Wohnmobilstellplätze

Glamping im Hausboot – und was sonst noch für den Müggelsee in Hildesheim geplant ist: Besitzer Dirk Bettels nennt Details

Hildesheim - Unternehmer und CDU-Politiker Dirk Bettels will den Müggelsee zur Anlaufstelle für Wohnmobiltouristen machen. Jetzt nennt er Details seiner Pläne – und äußert sich auch zur möglichen Freigabe des Sees zum Baden. (mit Video)

Der Müggelsee in Drispenstedt – hier sollen 120 bis 140 Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen entstehen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Diese Nachricht hat vor gut einer Woche für Aufsehen gesorgt: Zehn Jahre nach der Schließung hat der Müggelsee einen neuen Besitzer – Unternehmer und CDU-Ratsherr Dirk Bettels hat das Areal von den bisherigen Eigentümern Karl-Heinz und Gerda Bode gekauft, um dort eine Anlage für Wohnmobile und Camper zu errichten. Mit Details zu seinen Plänen hielt Bettels sich zurück. Bis jetzt: Am Montag hat er in einem Pressegespräch mehr verraten. Eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wem gehörte der Müggelsee vorher?

Der Müggelsee war auch schon vorher im Privatbesitz. Das Ehepaar Karl-Heinz und Gerda Bode hat das Freibad bis 2013 betrieben und es 2014 geschlossen. In einer Stellungnahme erklärt das Paar nun, sie freuten sich, dass Dirk Bettels ein „ansprechendes und nachhaltiges Konzept zur Weiterentwicklung des Müggelsee-Areals ausgearbeitet hat.“

Kann Dirk Bettels jetzt sofort loslegen und auf dem Areal bauen lassen?

Nein, das gibt der derzeit gültige Bebauungsplan nicht her. Der muss dafür geändert werden, die Gremien des Stadtrats müssen sich damit befassen.

Wann soll die Anlage den Betrieb aufnehmen?

Bettels geht derzeit davon aus, dass im Mai 2026 die ersten Gäste am Müggelsee übernachten können.

Wie will Dirk Bettels das Areal nutzen, wenn er von der Politik grünes Licht bekommt?

Der Unternehmer will mit seiner Firma den See und das zugehörige Areal zu einer Anlage für Wohnmobilurlauber und Camper ausbauen. Sein Plan sieht insgesamt 120 bis 140 Stellplätze vor.

Wie will Bettels die Fläche aufteilen?

Nach Bettels’ Angaben ist ein Drittel der Plätze für Gäste gedacht, die nur tagsüber Rast machen oder für maximal eine Übernachtung bleiben. Er denkt dabei an Urlauber, die auf der Durchreise sind, etwa von Skandinavien in Richtung Bayern oder Italien. Ein weiteres Drittel der Fläche soll für Gäste ausgebaut werden, die länger als einen Tag bleiben; diese Stellplätze sollen mit festen Einzelbädern mit Dusche und WC ausgestattet sein und so mehr Komfort bieten. Das letzte Drittel der Fläche ist für Standard-Standplätze vorgesehen, auf denen Kurzurlauber oder Touristen auf der Durchreise (auch mit Wohnwagen) ihre Gefährte abstellen, für diese Gäste stehen Sammelduschen und zentrale Toilettenanlagen bereit.

Es soll auch ein Glamping-Angebot geben – was ist das?

Glamping ist ein zusammengesetztes Kunstwort, es steht für glamouröses Camping – also eine Urlaubsform, die etwas vom Outdoor-Charakter des Campen bewahrt, aber mehr Komfort bietet als Übernachtungen in einem normalen Zelt. Am Müggelsee soll es dafür mehrere buchbare Hausboote geben, die am Ufer des Sees liegen, zudem eine Lodge und ein Häuschen in Iglubauweise. Insgesamt sieht das Konzept 30 Glamping-Betten vor.

Welche Angebote soll es neben den Stellplätzen für die Gäste auf der Anlage geben?

Für die gastronomische Versorgung sollen zwei Foodtrucks auf dem Areal sorgen. Zusätzlich geplant: eine Minibackstube mit Verkauf von Brot, Süßem und Brötchen, sowie ein Selbstbedienungs-Shop für Lebensmittel, der rund um die Uhr geöffnet ist und auch regionale Produkte im Angebot haben soll. Da Wohnmobilurlauber häufig mit Hunden unterwegs seien, so Bettels, solle die Anlage auch haustierfreundlich sein – dazu gehöre eine Hundedusche.

Wird die Anlage das ganze Jahr über geöffnet sein?

Nach derzeitigen Plänen soll die Anlage fast durchgehend geöffnet sein, lediglich im Winter zwischen Januar und Februar sei eine Schließzeit von maximal sechs Wochen einkalkuliert, sagt Dirk Bettels.

Wird der Müggelsee wieder zum Freibad – und wer darf ihn dann zum Baden nutzen?

Das ist noch nicht klar. Grundsätzlich sei es wünschenswert, Baden im See zu ermöglichen, sagt Bettels. Es müssten aber diverse sicherheitstechnische Vorgaben und rechtliche Bedingungen zu einem möglichen Badebetrieb geklärt werden, bevor es eine endgültige Aussage geben könne. Sollte es einen Badebetrieb geben, könne er sich die Öffnung für Tagesgäste von außen „sehr gut vorstellen.“

Was spricht aus Expertensicht für den Müggelsee als Wohnmobilstellfläche?

Der Schweizer Markus Löhrer betreibt unter dem Namen Womoclick ein Online-Portal und einen Youtube-Kanal für Wohnmobilfans, ist selbst viel auf Stellplätzen in Deutschland und Europa unterwegs. Löhrer ist zudem Markenbotschafter für den Wohnmobilhersteller Morelo, er berät Bettels bei der Entwicklung des Müggelsee-Konzepts. Löhrer sagt: „Die Lage des Sees ist optimal: dicht an der Autobahn, trotzdem im Grünen und auch dicht an Supermärkten und der Innenstadt. Das ist das, was Wohnmobilisten suchen und brauchen.“ Nadine Miske, Tourismusmanagerin beim Landkreis Hildesheim, ist überzeugt: „Das kann zu einem Leuchtturmprojekt werden.“

Profitiert die Stadt insgesamt auch von der Müggelsee-Anlage, wenn sie mal in Betrieb ist?

Grundsätzlich würde die Stadtkasse bei erfolgreichem Betrieb finanziell über die Gewerbesteuer und die Beherbergungssteuer profitieren, die Bettels mit seiner Firma abführen muss. Darüber hinaus könnten die Gäste am Müggelsee durch Shoppingbummel in der Stadt, Ausflüge in Museen sowie Restaurant-, Bar- und Cafébesuche hiesigen Kultureinrichtungen, Gewerbetreibende und Gastronomen höhere Umsätze bescheren. Er stehe in Kontakt mit Fritz Ahrberg, Chef der Hildesheimer Marketinggesellschaft, sagt Bettels. Es sei aus seiner Sicht klar, dass das Image der Stadt von dem Konzept am Müggelsee insgesamt als Touristenziel profitieren könne und werde.

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