Zum Europäischen Depressionstag

Hildesheim: Kabarettist Matthias Brodowy spricht erstmals öffentlich über seine Depressionen – diese Botschaft liegt ihm am Herzen

Hildesheim - Der bekannte Kabarettist Matthias Brodowy hat bei einer Online-Konferenz des Ameos-Klinikums Hildesheim erstmals über eine Phase schwerer Depressionen gesprochen – wie vorher seine Kollegen Torsten Sträter und Kurt Krömer. Brodowy verbindet mit seiner Geschichte Appelle an Betroffene und an die Öffentlichkeit.

Matthias Brodowy hat sein frühe Kindheit in Hildesheim-Himmelsthür verbracht. Foto: HAZ-Archiv

Hildesheim - Nach Torsten Sträter und Kurt Krömer spricht ein weiterer bekannter Vertreter der komödiantischen Szene erstmals offen über seine Depressionen: der Kabarettist und Musiker Matthias Brodowy, der seine frühe Kindheit in Hildesheim verbrachte. Nun folgte er der Einladung des Ameos Klinikums, mit Blick auf den bevorstehenden Europäischen Depressionstag am 1. Oktober von seinen Erfahrungen mit der Krankheit zu berichten. Als solche müssten Depressionen in der Öffentlichkeit noch viel stärker wahrgenommen werden, sagte er in einer Online-Pressekonferenz mit Klinik-Chef Prof. Dr. Detlef Dietrich. „Oft wird Betroffenen gesagt: Reiß dich zusammen“, ist Brodowys Erfahrung, „oder: Kopf hoch, das wird schon wieder.“ Das seien die schlimmsten Sätze.

„Schwere Krankheit, keine Schwäche“

Denn Zusammenreißen helfe schließlich auch bei anderen Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt nicht, sagt der Kabarettist. „Davon geht ein Tumor nicht weg.“ Die Gesellschaft müsse noch besser verstehen, dass es sich bei Depressionen um eine oft schwere, manchmal sogar tödliche Krankheit handelt – und nicht um eine Schwäche, schon gar nicht um eine Charakterschwäche. Depression als Krankheit zu begreifen, sei für Außenstehende aber oft schwierig: „Sie ist so unsichtbar.“

Umso wichtiger sei es, über Depressionen zu sprechen. „Ich bin Torsten Sträter und Kurt Krömer dafür unendlich dankbar“, sagt er über die beiden Vorreiter. Bei Brodowy liegt die schwere Zeit schon eine Weile zurück. Er war von 2001 bis 2005 in therapeutischer Behandlung. „Damals hätte ich mich wahrscheinlich nicht auf diese Weise offenbart“, räumt er ein. Zuerst habe er sich wegen seiner Depressionen geschämt. „Heute weiß ich: Das ist Quatsch“, sagt er, „niemand muss sich für eine Krankheit schämen.“

Appell: Jede Hilfe nutzen – auch niedrigschwellige

Sein dringender Appell an alle Betroffenen: „Nicht zögern, Hilfe suchen.“ Das sei freilich schwierig, ergänzt er – schließlich warten die meisten Erkrankten heutzutage Monate auf einen Therapieplatz. „Bei mir ging es damals schnell“, erzählt er und ist darüber heute noch erleichtert. „Es war auch allerhöchste Eisenbahn.“

Allen, die länger auf therapeutische Hilfe warten müssen, rät Brodowy: „Lieber einmal mehr bei der Telefonseelsorge anrufen oder zum Hausarzt gehen als einmal zu wenig, niedrigschwellige Hilfen nutzen. Niemand, der eine Depression hat, kann das allein mit sich selbst ausmachen.“

Auch Angehörige brauchen oft Hilfe

Die Therapie sei sehr aufwühlend gewesen, erinnert sich der 51-Jährige. „Das war ein längerer Leidensweg und alles andere als einfach.“ Auch für seine Familie. Überhaupt, auch Angehörige bräuchten oft Unterstützung, weil sie ratlos seien. Vielen Hilfsbedürftigen stehen allerdings derzeit sehr begrenzte Hilfsangebote zur Verfügung. Daher schließt Brodowy mit einem dringenden Appell an die Politik: „Die muss das Thema Depression noch viel, viel ernster nehmen, mehr Therapieplätze schaffen. Denn viele Betroffene brauchen dringend, dringend Hilfe.“

Weitere Informationen zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Konferenz folgen.

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