössing nach Sarstedt sowie zwischen Sibbesse und Alfeld und südwestlich von Hildesheim – wahrscheinlich auch dort, wo das Neubaugebiet am Wasserkamp entstehen soll. Nähere Infos dazu soll es allerdings erst bei einem Workshop am 14. Januar geben. In der kompletten nördlichen Hälfte von Niedersachsen kommt Sulfatgestein kaum vor, behindert also auch die Nutzung Geothermie nicht. Das gilt auch für den Harz.
Erdwärmenutzung in der Region „bedingt zulässig“
Unabhängig vom Sulfatgestein hat das LBEG ganz Niedersachsen nach anderen Kriterien in Bezug auf die Erdwärmenutzung als „zulässig“, „bedingt zulässig“ und „unzulässig“ eingestuft. Dabei geht es unter anderem um Trinkwasserschutzgebiete und um Einflüsse von Bergbau. Als uneingeschränkt zulässig gilt der Landkreis Hildesheim nach dieser Klassifizierung nirgendwo.
Für etwa 90 Prozent des Kreisgebietes wird die Erdwärmenutzung als „bedingt zulässig“ bewertet. „Unzulässig“ ist sie östlich der Sieben Berge bei Alfeld und südwestlich des Sackwaldes bei Everode und Winzenburg sowie auf mehreren kleineren Flächen.
Sie können das Bild mit ihren Fingern/der Maus herein und herauszoomen und den Ausschnitt des Bildes nach links und rechts schieben. Die verschiedenen Farben in der Karte zeigen an, wo die Nutzung von Geothermie uneingeschränkt erlaubt (grün), bedingt zulässig (blau) und unzulässig (orange) ist.
