Beherbergungsbetriebe müssen Abgabe zahlen

Neue Steuer in Hildesheim: Erster Hinweis, dass die betroffene Branche zurecht davor gewarnt haben könnte

Hildesheim - Hotels, Pensionen und andere Übernachtungsbetriebe in Hildesheim müssen ab Januar eine neue Steuer an die Stadt abführen, diese verlangt pro Gast und Nacht vier Euro des Preises. Spüren die Betriebe schon Folgen und wenn ja, welche?

Beherbergungsbetriebe in Hildesheim – hier ein Zimmer im Van-der-Valk-Hotel – müssen ab Januar eine neue Steuer an die Stadt abführen. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Mit dem Jahreswechsel tritt die neue Beherbergungssteuer in Kraft: Hotels, Pensionen und die Vermieter von Ferienwohnungen und dergleichen müssen ab 1. Januar 2025 jeweils vier Prozent des Übernachtungspreises je Gast an die Stadt abführen. Diese hofft, durch die Abgabe eine halbe Million Euro im Jahr einzunehmen. Branchenvertreter und die Industrie- und Handelskammer hatten vor der Steuer gewarnt und einen Rückgang der Übernachtungen prophezeit.

Zumindest für die Stadtresidenz trifft das zu. Er verzeichne einen deutlichen Rückgang bei den Messe-Buchungen von Unternehmen für das nächste Jahr, sagte Konstantin Engelke, der Geschäftsführer des Hauses an der Steingrube, auf Anfrage der HAZ. Genau beziffern lasse sich das Minus noch nicht. Doch es falle in der Stadtresidenz – die über 20 Zimmer verfügt – durchaus ins Gewicht, betont Engelke: „Das Messegeschäft ist schon ein Teil des Kerngeschäftes.“

Doch nicht nur der Buchungsrückgang bereitet der Stadtresidenz Kummer. Es gebe langfristige Vereinbarungen mit Firmen für das nächste Jahr, in denen die neue Steuer noch nicht berücksichtigt gewesen sei, berichtet Engelke. Das Hotel werde nun wohl selbst den Aufschlag übernehmen, was vermutlich einen vierstelligen Betrag koste. Von anderen Übernachtungsgästen, also Touristen, gebe es noch keine Reaktionen. Aber diese befassten sich mit dem Thema auch nicht so langfristig und eingehend wie Unternehmen, meint Engelke.

Nach Angaben der Stadt sind bislang 125 Betriebe betroffen

Nach Angaben der Stadtverwaltung müssen ab Januar insgesamt rund 125 Beherbergungsbetriebe die Steuer abführen. Der größte Anteil entfällt mit 95 auf die Anbieter von Ferienwohnungen und Privatzimmern. Dazu kommen 25 Hotels, Pensionen und die Jugendherberge. Die Verantwortlichen im Rathaus gehen aber davon aus, noch weitere Ferienwohnungen und Zimmervermietungen ausfindig zu machen: Es seien dazu regelmäßige Ermittlungen geplant. Diese soll die neue Kraft übernehmen, die die Stadt im Zuge der Einführung der Beherbergungssteuer verpflichtet hat. Der Rat hat dafür eine halbe Stelle geschaffen.

Wünsche der betroffenen Betriebe, die Steuer zu verschieben, gebe es nicht, erklärte die Verwaltung, es seien auch keine Klagen bekannt. Die neue Abgabe war im vergangenen Jahr im Rat von der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI gegen die Stimmen von CDU, Unabhängigen und FDP durchgesetzt worden. Dabei hatten Sozialdemokraten und Grüne angekündigt, einen Teil der Einnahmen Hildesheim Marketing zukommen zu lassen. Die Verwaltung hat im Haushaltsplanentwurf für 2025 dafür 100.000 Euro angesetzt. Ob es dabei bleibt oder die Politiker der städtischen Tochtergesellschaft einen größeren Anteil der erwarteten 500.000 Euro zuschlagen, werden die Etatberatungen in den nächsten Wochen zeigen.

Hotel-Chef beklagt Verlust von Wettbewerbsvorteil gegenüber Nachbarstädten – davor hatte die Branche im Vorfeld gewarnt

Stadtresidenz-Betreiber Engelke jedenfalls hält die neue Steuer beim Werben um Übernachtungsgäste für kontraproduktiv. Bislang habe Hildesheim profitiert, weil im Gegensatz zu Nachbarstädten keine derartige Abgabe erhoben habe. „Dieser Vorteil ist nun weg.“ Auf diesen Effekt hatte im Vorfeld des Ratsbeschlusses, die Steuer zu erheben, auch der Hildesheimer Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes hingewiesen. Die Industrie- und Handelskammer hatte erklärt, die Stadt sollte lieber einen so genannten Tourismusbeitrag einführen, weil die Einnahmen daraus zweckgebunden für den Tourismus verwendet werden müssten und so nicht im allgemeinen Haushalt untergingen. Finanzdezernent Ulf Behnel riet den Politikern allerdings davon ab: Diese Variante würde einen höheren Aufwand bedeuten, außerdem könnte die Stadt mehr Betriebe zur Kasse bitten. Die Mehrheitsgruppe wiederum hatte den Hoteliers angeboten, diese sollten sich auf einen freiwilligen Beitrag einigen. Dieser kam jedoch nicht zustande.

Die HAZ hatte neben der Stadtresidenz auch das Van-der-Valk-Hotel und das Novotel um Stellungnahmen zu der Frage gebeten, ob sie schon Folgen der neuen Steuer verzeichneten; beide Häuser kamen diesem Wunsch aber nicht nach.

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