Volleyball-Manager im Interview

Grizzlys-Geschäftsführer Kucera: „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns gut verstärken können“

Hildesheim - Im HAZ-Interview spricht der Grizzlys-Geschäftsführer ausführlich über den Stand der Personalplanungen und verrät, wer für den Volleyball-Erstligisten ein interessanter Mann ist.

Sascha Kucera spricht im HAZ-Interview ausführlich über die Giesener Personalplanungen. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Die Saison 2021/22 der Bundesliga-Volleyballer Helios Grizzlys Giesen ist vorbei. Im HAZ-Interview blickt Geschäftsführer Sascha Kucera zurück auf die Spielzeit, verrät den Stand der Personalplanungen, und wie es kommende Saison weitergehen könnte.

Herr Kucera, die Bundesliga-Saison ist für die Helios Grizzlys seit rund drei Wochen beendet. Konnten Sie damit bereits abschließen, oder befinden Sie sich noch in der Analyse?

Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist. Es kam viel zusammen, was bereits thematisiert wurde – wie die vielen Verletzungen, aber auch die krassen Leistungsschwankungen. Ich war am Ende der Saison enttäuschter, als ich es jetzt bin und bin froh, dass wir einen versöhnlichen Abschluss mit dem Heimspiel gegen Berlin hatten.

Was hat die Analyse ergeben?

Rückblickend war es vor allem eine Woche im November, die die Saison besonders getrübt und geprägt hat: nämlich nach einer 2:0-Führung im Pokal in Herrsching noch zu verlieren und anschließend auch in Unterhaching eine Niederlage zu kassieren. Gewinnen wir gegen Herrsching, dann stehen wir im Halbfinale, und ich bin mir sicher, dass wir dann auch das Punktspiel gegen Haching gewonnen hätten.

Es kam aber anders.

Ja, leider. Wenn man als einzige Mannschaft der Liga gegen den Tabellenletzten verliert, bleibt das natürlich haften. Das hat auch intern für Probleme gesorgt.

Welche Probleme meinen Sie genau?

Unter den Spielern gab es viel Unruhe. Ich würde sagen, es war kein richtiges Team, eher eine Ansammlung von Einzelkämpfern. Das fing vielleicht schon mit dem Thema Bennie Tuinstra an, der sich bekanntlich spät gegen einen Wechsel zu uns entschieden hat. Stijn van Tilburg war nicht auf dem Leistungsniveau der Vorsaison, und auch Romans Sauss hat nicht so eingeschlagen, wie wir uns es vorgestellt haben.


Die Chemie im Team muss stimmen, meint HAZ-Volontär Maximilian Willke in seinem Kommentar. Lesen können Sie den hier.


Zwei Spieler, die den Verein verlassen werden.

Ja, Stijn bleibt aber in der Bundesliga, er hat am Freitag in Herrsching unterschrieben. Ich habe ihn beglückwünscht und mich gefreut, dass wir Herrsching nächstes Jahr zweimal schlagen werden (sagt es mit einem Augenzwinkern).

Auch Libero Milorad Kapur wird nicht mehr zum Team gehören – warum?

Unsere großen Schwachstellen waren die Annahme und der Außenangriff – mit dem Problem, dass die Kommunikation zwischen den Annahmespielern und dem Libero dieses Jahr nicht so gut funktioniert hat.

Mit Linus Engelmann ist der erste Mann für diese Position bereits vorgestellt worden. Was kann man von ihm erwarten?

Linus ist jung und kann sowohl als Libero-Back-Up, aber auch auf Außen und Annahme spielen und trainieren. Er wird einen Schritt nach vorn machen und Einsätze bekommen, da bin ich sicher.

Wie sehen die weiteren Planungen auf dieser Position aus?

Lorenz Karlitzek wollen wir gern halten, da sind wir in guten Gesprächen. Viele wissen, was in ihm steckt. Wir hoffen, dass er das jetzt abrufen kann. Er hat Angebote, auch aus der Bundesliga. Eigentlich möchte er bei uns bleiben. Ich würde sagen, wir sind bei 90 Prozent, dass er bleibt. Timon Schippmann wird den Verein verlassen.

Karlitzek litt unter chronischen Rückenproblemen. Sind die überwunden? Was sagen die Ärzte?

Lorenz hatte einen Ermüdungsbruch am Steißbein. Der ist inzwischen aber auskuriert und wird ihn nicht nachhaltig beeinträchtigen.

Wie sieht es um die Zuspieler Jan Röling und Merten Krüger aus?

Da gibt es definitiv Handlungsbedarf. Es ist zwar nicht immer die Schuld der Zuspieler, aber sie sind fast an jedem Ballwechsel beteiligt. Ich meine, der Zuspieler macht 60 Prozent der Mannschaftsleistung aus. Wir werden uns auf dieser Position definitiv verändern. Ich bin mit Jan Röling in Gesprächen. Er möchte bleiben, und wir möchten es eigentlich auch, aber es ist noch keine Entscheidung gefallen. Wir werden aber definitiv einen neuen Zuspieler holen.

Bedeutet das für Merten Krüger womöglich das Ende? Oder planen Sie mit drei Zuspielern?

Das lasse ich mal offen. Mit Merten habe ich noch nicht gesprochen. Ich halte drei Zuspieler durchaus für möglich, das würde auch den internen Wettbewerb anheizen und die Trainingsbedingungen verbessern.

Ist die Rückkehr von Stefan Thiel ein Thema?

Ich bin nicht mit ihm Kontakt, aber ich weiß, dass Itamar (Trainer Itamar Stein; d. Red.) mit ihm Kontakt hatte. Ich denke, Thiel würde gut reinpassen. Wenn Jan Röling aber bleibt, wären mir beide zu ähnlich, allein schon von der Körpergröße. Es wird auf jeden Fall mindestens einen anderen Zuspieler geben, vielleicht sogar zwei. Stefan ist aber eine interessante Personalie.

Mit Diagonalangreifer Colito haben Sie den Vertrag verlängert, die Verlängerung mit Hauke Wagner dürfte sicher nur eine Frage der Zeit sein, oder?

Hauke Wagner und Colito sind die Optimalbesetzung, deswegen machen wir auch mit Colito weiter – und mit Hauke werden wir uns sicher sehr schnell einig. Wenn wir unser Angriffsspiel variabel aufziehen können, dann haben wir eines der besten Pärchen auf dieser Position.

Wie sehen die Planungen für den Mittelbock aus?

Magloire Mayaula und David Seybering haben noch Verträge. David ist für mich der kompletteste Mittelblocker in unserem Team, weil er sehr gut blockt und auch einen guten Angriff hat. Er hat auch eine gute Verbindung mit Jan Röling, das Spiel der beiden ist variabler. David hatte am Anfang der Saison mit Corona zu kämpfen und am Ende eine Wunde an der Hand. Wenn er die Vorbereitung komplett mitmacht und fit bleibt, wird er den nächsten Schritt machen und kann vielleicht einer der zwei Stamm-Mittelblocker werden. Wir überlegen zudem, ob wir dieses Jahr mit vier, statt mit drei Mittelblockern in die Saison gehen und den Kader insgesamt vergrößern.

Also ein Kader mit 13 oder 14 Spielern?

Ja genau, das kann passieren.

Wie läuft die Spielersuche eigentlich ab?

Itamar Stein übernimmt das Scouting, schaut sich Videos an und macht die Kontaktaufnahme mit den Agenten. Dann stellt er sie mir vor. Stefan Urbanek versucht, meist noch Statistiken aufzutreiben. Wenn wir dann sagen, das ist einer, dann geht es in die Vertragsverhandlungen. Itamar ist bei uns mehr als Trainer, so etwas wie ein Hybrid-Trainermanager. Wir haben viele Anfragen und Angebote. Dabei sind auch Spieler aus der Bundesliga. Es ist immer einfacher, einen Spieler auf der Grundlage von Videos zu verpflichten, weil man da eher weiß, wen man einkauft.

Sind die Grizzlys eine gute Adresse?

Ja, aber es fällt uns aktuell schon auch auf die Füße, dass wir sportlich stagniert sind. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir uns gut verstärken können.

Ist es auch eine Option, mehr Perspektivspieler zu verpflichten, wie es zum Beispiel Düren macht?

Wir müssen ein gesundes Mittelmaß finden. Wir wollen auf junge Talente setzen, weil man die finanziell besser kriegen kann, aber wir brauchen auch Erfahrung. Im Zuspiel brauchen wir jemanden, der Druck macht. Da wäre es aus meiner Sicht ein Fehler, jemanden zu holen, den wir weiterentwickeln wollen. Die Dürener haben es schlau gemacht: Die erste Sechs ist sehr erfahren und hochkarätig besetzt, so dass sie es sich erlauben können, auch mal ein paar junge Spieler reinzuwerfen.

Sie sagen es selbst: Sportlich gab es eine Stagnation, vielleicht sogar einen Rückschritt. Was soll nächstes Jahr passieren?

Wenn man mehrere Jahre in der Liga ist, dann hat man vielleicht mal so ein Jahr, was eher wie ein Rückschlag wirkt. Davor war es jede Saison immer etwas besser, wir haben immer mehr Spiele gewonnen. Sportlich sind wir auf der Stelle getreten, das haben alle wahrgenommen. Das Feld war total eng, jeder Fehler wurde bestraft. Nun gilt es, sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Der Anspruch beim Umfeld ist gewachsen, aber ohne arrogant klingen zu wollen: Ich weiß gar nicht, was wir im Umfeld noch verbessern sollen.

Wie sehen die Planungen der Liga aus?

Haching bleibt wohl weiter dabei und würde dann auch Playoffs spielen. VCO Berlin spielt nächste Saison wieder in der Bundesliga, und Moers hat Ambitionen, aufzusteigen. Es wäre ein finanzstarker Aufsteiger.

Soll der Modus beibehalten werden?

Mir wäre ein Modus lieber, bei dem man keine vorher festgelegte Punkteverteilung hat, sondern einfach Punkte mitnimmt aus den Spielen, die man gewonnen hat. Dann wäre die Zwischenrunde in dieser Saison bereits enger gewesen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich nur die Top-Vier-Mannschaften in den Viertelfinalspielen durchgesetzt haben. Da scheint es also zu allen Teams aus der unteren Hälfte ein Leistungsgefälle zu geben. Letztlich müssen wir abwarten, wie viele Teams es nächste Saison werden.

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