Energiewende

Größter Solarpark im Kreis Hildesheim: Bürgerinitiative enttäuscht und verärgert – kein einziger Politiker kam zum Termin

Groß Ilde - Im Westen von Groß Ilde will Eon den größten Solarpark im Landkreis Hildesheim errichten. Viele Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes sind dagegen. Das sind ihre Gründe.

Blick über Groß Ilde: Von hier aus gesehen hinter dem Ort, also im Westen und Südwesten, plant der Eon-Konzern den mit Abstand größten Solarpark im Landkreis Hildesheim. Foto: Michael Vollmer

Groß Ilde - Enttäuschung für die Bürgerinitiative (BI) Solarpark Groß Ilde: Trotz persönlicher Einladungen ist kein einziges Mitglied des Stadtrates Bockenem zu der gemeinsamen Besichtigung jener Fläche gekommen, auf der das Unternehmen Eon Energie den bislang größten Solarpark im Landkreis Hildesheim plant. Das eigentliche Ansinnen der BI am Mittwochnachmittag: Ein Bild von den Dimensionen des Vorhabens vermitteln. Er sei enttäuscht darüber, dass kein Stadtratsmitglied der Einladung gefolgt sei, sagte BI-Sprecher Sven Schmidt. Er habe sich auch darüber geärgert, dass er mit nur einer Ausnahme keine Absage erhalten habe. „Das ist schade, gerade auch in Hinblick auf die von dem Unternehmen geplante Informationsveranstaltung in Ilde“, sagte Schmidt weiter.

Der Einladung gefolgt waren neben der Presse etwa ein Dutzend Ilder. Für Schmidt ist der von Eon bevorzugte Standort nicht nachvollziehbar, wo doch der als privilegiert geltende Bereich entlang der Autobahn auch ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren bedeuten würde. Der Sprecher der BI betonte zudem, dass der Boden mit einem Bodenwert von 60 nicht so schlecht sei, wie Befürworter des Standortes behaupteten. Der Ort Ilde werde von Windkraft, weiteren geplanten Windrädern, Biogasanlage, der Wahle-Mecklar-Trasse und dem geplanten Solarpark geradezu umzingelt, sagte Schmidt. „Das ist für ein Dorf mit 240 Einwohnern nicht zumutbar. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gewahrt.“ Das Landschaftsbild, so der BI-Sprecher weiter, würde sich vom Ortsrand Groß Ilde bis zum Waldrand durch die Elemente deutlich verändern – und das immerhin auf einer Fläche von gut 90 Fußballfeldern.

Konzern widerspricht der BI

Nach Angaben einer Eon-Sprecherin soll der geplante Solarpark indes nur rund 55 Hektar groß werden, was einer Fläche von rund 70 Fußballfeldern entspräche. Der Konzern widersprach zuletzt auch den Darstellungen der BI über die geplante Lage des Solarparks, der Groß Ilde demnach im Westen und Süden weitgehend einfassen würde: „Die auf der Website der BI gezeigten Pläne entsprechen nicht unserer aktuellen Planung“, betonte die Sprecherin. Wie diese konkret aussieht, dürfte das Unternehmen bei seiner Infoveranstaltung am Montag, 25. November, ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus mitteilen.

Kritik übte die BI unterdessen auch an der Erreichbarkeit des Solarparks. „Es gibt keine gesonderte Zuwegung. Es läuft alles auf ein Nadelöhr hinaus“, so Schmidt. Er sei zudem überzeugt, dass der Solarpark durch drei bis sechs große Ventilatoren und die Solarpanels keineswegs geräuschlos Energie produzieren würde. „Je nach Wind kommt der Krach sicher im Ort an.“

Hälfte der Einwohner gegen den Park

Mittlerweile unterstützen laut Schmidt von 241 Einwohnern fast 50 Prozent die Bürgerinitiative. Könnte das Vorhaben die Dorfgemeinschaft spalten? Das befürchten zumindest manche jener Bürgerinnen und Bürger, die zu dem Ortstermin am Mittwoch erschienen waren. „Dann ist es vorbei mit dem großen Zusammenhalt“, sagte eine Frau.

Die BI erhielt aus dem Kreis der Interessierten Bestätigung für die Forderung nach einer besseren Kommunikation. Zuvor hatte Schmidt kritisiert, dass die Pläne schon länger bekannt, aber erst Ende September öffentlich gemacht worden seien.

Ein Fernsehteam des Norddeutschen Rundfunks begleitete den Termin der BI. Das genaue Sendedatum des Beitrages, der in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.

Von Michael Vollmer

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