Bad Salzdetfurth - Auch wenn die Coronazahlen deutlich zurückgegangen sind – dass die Kinder in den Schulen wieder eng an eng sitzen, gefällt längst nicht allen. Viele sehen darin sogar die Gefahr einer neuen Infektionswelle. Um die zu minimieren, fordern auch im Landkreis Hildesheim eine Menge Eltern, Lehrer und Politiker, Luftreiniger in den Klassenzimmern zu installieren. Zuletzt hatte sich der Kreiselternrat entsprechend zu Wort gemeldet. Doch es gibt auch eine Menge Kritiker.
Wie gut sind Luftfilter?
Dabei geht es vor allen Dingen immer um die Frage, ob die Geräte tatsächlich helfen, die Viren aus der Luft zu filtern und damit gut für die Gesundheit sind – oder ob sie sogar gesundheitsschädlich sind. Die Hildesheimer Kreisverwaltung hatte sich mit Blick auf die weiterführenden Schulen im Landkreis skeptisch gezeigt, ob Aufwand und Nutzen der Geräte im Verhältnis stehen, und sich dabei auf Einschätzungen des Kultusministeriums in Hannover berufen.
An der Joseph-Müller-Grundschule in Groß Düngen beginnt in Kürze eine wissenschaftliche Untersuchung, die Antworten auf die Fragen liefern soll. „Mit dem Forschungsprojekt sollen die Grundlagen für eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung der Wirksamkeit vom Raumluftreinigern auf Basis der Plasmatechnologie gelegt werden“, erklärt die Stadt Bad Salzdetfurth als Schulträger.
Fraunhofer Institut forscht nach
Im Auftrag des Groß Dünger Unternehmens Rapiro wird das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) dafür Lufthygienemessungen und Probenahmen in den Räumen vornehmen. Mit dem Forschungsprojekt wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Grundlagen für eine fundierte Einschätzung der Technik legen. Es gehe um Risikoeinschätzung, Handlungsempfehlungen, Hygienekonzepte und mögliche technische Maßnahmen zur Minderung des Ansteckungsrisikos.
Rapiro bietet überregional Gebäudetechnik an und ist Experte für frische Luft durch kontrollierte Wohnraumbelüftung. Das Interesse an der innovativen Technik ist bei Firmenchef Wagner dementsprechend groß. Und auch an Bad Salzdetfurther Schulen und Kindergärten steht das Thema hoch im Kurs. „Bereits im März wurde im Finanzausschuss in Bad Salzdetfurth über die Anschaffung von Geräten zur Luftreinigung für Grundschulen und Kitas diskutiert“, erinnert Birgit Ziemann, Sprecherin der Stadt. Die Mitglieder des Ausschusses einigten sich auf die Empfehlung, die Verwaltung möge zunächst Informationen einholen. Als Wagner anfragte, ob die geplanten Untersuchungen in der Grundschule Groß Düngen stattfinden können, habe die Stadtverwaltung daher gern ihr Einverständnis erteilt, „zumal der Ausschuss das Fehlen wissenschaftlicher Erkenntnisse beklagt hatte“, so Ziemann. Auch die Schulleiterin der Joseph-Müller-Grundschule unterstützt das Projekt, die Eltern der Schülerinnen und Schüler sind bereits informiert.
Testphase im Klassenzimmer
In einer ausgewählten Schulklasse soll nun gezeigt werden, wie sich die Luftqualität im Tagesverlauf unter Einfluss eines Luftreinigers verändert. Zum Einsatz kommt eine Technologie, die bereits im Laborbetrieb gezeigt habe, dass sie in der Lage sei, Viren effizient abzutöten. Das eingesetzte Gerät soll nachweislich die Luftqualität verbessern, ohne dabei gesundheitlich bedenkliche Nebenprodukte freizusetzen.
Die Untersuchungen finden ab 13. Juni statt. Im Wechsel zwischen ein- und ausgeschaltetem Raumluftreiniger werden bei Anwesenheit von Schülern und Schülerinnen bereits natürliche vorhandene Keime gesammelt und im Labor weiter untersucht, teilt das Fraunhofer Institut mit. Dort werden dann Vergleiche zum Betrieb des Raumluftreinigers gezogen.
Keime und Viren
Der Fokus liege dabei aber nicht auf Viren. Denn aufgrund der aktuell weiterhin strengen Hygienebedingungen in den Schulen könne nicht davon ausgegangen werden, dass Viren in genügend hohen Mengen vorliegen, um nachgewiesen werden zu können. Indirekt könnten die Ergebnisse jedoch auf Viren übertragen werden, da sie wesentlich instabiler seien als andere natürlich vorkommende Keime, so das Fraunhofer Institut. Das hieße: Töte der Raumluftreiniger diese Keime ab, sei er auch in der Lage, Viren abzutöten.
Das Projekt wird über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.
