Torfhaus - Kalter Wind, der mir den Nieselregen ins Gesicht peitscht und tiefhängende Wolken, wohin ich auch schaue – mein erster Eindruck, den ich vom neuen Harzturm in Torfhaus habe, ist leider ernüchternd. Klar, mit Regen und Wind komme ich noch zurecht, auch wenn ich dem Wetterdienst nicht glauben mag, der für Torfhaus zwölf Grad anzeigt. Fühlt sich nicht einmal nach der Hälfte an, bei dem Mistwetter. Aber die Wolken, das ist schon auf dem Boden klar, stören – wenn schon die Turmspitze im Nebel verschwindet, wie weit kann dann schon die Sicht von oben sein?
Wenn schon die Turmspitze im Nebel verschwindet, wie weit kann dann schon die Sicht von oben sein?
304 Treppenstufen später ist klar: bei weitem nicht so weit wie erhofft. Wohin ich auch leicht außer Atem schaue, ich sehe die schicken Torfhäuser Holzhäuschen und erahne den Fuß des Brockens, ansonsten blicke ich aber nur auf Wolken. Schade, schließlich hätte ich gerne die Sicht erlebt, die die Hildesheimer Investorengruppe um Sebastian Lüder mit ihrem Turm verspricht. Denn dass der Ausblick von dort oben großartig ist glaube ich sofort, immerhin schraubt sich der Turm stolze 65 Meter in die Höhe. Der Blick auf den Brocken, den höchsten Berg Norddeutschlands, ist sicherlich klasse. So aber sehe ich nur ein paar Tannen, wenn sich die Nebelschwaden kurz mal verziehen.
Schlechtes Wetter verzögerte die letzten Arbeiten
Auch schade: Die 110 Meter lange Rutsche, die sich den Turm hinunterschlängelt, ist noch nicht fertig – das Wetter war die vergangenen Wochen zu schlecht, um die letzten Handgriffe zu machen, heißt es in der Eröffnungsrede. Glaube ich sofort, als mir der Wind die nächste Gischt ins Gesicht fegt. Aber auch, wenn ich noch nicht rutschen kann und der Brocken nicht zu sehen ist: In Richtung Boden ist die Sicht frei. Besonders auf dem sogenannten Skywalk, einem Podest, das an einer Seite des Turms in die Luft ragt und komplett aus Glas besteht.
Meine Knie bestehen dagegen mit einem Schlag aus Gummi, sowie ich den Skywalk betrete
Meine Knie bestehen dagegen mit einem Schlag aus Gummi, sowie ich den Skywalk betrete – je länger ich nach unten gucke, desto dünner scheint mir die Glasscheibe zu werden, die mich vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt. Mir wird flau im Magen, ich gucke schnell wieder hoch. Und siehe da – für einen Moment verziehen sich die Wolken, ich blicke dutzende Kilometer weit, gefühlt über den halben Harz hinweg, ohne das geringste Hindernis. Und muss schon sagen: So ist sie tatsächlich großartig, die Sicht!


