German Darts Championship in Hildesheim

„Feiern, bis der Arzt kommt“: Darts-Stars elektrisieren die Massen in der Halle 39 / Junger Deutscher im Halbfinale

Hildesheim - Wenn die Darts-Profis in die Halle 39 kommen, herrscht in der Halle 39 der Ausnahmezustand. Alle Sessions sind ausverkauft. Jeweils 2400 Fans feiern eine Mega-Party.

Hildesheim - Auf der Bühne wirft der Engländer Rob Cross Pfeile auf die Dartsscheibe. „Voltage“ steht auf dem Rücken seines T-Shirts. Das passt: In der Halle 39 herrscht Hochspannung. Die German Darts Championship elektrisieren die Massen. Bereits zum zehnten Mal sind die Profis in Hildesheim zu Gast. Und wieder ist die Halle rappelvoll.

2400 Zuschauer – ausverkauft

2400 Zuschauer, ausverkauft“, meldet Jonas Hunold, Sprecher des Veranstalters PDC (Professionel Darts Corporation) während der Nachmittags-Session am Samstag. Auch am Abend ist die Arena voll. Für die beiden Sessions am Sonntag gibt es ebenfalls keine Tickets mehr.

Für die Darts-Profis geht es um Erfolge und Preisgelder. 30 000 Euro bekommt der Sieger. Für die Fans geht es vor allem darum, Spaß zu haben und Party zu machen. Die Bässe wummern, die Menschen tanzen auf den Tischen und grölen zu Stimmungshits wie „Sweet Caroline“.

30 000 Euro für den Sieger

Akustisch wähnt man sich in einer Großraum-Diskothek und optisch auf einem Kostümball. Da tanzen als Krankenschwestern verkleidete Männer auf den Bänken, da hüpfen Menschen auf aufblasbaren Riesenschnecken herum und Schlümpfe zappeln im Blitzlichtgewitter zu Techno-Beats.

Horst und Sven sind als „Bieraktivisten“ unterwegs. So steht es auf ihren T-Shirts – angereichert ,mit den Worten „Heben statt kleben“. Eine durchaus einfallsreiche Anspielung auf die Aktivisten der „Letzten Generation“. In der Halle 39 wird auch demonstriert – und zwar gute Laune.

Wer gewinnt, ist eigentlich egal

Daniela aus Hildesheim

Apropos „Kleben“: Der Boden ist klebrig. Was wohl an verschütteten Kaltgetränken liegt – und die sind fast ausnahmslos alkoholisch. Louis – beim Darts duzt man sich – ist als „Oberarzt“ gekommen. Im Gefolge seine Freunde, alle als Krankenschwestern kostümiert. Die Truppe aus Göttingen hebt die Biergläser: „Prost, Kameraden, wir feiern bis der Arzt kommt.“

Sarah und Maurice sind extra aus Berlin gekommen. Sie schwärmen: „Wir haben schon so manche Darts-Party erlebt, aber hier in Hildesheim ist die Stimmung am besten.“ Originell ist ihr Outfit. Sie reiten auf aufblasbaren Gummischnecken.

Sogar die Berliner loben: „Hildesheim ist cool“

Wenn die Darter in Hildesheim sind, kommen Besucher aus ganz Deutschland in die Halle 39. Leon und Andreas sind aus Ostfriesland angereist, Stefan aus Hamburg, Thomas und Cai-Uve aus Wismar, Lucas und Joshua aus Bamberg und Jörg und seine Kumpels aus Bremen. Alle sind sich einig: „Cooles Event, geile Stimmung!“ Einheimische sind natürlich auch da: zum Beispiel Daniela, Madeleine und Jörg – alle im Glitzerlook, und alle in bester Partystimmung. Und wer soll das Turnier gewinnen? Daniela zuckt mit den Schultern: Das sei ihr eigentlich egal.

Bejubelt wird jeder Darter, der dreimal in die Triple 20 trifft. Dann recken die Zuschauer Schilder mit der Zahl 180 in die Höhe – die höchste Punktzahl, die man mit drei Pfeilen erreichen kann. Michael van Gerwen kann das sehr gut. Der Holländer wirft schnell und zielsicher. Und er sucht den Kontakt zum Publikum: Er tänzelt, reißt die Arme hoch und ballt die Fäuste. Beliebt ist, wer nicht nur gut zielt, sondern auch eine kleine Show abzieht. Das beherrscht auch Peter Wright, der Darts-Punker mit dem bunten Haarkamm, rockt die Halle.

Van Gerwen gewinnt sein Match gegen Steve Lennon mit 6:3 Legs. „Snakebite“ Wright lässt Chris Dobey keine Chance (6:2).

Und die Deutschen? WM-Halbfinalist Gabriel Clemens tat sich in der Qualifikation am Freitag beim knappen 6:4 gegen Außenseiter Mickey Mansell etwas schwer. In der Hauptrunde zeigt er sich aber in Topform. Der „German Giant“ schlägt Mitfavorit Dave Chisnall mit 6:2 und behält auch am Sonntag gegen Ross Smith (England) mit 6:4 die Oberhand. Im Viertelfinale unterliegt er van Gerwen in einem Krimi mit 5:6.

Die große Überraschung des Turniers ist Ricardo Pietreczko. Zunächst schlägt der 28-jährige Berliner seinen Landsmann Martin Schindler mit 6:2. Im Achtelfinale am Sonntag sorgt Pietreczko für den nächsten Coup und schlägt George Killington mit 6:2. Sein Siegeszug geht weiter: Im Viertelfinale besiegt er den erfahrenen Engländer Stephen Bunting mit 6:4. Die Halle 39 bebt.

Im Halbfinale wartet eine Herkulesaufgabe auf Pietreczko. Es geht gegen den dreifachen Weltmeister Michael van Gerwen. Das Ergebnis stand bei Redaktionsschluss nicht fest.

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