Islamischer Glaube

Großes Interesse, viele Fragen: Dutzende Hildesheimer beim Tag der offenen Tür in der Selimiye-Moschee

Hildesheim - Am Eingang einer Moschee ziehen Besucher ihre Schuhe aus – das hätten wohl die meisten Gäste der Selimiye-Moschee über die Sitten und Abläufe dort gewusst. Am Tag der offenen Tür konnten sie viel darüber hinaus erfahren und Fragen stellen.

Erzählen von ihrer Gemeinde und den Gebeten in der Hildesheimer Selimiye-Moschee: Imam Taner Kekec, Vorstandsvorsitzender Osman Demirtas, seine Stellvertreterin Melanie Gündüz und Turan Urkac (von links). Foto: Geoffrey May

Hildesheim - Am Eingang einer Moschee ziehen die Besucherinnen und Besucher ihre Schuhe aus – das ist wohl etwas, das die meisten Gäste an diesem Tag der offenen Selimiye-Moschee im ehemaligen Medimax-Elektronikmarkt selbst über die Sitten und Abläufe dort gewusst hätten. Doch das allermeiste, was sich ihnen an diesem Montag hier offenbart, ist neu. Je größer das Interesse, dwato lohnender der Besuch: Kurz nach Beginn der ersten Führung durch die Räume um 11 Uhr sind schon etwa 20 Interessierte zusammengekommen, dann sind es dreißig, dann vierzig, es werden immer mehr.

Aber das macht gar nichts, der Gebetsraum ist ja groß genug. Hier erzählen der Vorstandsvorsitzende Osman Demirtas, seine Stellvertreterin Melanie Gündüz und aus der Gruppe der Jugendlichen Turan Urkac von den Bräuchen und Gebeten hier, von der alltäglichen Arbeit der Gemeinde. Auch Imam Taner Kekec ist da, um alle Fragen der Gäste zu beantworten, er spricht auf Türkisch, Gündüz und Urkac übersetzen.

Das wichtigste Gebet der Woche ist am Freitag

Besonders zum wichtigsten Gebet der Woche, das gemäß der islamischen Tradition am Freitag stattfindet, häufen sich die Fragen: Beten dann Männer und Frauen getrennt? So ist es, bestätigt Gündüz, der große Gebetsraum – er umfasst mehrere hundert Quadratmeter – sei nur für die Männer gedacht, der nebenan für die Frauen. Außerdem, erklärt sie, sei es für die Männer nahezu verpflichtend, am Freitag in die Moschee zu kommen, während die Frauen auch zuhause ihr Gebet verrichten dürften. Warum aber die Trennung der Geschlechter, fragt eine Zuhörerin. Nun, erklärt der Imam auf Türkisch, weil man sich beim Gebet auf nichts anderes als die Zuwendung zu Allah konzentrieren soll. Ein Zusammenkommen von Frauen und Männern könne dieser Konzentration durchaus auch mal im Wege stehen.

Etwa 500 Männer versammeln sich hier jeden Freitag gegen 13.20 Uhr zum Beten. Die Ausrichtung nach Kabaa im Hof der Heiligen Moschee in Mekka ist den meisten Besuchern bekannt. Neu ist, dass die Predigt hier nicht wie in Kirchen vom Pastor beziehungsweise vom Imam geschrieben wird, sondern für alle Ditib-Moscheen international denselben Inhalt hat. „In Ausnahmefällen darf der Imam seine eigene Predigt halten“, ergänzt Urkac. „Das macht er zum Beispiel dann, wenn es ein wichtiges Anliegen in der Gemeinde gibt, das alle angeht, oder auch ein Problem.“ Ansonsten aber können man in allen gewünschten Sprachen das abrufen, was vom Dachverband verfasst wurde.

Der Imam kennt den gesamten Koran auswendig

Auch Kekecs Ausbildung zum Imam und seine Berufung nach Hildesheim interessieren die Gäste sehr. Sie erfahren, dass es ein akademisches Studium und profunde Kenntnisse des Koran brauche, um in diese Position zu kommen. Zudem müssen angehende Imame vor Experten des Dachverbands Ditib, dem die Selimiye-Gemeinde angehört, eine Prüfung ablegen. „Unser Imam kennt den ganzen Koran auswendig“, berichtet Gündüz stolz, auch seine Frau sei eine Religionsgelehrte und unterrichte in der Moschee Kinder.

Denn das ist eine weitere Funktion des islamischen Gotteshauses: In den Konferenzräumen werden derzeit etwa 120 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren in Sprachen unterrichtet, hier bekommen sie auch Nachhilfe für die Schule. Auch Ältere finden Platz zum eigenständigen Lernen. Der Austausch in der Gruppe sei elementar in der Gemeinde, betont Gündüz mehrfach – egal ob der in den Schülergruppen oder unter den Betenden stattfinde, ob unter Nuslimen und Angehörigen anderer Religionen oder Nichtgläubigen, selbst über die Moschee hinaus sei es wichtig, sich zu vernetzen.

Der Tag der offenen Tür ist eine Einladung auch für die Zukunft

Gündüz, die selbst im Ortsrat Nordstadt sitzt, will diesen Tag der offenen Moschee vor allem als eine Einladung verstanden wissen, die weiterhin gilt: „Wer zu uns kommen möchte, kann das jederzeit tun. Unser Haus ist offen, wir sind ansprechbar, es ist immer jemand da, jeder kann hereinkommen.“ Aber erst: Schuhe ausziehen.

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