Hildesheim - Seit seiner Schließung vor zehn Jahren macht die Freibad-Anlage Müggelsee im Norden Hildesheims durchgehend den Eindruck, als wäre eine Wiedereröffnung ohne Probleme jeder Zeit und unverzüglich möglich. So gepflegt und gut in Schuss wirkt das Areal – und hinterlässt bei vielen, die früher hier ihre Sommertage verbrachten und im kühlen See ihre Bahnen zogen, eine Art Phantomschmerz. Doch die vielfach geäußerte Hoffnung auf einen Neustart des Müggelsees, sie erfüllte sich nicht. Das Besitzer- und Betreiber-Ehepaar Gerda und Karl-Heinz Bode hatte 2014 aus Altersgründen einen endgültigen Schlussstrich gezogen. Und der durchaus angedachte Verkauf an einen Nachfolger kam über Jahre hinweg nicht zustande. Bis jetzt.
Denn wie der Hildesheimer Unternehmer und CDU-Politiker Dirk Bettels bestätigt, hat er mit seiner Firma Immobiliengesellschaft Hildesheim das rund 53.000 Quadratmeter große Gelände erworben. Er will nach eigenen Angaben das Areal zu einem Standort für Wohnmobile ausbauen, zudem Glamping-Angebote schaffen – also Camping auf gehobenem Niveau. Er wolle am Müggelsee ein Tourismus-Angebot schaffen, das sich im bundesweiten Vergleich auf einem „Top Level“ bewege. Mit dem Konzept wolle sein Unternehmen die touristische Entwicklung von Stadt und Landkreis Hildesheim stärken. Weitere Details zu seinen Plänen nennt Bettels derzeit aber nicht, er verweist stattdessen auf Nachfrage der HAZ auf eine für den 30. September anberaumte Pressekonferenz. Erst bei diesem Termin, der direkt am Müggelsee stattfinden soll, werde er sein Konzept vorstellen. Somit ist derzeit auch noch unklar, ob es neben der Nutzung für Camper und Wohnmobilurlauber auch einen Zugang für Tagesgäste geben soll.
30 Jahre Betrieb durch das Ehepaar Bode
30 Jahre lang, seit 1983, hatten die Vorbesitzer Gerda und Karl-Heinz Bode das Gelände am Müggelsee selbst bewirtschaftet und gepflegt. Vor der Schließung 2014 soll es rund 3000 Übernachtungen jeden Sommer auf dem an den See angrenzenden Campingplatz gegeben haben. Die Nähe zur Autobahn machte ihn besonders für Durchreisende aus Skandinavien attraktiv, die in Hildesheim einen Zwischenstopp einlegten.
Der künftige Besitzer Dirk Bettels ist seit vielen Jahren nicht nur als Unternehmer, sondern auch in der Lokalpolitik bei der CDU aktiv. So ist er unter anderem Immobilienentwickler bei den Sorsumer Neubaugebieten Nordfeld I und II gewesen, als Politiker ist er aktuell Vorsitzender des Hildesheimer CDU-Ortsverbands Mitte – und einer von noch zwei verbliebenen Bewerbern der Christdemokraten für die Bundestagskandidatur im hiesigen Wahlkreis im kommenden Jahr.
Bettels-Idee 2020: Stadt könnte See übernehmen
Das Thema Müggelsee hatte Bettels schon 2020 – damals war Bettels noch Ortsbürgermeister von Stadtmitte-Neustadt – aufgegriffen. Seine Forderung damals: Die Stadt müsse sich um eine Wiederbelebung des Müggelseebades bemühen und notfalls die Fläche selbst übernehmen.
Rathaussprecher Helge Miethe hatte daraufhin erklärt, die Stadt Hildesheim würde „eine Reaktivierung des Müggelsees als Freibad grundsätzlich begrüßen“, sie sei aber eben nicht Eigentümer des Privatgrundstücks. Tatsächlich hatte die Stadt Miethes Angabe nach zuvor schon Gespräche zur möglichen Wiederbelebung des Geländes begleitet, aber nie einen eigenen Ankauf in Erwägung gezogen. Zu der aktuellen Entwicklung und dem spektakulären Grundstücksdeal zwischen Bettels und dem Alteigentümer äußert sich Miethe auf Nachfrage nicht inhaltlich: Im Rathaus sehe man derzeit keinen Anlass dazu, bevor die Pläne öffentlich vorgestellt worden sind.


