Fernsehfilm

Geheimnis gelüftet: ZDF dreht Doku-Drama im Schloss Wrisbergholzen

Wrisbergholzen - Der Fernsehfilm über die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer entsteht auch im südlichen Landkreis Hildesheim. Wo – das ist bislang unbekannt gewesen. Auch für andere Filme hat das Barockschloss schon als Kulisse gedient.

Die junge Schauspielerin Julia Anna Grob übernimmt in den Spielszenen die Rolle von Margot Friedländer. Foto: Martin L. Ludwig/ZDF Documentary

Wrisbergholzen - Lange hat das ZDF ein Geheimnis auf dem Drehort im Hildesheimer Raum gemacht: Nun ist das Geheimnis gelöst. Das Filmteam hat in der Gemeinde Sibbesse, genauer gesagt im Schloss Wrisbergholzen Station gemacht.

Auf der Auffahrt zum Schloss ist ungewöhnlich viel los: Fahrzeuge mit Garderobe und Technik kommen an, Menschen steigen aus, Kisten und Kästen werden ins Innere getragen. Das hat seinen Grund: Das Schloss Wrisbergholzen dient als Kulisse für die geplante ZDF-Dokumentation über die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer.

Wechselvolle Lebensgeschichte

Das Barockschloss im südlichen Landkreis Hildesheim ist für einige Innenaufnahmen ausgesucht worden, Erzählt wird die wechselvolle Geschichte der Jüdin Margot Friedländer, die selbst mit ihren 101 Jahren noch in dem Doku-Drama mitwirkt – also einer Dokumentation, in die zur besseren Verständlichkeit nachempfundene Spielfilm-Sequenzen integriert sind. Denn ihre Lebenserinnerungen, die Angst, das Verstecken und schließlich die Deportation werden der Leitfaden des Films sein.

„Für ein so besonderes Projekt, wie dieses die ri chtigen Motive zu finden, die der Zeit, in der die Ereignisse spielen, im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Raum geben, ist nicht einfach“, betont Marc Lepetit, Produzent und Geschäftsführers der UFA Documentary. „Wrisbergholzen bietet hier mit seinem Schloss eine Kulisse, die die historischen Dreharbeiten mit authentischen Motiven bereichert.“ Es gehe hier um die Zeit im Berlin von 1943: Eine Frau, die ihren Greifern immer wieder aus dem Weg gehen kann, die leben will, weil ihre Mutter das von ihr verlangt, die von einer helfenden Hand zur nächsten geht. „Das braucht eine glaubwürdige Umgebung – diese haben wir an unseren Drehorten gefunden und durften sie dort herstellen“, sagt der Produzent erfreut.

Gastauftritte von Charly Hübner, Iris Berben und Axel Prahl

Der Ort wurde von der Produktionsfirma aber bis zuletzt geheim gehalten. „Einige der szenischen Motive sollen in Niedersachsen stattfinden, wo die geografische Nähe zu Hildesheim besteht“, so hatte Inken Schmidt von der Produktionsfirma auf Nachfrage bestätigt. Vermutlich sollte der straffe Ablaufplan am Set durch nichts verzögert werden – auch nicht von Fans oder Autogrammjägerinnen. Immerhin wirken so bekannte Gesichter wie Charly Hübner, Iris Berben und Axel Prahl in Gastauftritten mit.

Nachfrage in dem Dörfchen Wrisbergholzen aus der Gemeinde Sibbesse, in dem mittlerweile weniger als 300 Menschen wohnen: „Nein, wir haben hier niemanden von den Filmleuten gesehen“, sagt eine Bewohnerin. Nur die Aktivitäten auf dem Schlosshof, der eigentlich von außen gar nicht nicht einsehbar ist, die wurden schon registriert. „So Cateringwagen und so weiter.“ Aber in Wrisbergholzen sei man stolz darauf, dass das Schloss – es ist derzeit nicht bewohnt – schon öfter als Kulisse bei Filmen gedient habe. Da wolle man niemandem in die Quere kommen. Das Schloss ist als Denkmal von nationaler Bedeutung anerkannt. Eigentümer ist Alexander Graf von Goertz-Wrisberg.

„Ich bin! Margot Friedländer. Auf der Flucht durch vier Leben“ – so lautet der Arbeitstitel des ZDF-Doku-Dramas. Sie stammt aus Berlin, geboren im Jahr 1921. Ihre Mutter und ihr Bruder kommen 1943 in das Vernichtungslager nach Auschwitz. Um nicht auch entdeckt und deportiert zu werden, versteckt sich die damals 22-jährige Margot Friedländer, färbt sich die Haare, lässt sogar ihre Nase operieren – bis sie im Frühjahr 1944 doch von sogenannten „Greifern“ gefasst und in das Lager Theresienstadt deportiert wird. Aber die junge Frau überlebt. Nach der Befreiung heiratet sie Adolph Friedländer, einen Bekannten aus Berlin, den sie in Theresienstadt wiedergetroffen hat. Das Ehepaar emigriert in die USA, baut sich dort ein neues Leben auf.

Für den Film sind die ersten Interviews mit der Holocaust-Überlebenden bereits geführt worden. „Ich bin beeindruckt vom Konzept der UFA Documentary und überzeugt, dass dadurch die mir so wichtige Nachricht vermittelt werden kann“, sagt Margot Friedländer. „Ich bin zurückgekommen, um mit euch zu sprechen, euch die Hand zu reichen, aber euch auch zu bitten, dass ihr die Zeitzeugen werdet, die wir nicht mehr lange sein können“ sagt die 101-Jährige eindringlich.

Mittlerweile sind die Dreharbeiten in Wrisbergholzen abgeschlossen. Der Sendetermin steht sogar schon fest: Der Film soll als besonderer Programmakzent zum 85. Jahrestag der Pogrome am 9. November gezeigt werden. Das Drehbuch stammt von Hannah und Raymond Ley, der auch Regie führt. Die 25-jährige Schauspielerin Julia Anna Grob aus Basel hat die Hauptrolle übernommen.

Diese Filme entstanden auch in Wrisbergholzen:

Das Barockschloss in Wrisbergholzen (Gemeinde Sibbesse), erbaut zwischen 1740 und 1745, dient seit 2010 als beliebter Drehort für Filme – insbesondere auch für Innenaufnahmen. Für diese Filme sind in den vergangenen Jahren Sequenzen auch in Wrisbergholzen gedreht worden:

2023 „Margot Friedländer“, ZDF-Doku-Drama über das Leben der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer.

2021 „Die Liebe des Hans Albers“, ARD-Fernsehfilm über die Liebe zwischen der jüdischen Schauspielerin Hansi Burg und dem Volksidol Hans Albers, die während der Nazi-Zeit keine Zukunft haben durfte. Nach dem Krieg trafen sie erneut aufeinander.

2020 „Brahms – die Pranke des Löwen“, Arte-Doku-Drama erzählt die Geschichte des deutschen Komponisten Johannes Brahms, dessen Anspruch an sich selbst unerbittlich war. Er trifft 1853 auf das Paar Clara und Robert Schumann: Für alle ist es Liebe auf den ersten Blick.

2017 „Heimat Helgoland“, NDR-Doku über die Schicksalstage einer Inselgemeinschaft: Helgoland wurde mehrfach zum Spielball der Weltmächte. Der nur ein Quadratkilometer große Fels in der Nordsee sollte 1947 sogar komplett zerstört werden – doch das Eiland trotzte der Sprengung.

2016 „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“, der nur zum Teil dokumentarische Spielfilm thematisiert das Untertauchen von jüdischen Teenagern in Berlin vor dem Hintergrund der Verfolgung während des Zweiten Weltkrieges. Die Spielszenen basieren auf wahren Ereignissen.

2015 „Lou Andreas-Salomé“, Kinofilm als Biografie über die gleichnamige Psychoanalytikerin und Schriftstellerin, die 1861 in St. Petersburg geboren wurde. Vereinsamt und von den Nationalsozialisten bedroht, lernt sie Ernst Pfeiffer kennen, der sie an ihre große Liebe erinnert – den Dichter Rainer Maria Rilke.

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