Kampf gegen das Coronavirus

Erste Kinder im Landkreis Hildesheim gegen Corona geimpft

Kreis Hildesheim - Grundsätzlich stehen Hildesheims Kinderärzte Corona-Impfungen zurückhaltend gegenüber. Dennoch haben die ersten Zwölf- bis 15-Jährigen jetzt Dosen erhalten. Die Gründe.

Corona-Impfung einer Zwölfjährigen (in Köln): Die meisten Hildesheimer Kinderärzte wollen zunächst nur bei besonderen Vorerkrankungen oder auf dringenden Wunsch von Eltern aktiv werden. Foto: Oliver Berg/dpa

Kreis Hildesheim - In Stadt und Landkreis Hildesheim sind erste zwölf- bis 15-jährige Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus geimpft worden. Die Kinderärztinnen und Kinderärzte stehen der Corona-Immunisierung ihrer jungen Schützlinge zwar grundsätzlich sehr zurückhaltend gegenüber. Erste Immunisierungen gab es dennoch – für Jungen und Mädchen, die aufgrund von Vorerkrankungen im Fall einer Corona-Infektion besonders gefährdet wären.

„Wir impfen seit Montag Zwölf- bis 15-Jährige nur mit bestimmten Vorerkrankungen nach Abwägung der Risiken und den gesundheitlichen Nutzen der Impfung“, berichtet die Hildesheimer Kinderärztin Dr. Candan Basoglu. Bis Mittwoch seien es insgesamt sieben Kinder gewesen, unter anderem mit schweren Herzerkrankungen und Adipositas. Basoglu betont aber: „Aktuell gibt es für uns kein Argument für eine generelle Impfung gesunder Kinder.“

Verweis auf dünne Datenlage

Generell setze sie darauf, Eltern und Großeltern zu versorgen: „Kinder und Jugendliche profitieren deutlich davon, wenn die erwachsene Bevölkerung geimpft wird.“ Doch Basoglu berichtet auch von einem regen Interesse von Familien: „Es kommen täglich viele Nachfragen, und über 100 Kinder sind bei uns auf der Impf-Wunschliste.“



Basoglus Kollegin Dr. Cornelia Wermes betont, die Impfung von Kindern werde in Fachkreisen „angesichts der knappen Impfstoffe und des eher geringen Nutzens kontrovers diskutiert“. Sie selbst biete derzeit „auf ausdrücklichen Wunsch von Eltern“ Corona-Impfungen für Kinder an, weise aber darauf hin, dass „nur eingeschränkt Sicherheitsdaten dafür vorliegen“. Auch Basoglu verweist auf dünne Studien mit nur 1100 Kindern und zwei Monaten Beobachtung.

Kritik an Plänen für Schulen

Scharf ablehnend äußert sich Wermes zu den Überlegungen des Landes für große Impfaktionen in den Schulen: „Das sehe ich kritisch, da dort keine individuelle Beratung stattfindet und Schüler und Schülerinnen möglicherweise unter dem Druck der Schulen gegen ihren Willen geimpft werden.“

Wermes’ Sichtweise wird von den meisten Kinderärztinnen und Kinderärzten in Stadt und Landkreis geteilt. Das betont Heike Thams, die in Hildesheim ebenfalls eine solche Praxis hat. Zwar würden in einzelnen Praxen – wie bei Candan Basoglu – auch schon Jugendliche unter 16 mit schwerer Grunderkrankung auf ausdrücklichen Wunsch nach entsprechender Aufklärung geimpft.

Warten auf die Stiko

Insgesamt sei aber noch genug Zeit, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Größe der Impfdosen und zu eventuellen seltenen Nebenwirkungen abzuwarten. Ähnlich hatte sich vor einigen Wochen die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, die Hildesheimerin Dr. Martina Wenker, im HAZ-Interview geäußert und vor übereilten Schritten gewarnt.

Grundsätzlich warten die Kinderärztinnen und Kinderärzte zudem auf eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Bundes. Denn mit der EU-weiten Zulassung des Biontech-Impfstoffs ab zwölf Jahren sowie dem Ende der Impf-Priorisierung in Deutschland am 7. Juni kann grundsätzlich jeder Einwohner ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft werden. Die rechtlichen Voraussetzungen sind da.

Meist nur Vorerkrankte

Doch die Stiko-Empfehlung ist für viele Medizinerinnen und Mediziner eine entscheidende Richtschnur. Noch hat sich die Kommission nicht geäußert – erwartet wird aber eine eingeschränkte Empfehlung zum Beispiel nur für vorerkrankte Kinder. Kommt es so, würden viele Praxen wohl auch nur betroffene Kinder und Jugendliche berücksichtigen, bis neue Erkenntnisse vorliegen.

Candan Basoglu zum Beispiel schließt die Impfung gesunder Kinder auch bei einem dringlichen Wunsch der Eltern aus, so lange es keine entsprechende Stiko-Empfehlung gibt.

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