Hildesheim - Der Vorschlag der Verwaltung für ein Parkraumkonzept ist im Ausschuss für Stadtentwicklung fast parteiübergreifend auf Wohlwollen gestoßen. Sprecher mehrerer Fraktionen zeigten sich mit dem Kurs grundsätzlich einverstanden, haben aber Redebedarf über Details – die CDU vor allem über den Umgang mit Pendlern, SPD und Grüne wollen möglichst schnell Carsharing-Angebote ausgeweitet sehen. Die Entscheidung über das Konzept steht erst im Februar an.
Die Verwaltung schlägt den Politikern einen Systemwechsel vor. Derzeit sind von den rund 9000 Parkplätzen im öffentlichen Raum in der Innenstadt rund 6000 kostenlos. Künftig soll es nur noch kostenpflichtige Stellflächen geben und von diesen wiederum zwei Arten: Plätze für Bewohner sowie Plätze, die sich Bewohner und andere Autofahrer teilen. Wobei Letztere Gebühren zahlen sollen und zwar deutlich höhere als jetzt.
Die Kritik an den Plänen
Das Konzept ziele darauf, den Parkdruck in Wohnquartieren zu senken und Anwohner zu bevorzugen, erklärte Planungsamtschefin Sandra Brouër. Für Pendler dagegen werde das Parken „anspruchsvoller“: Sie sollen Dauerparkplätze mieten oder in Parkhäuser ausweichen. In ihnen gebe es noch Kapazitäten, sagte Brouër; das Parken dort werde attraktiver, wenn es in Wohnvierteln teurer werde.
Die Stadt mache es sich damit zu einfach, kritisierte CDU-Fraktionschef Dennis Münter. Denn es gebe Pendler, die verdienten nicht genug, um jeden Tag ein Parkhaus zu nutzen. Zudem könne die Stadt nicht gleichzeitig das Parkangebot so stark zugunsten der Bewohner verschieben und dann auch noch die Gebühren für andere Nutzer (geplant ist ein Anstieg von 1,80 auf 2,70 Euro pro Stunde) derartig kräftig anheben. Auch SPD-Vertreter Tobias Eckardt warb dafür, die Pendler im Auge zu behalten – es gehe immerhin um 30.000 Autos täglich.
Künftig Pendler-Tagestickets?
Deren Fahrern könnte die Stadt doch einen Dauerausweis für die gemischten Parkbereiche anbieten, schlug Münter vor – ähnlich dem Jahresausweis für Bewohner. Das gehe rechtlich nicht, widersprach Brouër. Offener zeigte sich die Planungsamtschefin für die Idee, Pendler-Tagestickets für Randbereiche einzuführen. Zum Carsharing will Brouër 2025 einen Vorschlag machen.
Dass ist auch im Sinne des Verkehrsclubs Deutschland: Der fordert bei diesem Thema in einer Pressemitteilung, wie SPD und Grüne, mehr Tempo und begrüßt die flächendeckende Bewirtschaftung aller Parkplätze. Der Arbeitskreis „Hildesheim will Radfahren“ findet, die Stadt solle das Konzept nutzen, um einen Teil der Parkplätze in Grünflächen umzuwandeln; das regte auch Matthias Köhler vom BUND im Ausschuss an. Brouër riet davon ab: Das System bedeute bereits für viele Menschen eine Veränderung. Man dürfe die Bürger nicht überfordern, dies mindere das Verständnis für das Konzept.
