Hildesheim - Noch ist nicht absehbar, wann auf der Dammstraße wieder der Verkehr fließen kann. Klar ist aber: So bald das passiert, müssen sich alle, die dort unterwegs sind, auf Veränderungen einstellen.
Denn im Rat deutet sich eine breite Mehrheit dafür an, auf der Innerstebrücke einen Fahrbahnteiler zu schaffen – dieser soll das Überholen von Radfahrern verhindern und deren Sicherheit erhöhen. Die Verwaltung schlägt zudem vor, die Parkplätze auf der Nordseite der Dammstraße gegenüber dem Roemer- und Pelizaeus-Museum abzuschaffen – das würde Radlern und Fußgängern mehr Platz verschaffen. Sprecher der Mehrheitsgruppe von SPD, Grünen und PARTEI signalisierten Zustimmung, die CDU ist dagegen. Die Entscheidung, was genau wo passiert, fällt vor der Sommerpause.
Dass sich die Politik überhaupt mit dem Thema befasst, resultiert aus dem Grundsatzbeschluss zum Umgang mit der historischen Brücke, die vor knapp zwei Jahren unter der Dammstraße entdeckt worden ist und zu deren Sperrung geführt hat. Der Rat hatte zwar entschieden, das 850 Jahre alte Bauwerk zu versiegeln und im Boden verschwinden zu lassen. Doch die Verwaltung sollte prüfen, wie sich die Bedingungen für Radfahrer auf der Achse Schuhstraße-Alfelder Straße durch Pop-up-Radwege – also eine zunächst provisorische Lösung – verbessern ließen.
Für größere Verbesserungen fehlt fast überall der Raum in den betroffenen Straßen in Hildesheim
Das ist angesichts der engen Fahrbahnen fast auf allen Abschnitten der gesamten Strecke schwierig, wie Carola Rex – sie leitet den Bereich Straßenplanung im Rathaus – am Mittwochabend dem Stadtentwicklungsausschuss deutlich machte. Denn für einen Radfahrstreifen, der baulich von der Fahrbahn abgetrennt ist, sind 2,50 Meter nötig. Selbst ein Schutzstreifen, der durch eine gestrichelte Linie (wie am Hohnsen) markiert ist und von Autos überfahren werden darf, erfordert eine Breite von zwei Meter.
In der Schuhstraße geht mangels Platz weder das eine noch das andere. Das selbe gelte für den Pfaffenstieg, erklärte Rex. Auf der Innerstebrücke selbst müsste die Stadt für einen Radfahrstreifen eine Ampel aufstellen, die dafür sorgt, dass der Verkehr immer nur einspurig abwechselnd stadtein- und stadtauswärts unterwegs ist. Das allerdings würde die Busse zu stark ausbremsen und scheide daher aus, sagte Rex. Ein gestrichelter Schutzstreifen wäre zwar möglich, mache die Strecke aber nicht sicherer, weil Autofahrer den Radlern beim Überholen zu nahe kämen. Letzteres ließe sich jedoch durch eine „Sperrfläche aus baulichen Elementen“ in der Fahrbahnmitte verhindern, erklärte Rex, die von der „Vorzugsvariante“ der Verwaltung sprach: „Die Radfahrer geben als Kolonnenführer das Tempo auf der Brücke vor.“
Die Vorzugsvariante der Stadtverwaltung kommt auch in Hildesheimer Politik am besten an
Bei den Politikern kam dieser Vorschlag gut an. Es sei zwar nicht das, was sich die Grünen vorgestellt hätten, sagte deren Fraktionschef Ulrich Räbiger. „Doch die Dinge sind nun einmal, wie sie sind.“ Auch SPD-Vertreter Tobias Eckardt zeigte sich aufgeschlossen und berichtete, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub sehe das genauso. CDU-Fraktionschef Dennis Münter unterstützte die Idee ebenfalls: Wenn man das Radfahren sicherer machen wolle, gehe nur diese Variante. Wobei er sich schwer vorstellen könne, wie das mit den Radfahrern als „Kolonnenführer“ funktionieren solle, sagte CDU-Vertreter Martin Eggers: „Wie läuft das praktisch?“
Kritisch sehen die Christdemokraten insgesamt auch die Überlegungen der Verwaltung für den Dammstraßen-Abschnitt zwischen Burgstraße und Innerstebrücke: Stadt-Mitarbeiterin Rex warb dafür, die Parkplätze vor den Läden und Lokalen gegenüber dem Roemer- und Pelizaeus-Museum abzuschaffen – und das gleich aus mehreren Gründen.
Man müsse an die Händler denken, mahnte Münter
So bleibe derzeit für Fußgänger auf dem Bürgersteig nur ein 1,30 Meter breiter Streifen; dies sei für größere Kinderwagen und gehbehinderte Menschen zu wenig, sagte Rex. Zudem fehle beim Schutzstreifen die vorgeschriebene 75-Zentimeter-Zone, die verhindern soll, dass Radfahrer von Autotüren erfasst werden. Außerdem sei das Parken in dem Bereich laut Straßenverkehrsordnung gar nicht zulässig.
Grünen-Chef Räbiger lobte den Plan, sein CDU-Gegenüber kritisierte ihn. Man müsse auch an die Händler denken, mahnte Münter; es dürfe nicht nur um die Interessen von Radfahrern gehen. Die sollen es künftig auch auf dem Abschnitt zwischen Alfelder Straße und Dammtor besser haben: Die Verwaltung regt an, dort zwei der Autospuren zu ihren Gunsten aufzugeben – vorausgesetzt, das verschlechtere nicht die Lage für die Busse.
Was tatsächlich auf der gesamten Strecke geschieht, entscheidet der Verwaltungsausschuss vor dem Sommer. Rex kündigte an, dazu konkrete Vorschläge samt Kosten vorzulegen.
Pro und Kontra
Kein Schaden
Es ist ja schön, dass sich die CDU für die Geschäftswelt ins Zeug legt. Doch würden die Läden und Lokale gegenüber dem Museum wirklich darunter leiden, wenn die Parkplätze vor ihren Türen wegfielen? Nein. Denn Kunden, die ihr Ziel in der Dammstraße wirklich unbedingt mit dem Auto ansteuern müssen, können dieses auch auf dem Parkplatz neben dem Museum abstellen. Für Fußgänger und Radfahrer würde sich die Situation auf jeden Fall verbessern. Die Politik müsse eben entscheiden, wem sie etwas Gutes tun wolle, hat Stadtbaurätin Andrea Döring sinngemäß im Ausschuss gesagt. Nun sollten mal Radler und Passanten an der Reihe sein.
Klar falsch
Das geplante Aus für die Parkplätze an der Dammstraße ist ein Schlag ins Gesicht der Händler und Gastronomen in dem Gebiet. Ausgerechnet die, die wegen der Brückenbaustelle seit Mai 2021 in einer Sackgasse wirtschaften, sollen nun den Wegfall von praktischen Parkplätzen verkraften. Mag sein, dass der Museumsparkplatz für Restaurantbesuche eine Alternative ist. Aber glauben Politik und Verwaltung wirklich, dass Stammkunden vom Metzger oder vom Imbiss künftig reihenweise im Lastenrad vorfahren oder ewig über den Michaelishügel kurven wollen? Sie werden wegbleiben. Und das Viertel verliert.


