Sottrum - „Uns ist ein riesenhafter Schaden entstanden“, sagt Peter Deicke, Senior-Chef des Familienparks Sottrum. Am Karfreitag hatten Polizeibeamte den Park geräumt – 850 Besucher mussten gehen. Damit war das Ostergeschäft für den Park passé.
Deicke sieht das Image seines Unternehmens beschädigt, zudem sei es ein großer Arbeitsaufwand gewesen, die Reservierungen abzusagen. Riesengroß war aber auch die Resonanz, die den Park daraufhin bekam. Es wurden Spenden angekündigt, Futter für die Tiere abgegeben, Kunden verzichteten auf die Erstattung der Eintrittspreise, Juristen boten ihre Hilfe an, um gegen den Landkreis in dieser Sache rechtlich vorzugehen. In einer Erklärung weist der Landkreis Hildesheim darauf hin, dass die Einordnung des Sottrumer Unternehmens schwierig sei. Es sei zu prüfen gewesen, ob es sich um einen Zoo, einen botanischen Garten oder einen Freizeitpark handelt. Letztere dürfen nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg aktuell nicht öffnen.
Einmal als Zoo, einmal als Freizeitpark eingestuft
Wie Deicke berichtet, habe ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes den Park als Freizeitpark in der letzten Woche eingestuft. Es sei der gleiche Sachbearbeiter gewesen, der im vergangenen Jahr das Unternehmen als Zoo eingestuft und ihm damit die Öffnung ermöglicht hatte. Der Landkreis erklärt dazu, dass die Corona-Verordnung in den vergangenen Monaten mehrfach überarbeitet worden sei und daher nicht davon ausgegangen werden konnte, dass die Regelungen aus dem Sommer nun noch gültig seien. „Diese Prüfung war aber zunächst nur auf Grundlage der im Internet zu findenden Informationen zum Familienpark Sottrum möglich“, heißt es in einer Erklärung.
Erst am Dienstag, nach einem Gespräch mit Peter Deicke, habe der Kreis weitere Informationen erhalten. Die Prüfung ergab dann, dass der Park nicht als klassischer Freizeitpark im Sinne des Oberverwaltungsgerichts-Beschlusses betrachtet werden könne. „Nach Abwägung aller infektiologischen Belange erscheint es dem Gesundheitsamt daher vertretbar, die Öffnung des Familienparks Sottrum unter einigen Auflagen zuzulassen, wie sie auch für Zoos oder Tierparks gelten“, erklärt Birgit Wilken, Pressesprecherin des Kreises. Am Dienstag hatte Deicke um 16.30 Uhr die mündliche Information erhalten, dass er am Mittwoch wieder öffnen dürfte.
Mitgefühl für die Polizeibeamten
Einen Auftrag des Landkreises an die Polizei, den Park zu räumen, habe es übrigens nicht gegeben, so Wilken. Polizei und Gesundheitsamt seien nach der Corona-Verordnung gehalten, die Verordnung durchzusetzen und Verstöße zu ahnden. Entsprechend gebe es einen Informationsaustausch zwischen der Polizeiinspektion Hildesheim und dem Gesundheitsamt. Mit den Polizeibeamten hatten Christa, Sonja und Peter Deicke am Karfreitag sogar Mitleid. „Man sah ihnen an, dass sie diesen Einsatz nicht gerne machten“, erklärt Junior-Chefin Sonja Deicke.
Der Bitte Peter Deickes, doch zwei Stunden mit der Räumung zu warten, weil dann der Park ohnehin leer sei, kamen sie nicht nach. „Das durften sie wohl nicht“, sagt der 90-Jährige. Nun stünde die Polizei für viele als Spielverderber da.
„Es gibt einen großen Vertrauensverlust in die Ämter“
Um den Ruf des Landkreises sorgt sich Sonja Deicke. Sie las jede Reaktion in den Sozialen Medien auf die Aktion. Dabei kam der Landkreis schlecht weg. „Es gibt einen großen Vertrauensverlust in die Ämter“, sagt sie. Eine Erklärung des Landkreises könne dabei helfen, die Wogen wieder zu glätten, glaubt sie. „Die Corona-Zahlen steigen wieder. Da ist es doch wichtig, alle bei der Stange zu halten und den Zusammenhalt herzustellen“, sagt Sonja Deicke.
Die Deickes sind nun froh darüber, dass das Gesundheitsamt sich vom Parkkonzept überzeugen ließ. Die Gefahr, sich in dem weitläufigen Park anzustecken, sei gering, erklären sie. Gäste müssen ihren Besuch anmelden, einige Spielmöglichkeiten, die räumlich beengter sind, wurden gesperrt, die Gastronomie ist nicht zu betreten, Essen und bunte Tüten werden an einem Tresen ausgegeben.
Gleich am Mittwoch steuerten etliche Familien den Park an. Oliver Wilczek aus Bockenem zieht einen bepackten Bollerwagen hinter sich her. Mit Lebensgefährtin Pia Töpler, Jean (10), Jamie (12) und Hund Carlos wollen sie sich einen schönen Ferientag im Park machen. „Ich habe in der HAZ gelesen, dass der Park wieder geöffnet ist“, berichtet der Vater. Sie sind regelmäßig in Sottrum zu Gast, denn dort gebe es immer wieder Neues zu entdecken.
„Wir freuen uns, dass wir hier sein dürfen“
Das erfuhr auch Anne Schwaldt aus Sehnde. Sie ist das erste Mal mit ihren Kindern Hannes (5) und Marie (3) im Park. „Wir sind seit 10.30 Uhr hier. Ich dachte, so langsam müsste bei meinen Kindern die Luft raus sein“, erzählt die junge Mutter kurz vor 14 Uhr. Da toben ihre Kinder ausgelassen auf einer sich drehenden Bank – von Müdigkeit keine Spur.
„Wir freuen uns, dass wir hier sein dürfen“, sagt Verena Schreiber. Die Hildesheimerin ist mit ihrem dreijährigen Sohn und ihrer Mutter Ruth Schreiber nach Sottrum gekommen. Mit dabei ist Romea (8) aus Cuxhaven, die bei der Oma ihre Ferien verbringt. Auch Verena Schreiber hat von der Räumung am Freitag gelesen. „Das fand ich echt krass. Das hätte man doch auch anders regeln können“, sagt sie.
Gerührt von der Solidarität
So sehr sich die Betreiber-Familie über die ganze Aktion vom Karfreitag auch ärgert, so gerührt ist sie von der Solidarität ihrer Kunden. „Jemand hat uns sogar ein paar Ballen Heu hergebracht“, erklärt Christa Deicke. Finanzielle Spenden lehnen die Deickes jedoch dankend ab: „Wir kommen zurecht.“ Wer den Park dennoch unterstützen wolle, könne eine Patenschaft für ein Tier, ein Gerät oder einen Baum übernehmen, erklärt Peter Deicke. Dafür erhalten die Paten auch eine persönliche Parkführung.
Anmeldungen für den Familienpark Sottrum sind über die Homepage des Unternehmens möglich.



