Hildesheim - Es gab im Vorfeld viele Warnungen: Führe die Stadt eine Beherbergungssteuer ein, würden die Hotels und andere Übernachtungsbetriebe einige ihrer Gäste verlieren, hatten Branchenvertreter prophezeit. Das sei auch eingetreten, berichten nun übereinstimmend Vertreter der Stadtresidenz und des Van-der-Valk-Hotels der Redaktion. Beide nennen allerdings keine konkreten Zahlen.
Die gibt es jedoch auf der Einnahmenseite bei der Stadt. Ihr hat die neue Steuer im ersten Quartal 2025 knapp 140.000 Euro beschert. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr könnte damit – abzüglich der Personalkosten – ziemlich genau der Betrag herauskommen, den die Verwaltung erwartet hat.
Stadt Hildesheim korrigiert Zahl der steuerpflichtigen Betriebe deutlich nach unten
Seit Januar sind pro Gast vier Prozent des Übernachtungspreises fällig. Die Betriebe müssen die Zahl ihrer Kunden quartalsweise dem Rathaus melden, das auf dieser Basis die Steuer festsetzt. Das Finanzdezernat war ursprünglich von 120 steuerpflichtigen Unternehmen ausgegangen. Doch tatsächlich verschickte die Stadt nach dem ersten Stichtag am 15. April nur Forderungen an 76 Betriebe – das sind deutlich weniger als angenommen.
Man sei ursprünglich von einer weitaus größeren Zahl von Airbnb-Angeboten ausgegangen, begründet das Stefan Scherbanowitz, der Chef des zuständigen Fachdienstes. Gleichwohl machen private Unterkünfte wie Ferienwohnungen etwa den Großteil der steuerpflichtigen Übernachtungsmöglichkeiten aus; dazu kommen zwei Herbergen und 24 Hotels. Die Zahl der säumigen Zahler hält sich bislang in Grenzen; Scherbanowitz spricht von „acht bis zehn Betreibern“, die bislang säumig geblieben sind – zum großen Teil, weil sie noch keine Zahlen liefern konnten.
Doch bekommen die Hotels die Folgen der neuen Steuer tatsächlich zu spüren? „Ja, wir merken das sehr wohl“, berichtet Konstantin Engelke von der Stadtresidenz. Er hatte bereits im Vorfeld befürchtet, dass dem 20-Zimmer-Haus an der Steingrube wegen der Abgabe einige Messegäste abhanden kommen könnten. Und so sei es auch gekommen, sagt Engelke: Er habe gerade erst vor kurzem eine Gruppe verloren, die eigentlich während der Metallbauer-Messe EMO in Hannover im September mehrere Tage in der Stadtresidenz buchen wollte, dies nun aber wegen des steuerbedingten Aufschlags auf die Rechnung nicht tue. Und es gebe ähnliche Fälle, berichtet Engelke. „Ganz klar: Wir werden durch die Steuer weniger Gäste haben.“
Van-der-Valk regstriert Abwanderungen bei privaten Reisegruppen
Auch im Van-der-Valk-Hotel am Marktplatz spüre man die Folgen der Abgabe, sagt Vertriebsleiter Jürgen Völkel – konkret bei kleineren oder mittleren Firmen mit einem begrenzten Budget für Geschäftsreisen. Völkel kann das zwar nicht mit Zahlen belegen. Doch der Mann, der bereits seit 30 Jahren in verschiedenen Funktionen in dem Hotel am Hildesheimer Marktplatz tätig ist, hat diesen Eindruck aus etlichen Gesprächen gewonnen.
Und auch manche Gruppe mit Privatgästen weiche wegen der neuen Steuer in andere Kommunen aus, sagt Völkel. „Wenn wir eine Buchung bestätigen, bekommen wir manchmal Absagen mit dem Hinweis, man habe sich dann doch für eine Unterkunft entschieden, wo eine solche Steuer nicht anfällt.“
Zudem erkundigten sich regelmäßig Privatgäste bei der Rezeption, was das Hotel mit dem Vier-Prozent-Aufschlag mache. Die Mitarbeiter wiesen dann daraufhin, dass das Van-der-Valk das Geld nur für die Stadt eintreibe und dieses an die Verwaltung weiterreiche, erklärt Völkel. „Die Steuer ist ja auch nicht zweckgebunden.“
200.000 Euro gibt die Stadt an Hildesheim Marketing weiter
Doch das stimme nur bedingt, widerspricht Finanzdezernent Ulf Behnel: Nach einem Beschluss des Rates fließen 200.000 Euro der Einnahmen an Hildesheim Marketing, das damit Angebote wie den City-Beach und den Pflasterzauber finanziere. „Die Hildesheim-Besucher haben also etwas davon“, erklärt Stadt-Sprecher Helge Miethe.
Behnel wiederum bezweifelt, dass die Auswirkungen der Steuer besonders groß sind. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese vier Prozent wirklich jemanden davon abhalten, hier zu übernachten.“ Dabei dürfte vielmehr auch die Preispolitik der einzelnen Häuser eine Rolle spielen, meint der Dezernent. Und überhaupt: „Wenn wir am Ende des Jahres so viele Übernachtungen haben wie in den Vorjahren, geht unsere Rechnung auf.“
Das Ergebnis des ersten Vierteljahres stimmt sowohl Behnel als auch Steuerfachdienst-Chef Scherbanowitz optimistisch: Schließlich kämen im zweiten und im dritten Quartal, also in der warmen Jahreszeit, in der Regel eher noch mehr Touristen nach Hildesheim als zum Jahresauftakt.
