Kreis Hildesheim - Die Einwohnerzahlen von Stadt und Landkreis Hildesheim lagen zum Jahreswechsel 2023/24 so hoch wie zu keinem Jahreswechsel seit Anfang 2011 mehr – jenem Zeitpunkt, zu dem die Einwohnerzahlen der Städte und Gemeinden in Niedersachsen auf Basis der Ergebnisse des Zensus 2011 neu festgestellt und seither fortgeschrieben wurden. Das geht aus neuen Daten hervor, die das Niedersächsische Landesamt für Statistik jetzt veröffentlicht hat.
Umland büßt Einwohner ein
Demnach lebten mit Stand vom 31. Dezember vergangenen Jahres genau 278.481 Menschen im Landkreis Hildesheim. Das waren 110 mehr als ein Jahr zuvor. Mit Stand vom 30. September 2023 – die Statistik-Behörde veröffentlicht die Einwohnerzahlen alle drei Monate – lebten sogar noch zwölf Personen mehr im Kreisgebiet, für ein Jahresende war der jüngste Wert aber ein Höchststand.
Auffällig ist dabei, dass die Stadt Hildesheim deutlich Einwohnerinnen und Einwohner hinzugewann, während die Umland-Kommunen unterm Strich an Bevölkerung einbüßten. Auch bei ihnen waren die Entwicklungen allerdings sehr unterschiedlich.
Hildesheimer Faktoren: Hochschulen und Ostend
Hildesheim selbst jedenfalls verbuchte zum Jahreswechsel tatsächlich den höchsten Einwohnerstand seit 2011 – unterjährige Daten inklusive. 102.235 Personen lebten demzufolge Ende vergangenen Jahres in Hildesheim, ein Plus von 377 gegenüber der Situation zwölf Monate zuvor. Mehr als 102.000 Hildesheimerinnen und Hildesheimer hatten die Statistiker seit 13 Jahren nicht mehr gezählt.
Allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres stieg die Einwohnerzahl der Kreisstadt um 285 Menschen an. Ein Effekt, den es auch in den vergangenen Jahren gab und der seinen Grund vor allem in den beiden Hildesheimer Hochschulen haben dürfte: Neue Studentinnen und Studenten melden sich zu Beginn des Wintersemesters bei der Stadt als Einwohner an – und zwar deutlich mehr, als gleichzeitig nach Abschluss ihres Studiums wegziehen. Ein weiterer Faktor ist die Entwicklung des Ostends, in dem immer mehr Wohnungen entstehen. Die Zeiten, in denen Politik und Verwaltung in Hildesheim über den drohenden Verlust des Großstadt-Status diskutierten, scheinen endgültig vorbei zu sein.
Boom in Sarstedt und Elze
Eine auf niedrigerem Niveau ähnliche Entwicklung gibt es in Elze. Die Stadt im Westkreis verbuchte mit 9252 Einwohnerinnen und Einwohnern nicht nur einen deutlichen Zuwachs im vergangenen Jahr, sondern auch die höchste Bevölkerungszahl seit dem Jahr 2008. In Elze setzte sich damit ein Trend der vergangenen Jahre fort. Die Kommune schafft vor allem im Norden der Stadt – im Baugebiet Hanlah – immer mehr Platz für Einfamilienhäuser. Zudem gelingt es Elze, Wirtschaftsbetriebe anzulocken – in beiden Fällen profitiert die Stadt von ihrer guten Anbindung nach Hannover über Bahn und Bundesstraße 3.
Einen deutlichen Zuwachs an Einwohnern registrierte auch die Stadt Sarstedt, die weiter an der 20.000er-Marke kratzt. Hier wirkte sich vor allem aus, dass im neuen Baugebiet Sonnenkamp-Ost viele Menschen ihre Häuser bezogen haben. Auch an anderen Stellen im Stadtgebiet gab es Bauprojekte. Diese Entwicklung dürfte sich im laufenden Jahr fortsetzen, auch, weil ein größeres Mehrfamilienhaus-Projekt der kwg fertig wird.
Lamspringe „jagt“ Sibbesse
In Lamspringe ist das im Verhältnis zur Einwohnerzahl deutliche Plus in der Bevölkerung wohl in erster Linie auf die Unterbringung von Flüchtlingen im vergangenen Jahr zurückzuführen. Insgesamt setzt sich der Trend fort, dass Lamspringe bei der Einwohnerzahl gegenüber dem Nachbarn Sibbesse aufholt. Zum Jahreswechsel lebten in der Gemeinde Sibbesse nur noch genau vier Menschen mehr als in Lamspringe, vor wenigen Jahren betrug die Differenz noch etwa 200.
Bei zwei anderen Nachbarkommunen ist der „Überholvorgang“ nun abgeschlossen: Vor einem Jahr hatte Schellerten noch sieben Einwohnerinnen und Einwohner mehr als Söhlde, inzwischen liegt der östliche Nachbar um 42 Personen vorn. Beide haben im vergangenen Jahr an Bevölkerung eingebüßt, aber Schellerten deutlich stärker.
Flüchtlinge und Meteor
Übers ganze Jahr gesehen hat Algermissen die meisten Einwohnerinnen und Einwohner verloren. dabei ist die Nordkreis-Kommune eine gefragte Wohngemeinde, die in den vergangenen Jahren eigentlich eher boomte. Die jüngsten Verluste dürften auf einen Sondereffekt zurückzufahren sein. Der Landkreis hat viele Flüchtlinge in einem Hotel im Ortsteil Ummeln untergebracht, inzwischen sind allerdings viele von dort weg und in Wohnungen an anderen Orten im Kreisgebiet gezogen. Einen Rückgang gab es auch in Bockenem – ein möglicher Grund ist der Abbau befristeter Arbeitsplätze beim Automobil-Zulieferer Meteor.
Ein kleines Kunststück brachte indes die kleinste Kommune im Landkreis fertig: In der Gemeinde Freden lebten Ende Dezember 2023 exakt genauso viele Menschen wie Ende Dezember 2022. Freden ist es in den vergangenen Jahren offenbar gelungen, den lang anhaltenden Bevölkerungsrückgang dauerhaft zu stoppen und seine Einwohnerzahl zu stabilisieren.
