Am Snackstand

Mit Frikadellen und Fritten einst auch direkt am Schloss Marienburg: Nordstemmer Kult-Imbiss feiert Jubiläum

Nordstemmen - Vor 50 Jahren hat sich Karl-Friedrich Bordt als Metzger selbstständig gemacht: Einst stand er mit seinem Imbiss am Schloss Marienburg, längst ist der 76-Jährige in Nordstemmen für viele eine Institution.

Da geht sie über den Verkaufstresen - eine Krakauer darf's für Heinrich Klockemann sein. Die lässt er sich am Imbissstand von Karl-Friedrich Bordt (rechts) in Nordstemmen schmecken. Foto: Alexander Raths

Nordstemmen - Snack und Schnack am Tresen: Darauf kommt es bei Friedrich-Karl Bordt in Nordstemmen an. Vor einem halben Jahrhundert machte er sich als Fleischer selbstständig, seit mehr als 40 Jahren ist er mit seinem mobilen Imbiss auf Achse. Der 76-Jährige mit dem schlohweißen Haar freut sich in diesen Tagen erst Recht über jeden Gast, feiert er doch diesen Monat sein 50-jähriges Betriebsjubiläum. Bordt steht auch über Ostern auf dem Parkplatz an der Ecke Rathaus-/Ziegeleistraße und fabriziert dort Frikadellen, Fritten, Curry- und Bratwurst sowie Kartoffelsalat. Auch mächtige Schnitzel nach Wiener Art tischt er auf.

„Die Qualität stimmt. Außerdem hat Karl-Friedrich immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Darum bin ich hier schon zehn Jahre Stammgast“, sagt der 75-jährige Heinrich Klockemann, der aus Pattensen regelmäßig den Stand von Bordt ansteuert. Dort gönnt er sich eine Krakauer und einen Kaffee. Klockemann ist genau wie Bordt Motorrad-Fan. Also fachsimpeln sie über ihre Maschinen und Touren mit dem Bike. Auch Guido Frost aus Hildesheim-Moritzberg stößt oft hinzu. Man ist per Du. Und die Stimmung ist gemütlich. „Bei schönem Wetter ist es hier besser als in jedem Hildesheimer Café“, schwärmt Frost, der ebenfalls Biker ist.

Biker kommen in Scharen

Die kreuzen häufig in Scharen am Imbiss auf. „Natürlich aus der Region Hildesheim, aber auch aus Hameln und Höxter kommen sie und sprechen über die Mopeds“, erzählt Frost. Die Biker-Flotte stört zumindest die Anwohner im nahen Argentum nicht. „Manchmal sind 30 Motorräder hier“, sagt eine Seniorin, die um die Ecke wohnt. Sie sitzt mit Nachbarn an einem der Biertische, die Bordt am Imbiss aufgebaut hat.

Den will der mehrfache Familienvater als Ein-Mann-Betrieb möglichst noch viele Jahre weiter führen. „Auch mit 100“, sagt Bordt und schmunzelt. Es ist einfach seine Leidenschaft. Ein Leben ohne Arbeit kann sich der 76-Jährige sowieso nicht vorstellen. Er fühlt sich auch nach mehreren OPs fit genug, um den Leuten weiter deftige Kost zuzubereiten. Frikadellen mit Chili und Käse als Zutaten stehen neuerdings auf seiner Speisekarte. „Die probiere ich doch gleich mal aus“, sagt eine junge Frau am Imbisstand.

Veganes kommt für Bordt aber nicht in die Tüte. „Ich habe da keinen Platz für.“ Er bleibt beim klassischen Imbissprogramm. Damit sind seine Gäste zufrieden – und er fühlt sich auch damit wohl.

Schon lange abgehakt sind für ihn die heftigen Streitereien, die seiner Zeit mit dem Stand direkt am Schloss Marienburg ein Ende machten. Zwischen 2006 und 2008 brodelte es zwischen dem Imbiss-Mann und dem damaligen Verwalter des Schlosses Marienburg, Mauritz von Reden. Der Zwist landete vor Gericht. Bordt verlor seinen Stammplatz am Schloss Marienburg. Den hatten ebenfalls viele Motorrad– oder Rollerfahrer angesteuert. Doch dann kam Ungemach.

Rechtzeitiger Rückzug

Bordt hatte wegen eines Events im Schloss seinen Platz an den Parkflächen vorübergehend räumen müssen – und später entbrannte ein Konflikt wegen verlorener Einnahmen. Bordt forderte einen Ausgleich, doch Schlossverwalter von Reden und das Welfenhaus winkten ab. Die Fronten verhärteten sich. Es gab sogar eine Räumungsklage gegen Bordt. Der aber zog sich rechtzeitig mit seinem „Speisewagen“ zurück, anderenfalls hätte der Schlossverwalter wohl den Imbisswagen kurzerhand abschleppen lassen.

Ein vergangenes Kapitel, aktuell ist bei Bordt alles im Lot – das merkt man ihm an. Seine Stamm- und Laufkundschaft motiviert ihn täglich aus Neue, seinen Stand aufzubauen: dienstags bis sonntags brutzelt es in seinen Fritteusen.

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