Corona-Regeln

Polizeieinsatz am Karfreitag: Familienpark Sottrum muss wieder schließen

Sottrum - Der Familienpark Sottrum muss nicht einmal eine Woche nach der Saisoneröffnung wieder schließen. Am Karfreitag war nachmittags die Polizei im Freizeitpark im Einsatz und ließ ihn räumen. Das sind die Gründe.

Mit mehreren Mannschaftsbussen rückte die Polizei an. Foto: Michael Vollmer

Sottrum - Die Polizei hat Freitagnachmittag den Familienpark in Sottrum geräumt. Mehr als 850 Gäste, darunter zum größten Teil Eltern mit ihren Kindern, mussten das weitläufige Gelände binnen kurzer Zeit verlassen. Das Gesundheitsamt, aufgrund dessen Anordnung die Polizei tätig geworden ist, begründet die Aktion damit, dass eine Öffnung des Familienparks Sottrum im Landkreis Hildesheim als Hochinzidenzkommune nicht zulässig ist. Erst nach einer Aufhebung sei es wieder möglich, die Tore zu öffnen.

Seniorchef Peter Deicke missbilligt die Räumung auf das Schärfste. „Wir haben seit Wochen mehrfach die verschiedensten Stellen angeschrieben, darunter den Landkreis, das Ordnungsamt und auch die Gemeinde. Eine konkrete Auskunft hat es nicht gegeben“, berichtet Deicke. Auf Anraten des Holler Ordnungsamtes hat der Familienpark am 30. März noch einmal eine offizielle Anfrage an den Landkreis Hildesheim geschickt. Die Antwort kam dann auch – am 31. März um 19.38 Uhr. Als Absender tauchte im Posteingang ausschließlich der Name Meyer auf. „Auf keinen Fall war ersichtlich, dass es sich um einen Mitarbeiter des Landkreises handelt. Bei der extremen Belastung durch Corona-Verordnungen haben wir nicht die Möglichkeit, zeitgleich persönlich erscheinende E-Mails zu öffnen“, erläutert der 90-Jährige im Gespräch mit der HAZ. Auch die Uhrzeit habe dafür gesprochen, dass es sich nicht um eine offizielle Mail des Landkreises handelt.

Im ersten Lockdown wie ein Zoo behandelt

Außerdem seien die Betreiber davon ausgegangen, den Park öffnen zu dürfen. „Beim ersten Lockdown wurden wir wie ein Zoo behandelt. Wir sind kein Freizeitpark, die Besucher halten sich auf einer Fläche von 200.000 Quadratmetern auf. Es gibt keinerlei Fahrgeschäfte. Wir haben nach besten Wissen und Gewissen den Park geöffnet“, ergänzt Kristin Klages, die gemeinsam mit Sonja Deicke den Park einmal leiten soll.



Dazu seien zwei Kassen geöffnet gewesen, um Warteschlangen zu verhindern. Umfangreiche Hygienemaßnahmen und eine Registrierungspflicht vor dem Besuch kämen zum Schutz vor dem Coronavirus dazu. Außer-dem hätte es keine Möglichkeit gegeben, auf die Mail zu rea-gieren.

Landkreis sieht die Sache anders

Der Landkreis sieht die Sache allerdings ganz anders: Der Mitarbeiter sei, so schreibt er in der Mail, nach Durchsicht des Online-Auftrittes zu dem Ergebnis gekommen, dass der Charakter eines Freizeitparks überwiege.

Kritik übt Klages auch an der Unverhältnismäßigkeit der Aktion. Die ersten Polizeibeamten trafen gegen 14 Uhr im Familienpark ein. Die Räumung durch neun Polizeibeamte aus Hildesheim und Göttingen begann dann etwa eine Stunde später. In kleinen Gruppen zogen die Beamten durch den Park und forderten die Besucher auf, das Gelände schnellstmöglich zu verlassen. „Fast alle haben sehr verständnisvoll reagiert. Es sind viele Familien unterwegs gewesen“, erklärt eine Polizeisprecherin.


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Den Auftrag zur Räumung des Parks habe die Polizei kurzfristig vom Gesundheitsamt erhalten, dem wohl jemand eine Information über den geöffneten Park übermittelt hat. Für die Familie Deicke ist das Ostergeschäft gelaufen. Der Park muss bis auf weiteres geschlossen bleiben. „Dazu kommen für uns erhebliche Kosten für die Stornierungen der Online-Tickets“, sagt Kristin Klages. Ob dazu noch weiterer Ärger oder ein Bußgeld droht, ist derzeit ungewiss. Die Betreiber setzen darauf, das Missverständnis schnell aus der Welt schaffen zu können.

Erst vor knapp einer Woche in die Saison gestartet

Erst am Sonnabend war der Park in die Saison gestartet – für Besucher mit Voranmeldung. Wegen der angekündigten Osterruhe hatte die Betreiberfamilie Deicke den Park zunächst erst am Dienstag, 6. April, öffnen wollen. Als die Ruhetage jedoch wieder vom Tisch waren, ging es bereits am Wochenende los. Im Halbstundentakt durften kleine Gruppen eintreten, die sich auf dem 200 000 Quadratmeter großen Areal aufhalten konnten.

von Michael Vollmer

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