Hildesheim - Wird Hildesheims Bewerbung berücksichtigt und die Stadt Teil des niedersächsischen Modellprojekts, dürften Geschäfte und Außengastronomie in der Innenstadt wieder öffnen. Drei Wochen lang. Ziel ist es, so die These zu belegen, dass Geschäfte und Gaststätten keine nennenswerten Infektionsherde sind und unter Berücksichtigung aller Hygiene- und Abstandsregeln ruhig weiterhin geöffnet bleiben können.
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Was für Holger Höfner, Manager der Arneken Galerie, ein bedenkenswerter Punkt in einem Projekt ist, das er eigentlich gern umgesetzt sähe: „Man muss überlegen, inwiefern sich eine kurzzeitige Öffnung insbesondere für die Wirte lohnt. Wenn die Entscheidung über Ostern bekannt gegeben wird, dann ist es kaum realistisch, dass die gleich am Dienstag nach den Feiertagen öffnen.“ Schließlich müssten sie einkaufen, Dienstpläne organisieren und so weiter. „Das wird sehr knapp“, sagt Höfner, der seine Mieter in der Galerie im Fall einer möglichen Öffnung selbst so schnell wie möglich informieren will.
Wir müssen jeden Strohhalm mitnehmen
Grundsätzlich jedoch sieht er in der sicheren Zone Potential. Nicht nur für die Wochen ihres Bestehens. „Sondern der Sinn ist ja, zu zeigen, dass so ein Öffnungskonzept funktioniert. Dauerhaft.“ Drei Wochen sind dafür erstmal eine knapp bemessene Zeit, wie Höfner findet – „aber wir müssen jeden Strohhalm mitnehmen. Insofern eine gute Initiative der Stadt, sich da zu bewerben“.
Gastronom Hamun Hirbod, Inhaber des Amadeus auf der Lilie, findet die Initiative im Grunde zwar auch gut, nur kommt sie für ihn zum falschen Zeitpunkt. „Wir haben die bisherigen Maßnahmen, die an und für sich sicher gut waren, nicht konsequent eingehalten. Und die Einhaltung auch nicht konsequent kontrolliert. Das muss man aber, wenn sie Erfolg haben sollen.“ Allein der Begriff „Lockdown“ sei falsch, so Hirbod, denn der bedeute wirklich ein komplettes Herunterfahren aller Aktivitäten. Stattdessen suchten viele Menschen immer wieder nach Wegen, möglichst bequem mit den Einschränkungen umzugehen. Das sei zwar verständlich, nur eben wenig hilfreich. Und so plädiert der Wirt zum jetzigen Zeitpunkt für ein komplettes Herunterfahren des öffentlichen Lebens statt für einen erneuten Kompromiss. „Die Stadt sollte sich nur bewerben, wenn sie sicher ist, dass sie die Umsetzung des Konzepts auch kontrollieren kann.
Trubel und Atmosphäre in der Ostertor-Passage – trotz Corona
Eine, die sich freuen würde, wenn Hildesheims Bewerbung Erfolg hätte, ist Ute Halex, Inhaberin von Lili`s Shop in der Ostertorpassage. „Das finde ich eine gute Idee, na klar“, sagt sie. „Alles ist für uns besser als ein geschlossenes Geschäft.“ Was Öffnungskonzepte angehe, auch temporäre, müsse man als Händler derzeit einfach flexibel sein. Das laufe am Ostertor gut, auch im Zusammenspiel der Händler untereinander. „Ich glaube, hier ist es oft trubeliger als in der Fußgängerzone“, sagt Halex, die nebenan auch noch die Vinothek Cooks and Wines betreibt. „Wir haben es bislang geschafft, hier ein gewisse Atmosphäre zu bewahren, und ich hoffe, das schaffen wir auch weiterhin.“
Ob Hildesheims Bewerbung bei der Landesentscheidung berücksichtigt wird, entscheidet sich voraussichtlich am Ostersamstag.
