Sottrum - Vormittags hat es noch geregnet, die Sonne hält sich bedeckt und so richtig angenehm sind die Temperaturen nicht. Trotzdem sind am Samstagnachmittag überall Familien zum Saisonstart in dem 200.000 Quadratmeter großen Park unterwegs, der ihnen gewidmet ist. Der Familienpark Sottrum hat viele treue Fans. „Wir haben 2000 Jahreskarten verkauft“, verrät Gründer Peter Deicke, inzwischen 93 Jahre alt, aber immer noch mit geradezu kindlicher Freude gesegnet, wenn es darum geht, neue Ideen in seinem Lebenswerk zu verwirklichen. Und die bereiten nicht nur Kindern Spaß. Vieles ist eher an Erwachsene gerichtet, mit hintergründigem Humor und augenzwinkernd vermittelter Lebensweisheit.
Die Stammgäste wissen: In Sottrum gibt es alle Jahre wieder etwas Neues. Dafür ackern Deicke und seit 20-köpfiges Team die ganze Winterpause durch. Obwohl – ackern ist eigentlich das falsche Wort, so hat das Energiebündel die Tätigkeit im Familienpark nie empfunden, auch wenn die Arbeit manchmal anstrengend ist. „Ich freue mich jeden Tag über den Quatsch, den ich hier machen darf“, sagt Deicke mit strahlenden Augen.
Über den Winter hat das Team den Grundstein für viele Neuerungen gelegt. Sie werden nach und nach im Lauf der kommenden Monate fertig. Ein neuer Hang mit 70 Meter langen Rutschen ist schon rutschbar. „Dafür haben wir einen Berg versetzt“, erzählt Deicke. Ungezählte Kubikmeter Boden mussten mit Schaufeln bewegt werden. Kein Spaß in einem Winter mit rekordverdächtigen Regenmengen. „Unsere Leute standen knietief im Schlamm“, berichtet der Parkgründer, der vor mittlerweile 38 Jahren in Sottrum startete, als er in Hildesheim noch parallel eine Tanzschule betrieb.
Burg Drachenstein und ein Institut für Drachenforschung
Oberhalb der Rutschenlandschaft wird vom 10. April an die Burg Drachenstein aufgebaut, die Einzelteile werden angeliefert. Am Fuß der Burg soll demnächst noch eine besondere Einrichtung Gestalt annehmen: „Das weltweit erste Institut für Drachenforschung“, kündigt Deicke an. Klingt ernsthaft, ist aber freilich ebenso humorvoll gemeint wie das ebenfalls im Aufbau begriffene internationale Schubkarren-Museum. Das enthält interessante Exponate „von vorgestern bis übermorgen“ wie die Bumerang-Schiebekarre aus Australien. Sie ist so gebaut, dass sie nur im Kreis fahren kann, also immer zurückkommt, eben wie ein Bumerang.
Und auf dem Gelände wachsen noch einige andere Projekte, die nach und nach bis zum Herbst an den Start gehen werden: Ausstellungen über Vögel, Schmetterlinge und Hummeln sowie Trapper und Indianer. Sie bestehen jeweils aus Info-Tafeln, Stationen zum Ausprobieren und vielen kunstvoll geschnitzten Figuren. Dafür engagiert Deicke seit Jahren immer wieder virtuose Schnitzer aus aller Welt, von der Mongolei bis Argentinien. „Diesmal ist außerdem jemand aus Thailand dabei“, erzählt der Parkgründer, „dadurch kommt noch mal eine neue, besondere Note dazu.“
Akademie für Gummitwist
Und dazukommen werden in der Palette des Parks im Lauf der Saison noch einige andere Elemente, an denen schon kräftig gebaut und gefeilt wird: ein Kleinkinderspielplatz und ein Entdeckerpfad, der ungewöhnliche Perspektiven eröffnen soll. Und, nicht zu vergessen: eine Gummitwist-Akademie, in der 40 Methoden gelehrt werden, das traditionelle Spiel mit dem Gummiband zu zelebrieren.
Auf einen Umstand ist der Schöpfer der Fantasiewelten besonders stolz: „Das Material für die meisten Attraktionen hat nichts oder nur wenig gekostet“, erzählt Deicke, „sonst könnten wir unsere Preise nicht so niedrig halten.“ Zum Beispiel die Zutaten für die Rutschenlandschaft: Die Steine für Treppen und Co. wurden allesamt gespendet, die Geländer sind aus krummem Holz, das sonst wohl nirgendwo mehr verwendet worden wäre, und die Metallrutschen gab es gebraucht zum Schnäppchenpreis.
Das Second-Hand-Material wird allerdings durch die allgegenwärtige Schnitzkunst aufgewertet, die über den ganzen Park verstreut ist. Begeistert zeigt sich Deicke auch von den zahlreichen Beiträgen eines Malers, der regelmäßig aus Polen nach Sottrum kommt und dort bunte Kulissen zaubert.
Das größte Wunder der Welt
Über die Saison verteilt, plant das Team einige besondere Programmhöhepunkte. So will Deicke am 1. April um 13 Uhr einen echten Nachkommen der Dinosaurier präsentieren – und betont dabei, dass es sich nicht um einen Aprilscherz handelt. Vorbereitet wird außerdem ein Treffen unter dem Motto „Vogelscheuchen aller Länder vereinigt euch“. Und für den Ausklang im Herbst kündigt Deicke an, etwas ganz Besonderes zu zeigen: „Das größte Wunder der Welt.“ Es bleibt also spannend in Sottrum ...




