Wolf in der Stadt

Experten: Der junge Wolf in Hannover hat sich verirrt

Hannover - Ein Wolf ist am Dienstagmorgen durch nördliche Stadtteile Hannovers spaziert. Experten sind der Ansicht, dass sich das Jungtier ein neues Revier sucht – und sich verirrt hat.

Dieses schnelle Foto machte die Auszubildende Lola Appuhn (22) von dem Tier, das vor ihrem Auto die Schulenburger Landstraße in Hannover überquerte. Foto: Lola Appuhn

Hannover - Zum ersten Mal ist am Dienstagmorgen ein Wolf im Stadtgebiet Hannovers gesichtet worden. Das Tier streifte unter anderem in Hainholz und Stöcken umher und verschwand danach. Für Wolfsberater ist das kein ungewöhnliches Verhalten. „Der junge Wolf befindet sich auf Wanderschaft und sucht sich ein Revier“, sagt Wolfsberater Helge Stummeyer. Im Alter von knapp zwei Jahren verlassen junge Wölfe ihr Rudel und suchen sich ein eigenes Territorium.

Der Wolf wurde am Dienstagmorgen unter anderem in der Schulenburger Landstraße gesichtet. Beobachter verständigten die Polizei. Insgesamt fünf Sichtungen des Wolfes waren der Polizei am Montagmorgen gemeldet worden. Die erste um 6.55 Uhr, die letzte um 7.46 Uhr. Menschen seien akut nicht gefährdet gewesen, so Stefanie Gaffron, Sprecherin des Umweltministeriums.

Ein Video bestätigte schließlich, dass es sich um einen jungen Wolfsrüden handelte, der etwa ein Jahr alt ist. Am Ende verlor sich die Spur des Tieres. Vermutlich hat der Wolf das Stadtgebiet wieder verlassen.

Bewegungsprofil des Wolfs nach Zeugenaussagen erstellt

Das Umweltministerium konnte sogar ein Bewegungsprofil des Wolfs machen, wie das Tier von Stöcken nach Brink-Hafen lief. Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen, erklärt: „Solche Bewegungsprofile beruhen auf den Sichtungsmeldungen von Zeugen.“ Es würden Meldungen und alle verfügbaren Informationen gebündelt – so könne man Laufrichtung und Wegstrecke nachvollziehen. Verwechslungen mit anderen Tieren seien meist ausgeschlossen, sagt Reding. Und die Vermutung, dass der Wolf das Stadtgebiet verlassen habe, beruhe nur auf der Tatsache, dass es keine weiteren Sichtungen gebe.

Wolf sucht sich eigenes Revier

Wolfsberater schließen aus, dass das Tier durch Müll und herumliegende Nahrungsreste angelockt wurde. Vielmehr habe sich der junge Wolf auf der Suche nach einem eigenen Territorium verirrt, meint ein weiterer Wolfsberater. Dass sich ein Tier Stadtgebiete als Revier auswählt, hält er für unwahrscheinlich. „Da gibt es zu viele Störungen“, meint der Experte.

Raoul Reding weiß: „Der Wolf arrangiert sich mit den Menschen. Entgegen landläufiger Meinung ist er jedoch nicht scheu. Er erkennt in den Menschen keine Gefahr, Menschen sind aber auch keine Nahrung für ihn.“ Früher oder später werde es in diesem dicht besiedelten Raum immer wieder Begegnungen mit den Tieren geben, da sie sehr mobil sind und weite Strecken zurücklegen könnten. Reding: „Möglichweise steht man dann auch mal in der Leineaue einem Wolf gegenüber – das ist durchaus möglich.“

Sollte erneut ein Wolf durch Hannover spazieren, rät Wolfsberater Stummeyer zur Gelassenheit. „Es ist aber richtig, die Sichtung der Polizei zu melden“, sagt er. Völlig verfehlt sei es, das Tier zu verfolgen und in die Enge zu treiben. „Auf einen Wettbewerb um das beste Foto sollten Beobachter verzichten“, sagt Stummeyer. Er habe schon erlebt, dass Menschen Wölfe mit dem Auto verfolgten, um die Tiere mit ihren Handykameras abzulichten. Ebenso falsch sei es, Wölfe anzufüttern.

Von B. Lüers und C. Perrevoort A. Schinkel

Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.