Bundestagswahl

Ex-Sarstedterin gewinnt Wahlkreis in Bremen – und hat trotzdem keinen Grund zum Feiern

Bremen/Sarstedt - Ulrike Hiller erreicht ihr Ziel – und erreicht es doch nicht: Wie die frühere Sarstedterin zu einem der Opfer der Reform des Bundestages wurde. Und warum das für sie besonders frustrierend sein dürfte.

Ulrike Hiller zieht trotz Wahlkreis-Sieges nicht in den Bundestag ein. Foto: dpa

Bremen/Sarstedt - Die frühere Sarstedterin Ulrike Hiller hat ihren Wahlkreis gewonnen – und trotzdem den Einzug in den Bundestag verpasst. Die Sozialdemokratin gehört zu den 23 von 299 Wahlkreisgewinnern in ganz Deutschland, die trotz ihres Erfolges dem Parlament nicht angehören werden.

Ende der Überhangmandate

Hiller war im Wahlkreis Bremen I für die SPD angetreten und hatte bei den Erststimmen mit 25,2 Prozent auch knapp die Nase vor ihrem Konkurrenten Thomas Röwelkamp von der CDU (24 Prozent). Doch hatte bisher der Gewinn des Wahlkreises automatisch zu einem Mandat im Bundestag geführt, ist das seit dieser Wahl nicht mehr so.

Der Grund: Durch eine Wahlrechts-Reform wurde die maximale Anzahl der Sitze im Bundestag auf 630 begrenzt. In diesem Zuge wurden die sogenannten Überhangmandate abgeschafft. Bisher war es so, dass alle Wahlkreisgewinner ins Parlament kamen. Danach wurde so lange weiter aufgefüllt, bis alle Parteien auch tatsächlich entsprechend ihres Zweitstimmen-Ergebnisses, das entscheidend für die Mehrheitsverhältnisse ist, vertreten waren.

Konkurrenten ziehen ein

Diese Logik ist durch die Reform nun umgekehrt. Mehr als 630 Abgeordnete gibt es nicht. Hätte eine Partei durch Wahlkreisgewinner mehr Mandate, als ihr eigentlich zustehen, wird das nunmehr dadurch ausgeglichen, dass die Wahlkreisgewinner mit den schwächsten Ergebnissen gestrichen werden. Das trifft nach dieser Wahl in Deutschland 15 Kandidatinnen und Kandidaten der CDU, vier von der AfD, drei von der CSU und einen von der SPD – und das ist Ulrike Hiller.

Besonders bitter für sie: CDU-Mann Thomas Röwelkamp, den sie in ihrem Wahlkreis schlug, zieht als Erstplatzierter der CDU-Landesliste dennoch in den Bundestag ein – und die Drittplatzierte Kirsten Kappert-Gonther als Listenführerin der Grünen ebenfalls.

Nicht Merz wählen

Die Bremer SPD ist hingegen durch Uwe Schmidt, den Gewinner des zweiten Wahlkreises in dem Bundesland, vertreten. Er erzielte im Wahlkreis „Bremen II – Bremerhaven“ mit 30,3 Prozent das bessere Erststimmen-Ergebnis gegenüber Hiller. Ein zweites Mandat steht der Bremer SPD aufgrund des Gesamtergebnisses aber nicht zu – und so schaut die frühere Sarstedterin in die Röhre.

Einen schwachen Trost hat diese Entwicklung allerdings für die 58-Jährige, die zum linken Flügel der Sozialdemokraten zählt: Sie kommt bei einer erwarteten Koalition von Union und SPD nicht in die Verlegenheit, für den von ihr im Wahlkampf scharf attackierten Friedrich Merz als Kanzler stimmen zu müssen.

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