Hildesheim - Die Baustelle in der Dammstraße legt bereits seit bald zwei Jahren den Autoverkehr lahm. Nun regt die Stadtverwaltung an, die Parkplätze auf der Nordseite der Dammstraße, gegenüber dem Roemer- und Pelizaeus-Museums dauerhaft abzuschaffen.
Straße schon vermessen
Dies soll für Sicherheit sorgen. Der Fußgängerweg sei zu eng, wodurch große Kinderwägen und manche Menschen mit Gehhilfen nicht durchkämen. Andererseits sei der Fahrradweg entlang der parkenden Autos ebenfalls zu schmal. Das könne dazu führen, dass Menschen von ihrem Rad geworfen würden, sobald sich eine Autotür öffnet.
An diesem Freitag haben Mitarbeiter der Stadt die Dammstraße bereits vermessen. Pressesprecher der Stadt, teilt dazu mit, dass die Vermessungsarbeiten für etwaige Veränderungen, die im Gespräch sind, betrieben werden.
Kritik aus den Geschäften
Diese Veränderungen könnten allerdings große Folgen für anliegende Geschäfte haben. Direkt gegenüber des Museums, in der Fleischerei Bartels, kritisiert Fleischereifachverkäuferin Heike Mörder das Vorhaben: „Unsere Kunden aus Sarstedt zum Beispiel, parken doch nicht bei C&A und laufen dann her. Viele sind älter, die steigen morgens vor der Tür aus und kommen mit der Gehhilfe rein. Die Feuerwehr holt hier manchmal Essen für die ganze Mannschaft, das tragen die auch nicht zu Fuß zur Wache.“
Ein Kunde im Laden deutet auf den Parkplatz des Museums auf der anderen Straßenseite. „Ich stell mich dann da drüben hin und lauf rüber oder was?“, fragt er. Dort kostet 30 Minuten parken 1 Euro. In der Zone vor den Geschäften derzeit 15 Cent für zehn Minuten. „Der Bäcker und der Fahrradladen in der Straße haben schon zu“, sagt Mörder, „und der Friseur ist auch samstags geschlossen.“
„Ob es da eine Lösung gibt?“
Dort, im Salon Luttmann, bestätigt sich der Frust. „Das war schon schlimm,“ klagt Carol Luttmann, Friseurmeisterin, mit Blick auf die Baustelle „aber das ist nun der Burner.“ Von dem Vorhaben hätte sie selbst auch nur aus der Zeitung gelesen. „Wir sind kein Jugendsalon, sondern haben ältere Kundschaft. Hier kann dann nicht mal mehr das Taxi halten. Es ist geschäftsschädigend und auch jungen Leuten, wie meiner Tochter, wird es schwer gemacht.“
Ihre Tochter, Lea-Sophie Bunnenberg arbeitet hinten im Salon selbstständig als Kosmetikerin. „Ob es da eine Lösung gibt?“ Sie lacht. „Also ich würde es einfach so lassen wie es jetzt ist. Dass Fahrradfahrern eine Autotür entgegenschlägt, ist noch nicht vorgekommen.“
Problem Lieferfahrzeuge
Kritik kommt auch von Konditorin Rocio Ahrens vom Geschäft Torten Phantasien nebenan. Sie spricht ein weiteres Problem an: Lieferfahrzeuge. „Manche Hochzeitstorten sind vier- oder fünfstöckig. Die kann ich nicht mit dem Fahrrad ausliefern. Und mein Wagen passt nicht in die Garage hier, die wurde 1901 erbaut.“
Ein Stück weiter, im Restaurant Aladdin, macht sich vor allem fehlende Laufkundschaft durch die Baustelle bemerkbar. „Wir schließen schon immer früher“, erklärt Fikrat Salo im leeren Lokal: „Und für den Lieferbetrieb müssen die Autos hier parken können.“
Am 24. April wird das Thema in einer Sitzung des Ortsrats Stadtmitte/Neustadt auf den Tisch kommen – dort möchte CDU-Ortsratsfraktionsvorsitzender Dirk Bettels einen Initiativantrag zur Verhinderung der Planung einbringen. Über diese wird schlussendlich der Verwaltungsausschuss vor der Sommerpause entscheiden.




