Kreis Hildesheim - Wird im Landkreis Hildesheim in einigen Jahren Kupfer, Zink oder gar Gold abgebaut? Zumindest für den Südkreis ist das eine mögliche Perspektive. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat dem britisch-amerikanischen Megakonzern Anglo-American eine sogenannte Aufsuchungserlaubnis für ein großes Areal im Süden Niedersachsens erteilt, das fast das komplette Kreisgebiet ab der Höhe Hildesheims südwärts einschließt.
Claim abgesteckt
Die nördliche Grenze des sogenannten Erlaubnisfeldes verläuft unter anderem in einer geraden Ost-West-Linie zwischen Emmerke und Sorsum sowie bei Ottbergen, wobei die Kernstadt Hildesheim ausgespart ist. Im Westen liegt die Gemeinde Sibbesse noch größtenteils im Erlaubnisgebiet, die Samtgemeinde Leinebergland weitgehend nicht. Weiter südlich verlauft der Rand des Erlaubnisfeldes genau durch Alfeld. Der südöstliche Landkreis liegt komplett im genehmigten Bereich. Insgesamt wird das Projektgebiet im Westen durch Alfeld und Einbeck, im Osten durch Salzgitter, Langelsheim und den Harzrand begrenzt und reicht im Süden bis kurz vor Göttingen.
Die Aufsuchungserlaubnis gestattet es dem Konzern noch nicht, seismische Untersuchungen oder gar Bohrungen zu starten. Hierfür müsste Anglo-American jeweils eigene Genehmigungen beim LBEG beantragen. Allerdings kann das Unternehmen nun Daten aus allen verfügbaren Quellen sammeln und dabei sicher sein, dass keine andere Firma sich mit dem Gebiet beschäftigen darf. „Anglo-American hat sozusagen seinen Claim abgesteckt“, erklärt LBEG-Sprecher Eike Bruns. Das gilt zunächst bis zum Jahr 2028.
Kupferschiefer in der Tiefe
Der Konzern wird nun versuchen, innerhalb des knapp 2000 Quadratkilometer großen Gebietes – gut ein Viertel davon im Kreis Hildesheim – kleinere Bereiche zu identifizieren, die er sich dann genauer anschaut. Wie das aussehen kann, zeigt sich bereits im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Dort bohrt Anglo-American an mehreren Orten in Tiefen von 100 bis 1000 Metern.
Die Kupferschiefer-Vorkommen, um die es dort geht, ziehen sich unterirdisch in einem langen Band bis in die norddeutsche Tiefebene. Wie ergiebig sie sind und ob sich ein Abbau lohnen könnte, müssen aber die Untersuchungen in den nächsten Jahren zeigen. Sicher ist, dass die Suche nach Kupfer und anderen Erzen im heutigen Niedersachsen zwar historisch im Harz eine große Rolle spielte, außerhalb des Mittelgebirges aber deutlich weniger. „In den vergangenen 15 Jahren haben wir lediglich vier weitere Erlaubnisse zur Aufsuchung von Erzen erteilt“, sagt LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier.
Das sagt das Unternehmen
Wie das Unternehmen am Donnerstagabend auf HAZ-Anfrage bestätigte, geht es Anglo-American vor allem um Kupfer. „Es gibt aber auch bestimmte andere Metalle, die in dem Mineralsystem dort relevant sein können“, erklärte Pressesprecher Marcelo Esquivel, ohne dazu schon ins Detail zu gehen. Nächste Schritte könnten unter anderem geophysikalische Untersuchungen sein – auch aus der Luft, also zum Beispiel mit Hilfe von Hubschraubern, wie es zum Beispiel auch rund um den Giesener Kaliabbau schon passiert ist. Esquivel betonte, Anglo-American werde die örtliche Bevölkerung bei konkreten Aktivitäten vor Ort informieren – und verweist darauf, dass die Firma auch in Thüringen zu Informations-Veranstaltungen eingeladen habe, etwa zu Bohrungen.
Unabhängiger von Importen
In Thüringen ist die Tochtergesellschaft „Kupfer Copper Germany“ aktiv. Die Aufsuchungserlaubnis für Niedersachsen wurde einer weiteren Tochtergesellschaft, der „Anglo American Exploration Germany“ mit Sitz in Düsseldorf, erteilt. Sie umfasst neben Kupfer aber auch zahlreiche weitere Erze: Gold, Silber, Zink, Blei, Zinn, Wolfram, Molybdän, Vanadium, Kobalt und Nickel.
„Generell ist gerade seit Beginn des Ukraine-Krieges das Interesse an der Förderung wichtiger Rohstoffe in Deutschland selbst wieder deutlich größer geworden“, merkt LBEG-Sprecher Eike Bruns an. Tatsächlich gibt es EU-weit das Bestreben, bei Rohstoffen unabhängiger vor allem von China und Russland, aber auch von anderen Ländern zu werden..
Haupteigner von De Beers
Anglo-American ist ein weltweit aktiver Bergbau-Konzern. Das Unternehmen mit Sitz und London wurde 1917 zur Ausbeutung von Goldvorkommen in Südafrika gegründet, ist aber heute auf allen Kontinenten im Bergbau aktiv. Unter anderem ist der Konzern, der zuletzt einen Jahresumsatz von gut 32 Milliarden Euro machte und rund 65.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, Haupteigner des bekannten Diamantenabbau-Unternehmens De Beers.
Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen Jahren, dass ein Unternehmen eine Aufsuchungserlaubnis für Rohstoffe im Kreis Hildesheim bekommen hat. Vor einigen Jahren gab es eine Lizenz zur Recherche von Erdölvorräten im nordwestlichen Kreisgebiet. Das betreffende Unternehmen kam aber zu dem Schluss, dass sich weitergehende Untersuchungen oder gar eine Förderung nicht lohnen würden.
