Hildesheim - Beim Thema Corona-Tests vereinigen sich bei Frank Denecke zwei Komponenten: Als Apotheker setzt er auf Sicherheit, als Geschäftsmann handelt er sofort. Kaum hatte die Landesregierung in Niedersachsen mit dem Landesapothekerverband (LAV) am vergangenen Dienstag den Vertrag geschlossen, dass künftig das Personal in Apotheken die kostenlosen Schnelltests ausrichten können, lag der Antrag auf Genehmigung bereits in der Andreas Apotheke von Denecke auf dem Faxgerät. Kurze Zeit später konnte er seinen Mitarbeitern verkünden: „Es geht los.“
Dabei ging es eigentlich „nur“ weiter. Denn eine Woche zuvor hatte er bereits den Bereich, in dem sonst die Kosmetikberatungen erfolgen, in ein kleines Testzentrum umgewandelt – für die kostenpflichtigen Tests. „Wir waren quasi bereits am Start“, sagt Denecke. Noch hat er keine Online-Buchung eingerichtet, aber das Telefon läuft schon heiß. „An den ersten Tagen waren es etwa sechs Anfragen, dann wurden es täglich schnell mehr als 30“, erzählt seine Mitarbeiterin Antje Waldmann. Die Nachfrage dürfte schnell wachsen.
Zentrale Übersicht
Das melden auch zahlreiche andere Apotheken ins Stadt und Landkreis Hildesheim, die sich auf einen Aufruf von Apothekenkammervertreter Niels Buthe aus Holle bei der Redaktion der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung melden. Die HAZ hat hierzu eine eigene erste Übersicht erstellt. Diese wird um laufend eingehende Informationen weiter ergänzt. Ab Mittwoch, 17. März soll außerdem bundesweit eine Plattform freigeschaltet werden, auf der sich Apotheken eintragen können, die die Tests in ihren Geschäften anbieten.
„Negativer Test bleibt negativ“
Wie es vor Ort funktioniert, erläutert der Andreas-Apotheker Denecke. Man meldet sich vorher an, einige Kunden machen es direkt im Geschäft. Lieber ist ihm, dass sie anrufen und einen Termin angeboten bekommen. In Kürze will er eine Online-Anmeldung freischalten.
Die Einhorn-Apotheke in Bockenem nutzt ein eigenes Online-Tool, erläutert deren Besitzerin Katrin Kraus. Weil es aber auch viele Ältere in ihrer Region gibt, können die auch anrufen. Stephanie Strube-Plaschke testet in der Hirsch-Apotheke bereits rund 100 Leute pro Woche plus die Erzieher in den umliegenden Kitas. Viele Apotheken, die es räumlich ermöglichen können, vor Ort selbst zu testen, setzen auf eine Terminvergabe, weil sie den Personaleinsatz planen müssen.
Arbeitgeber in der Pflicht
Auch Maike Rebentisch von der Bergapotheke hat nun ihre Lösung gefunden, in einem Nebenraum Tests anzubieten. Sie geht damit am 17. März an den Start. Sie überlegt auch, ebenso wie Denecke, auch Lösungen für Firmen anzubieten, falls die ihre Mitarbeiter zu einer weiteren Testung pro Woche schicken sollten. Ein Modell, das Arbeitgeber mit Anbietern vor Ort nutzen könnten, um über Doppeltests mehr Sicherheit für ihre Leute zu schaffen, sagt sie.
In der Andreas-Apotheke geht es zum eigentlichen Test über den Seiteneingang Kurzer Hagen. Nach dem Einlass werden erst die bürokratischen Vorgaben abgewickelt: Datenschutzerklärung unterschreiben, für den Test wichtige Gesundheitsdaten eintragen, die Infektionsvereinbarung unterschreiben, mit der man zustimmt, dass bei einem positiven Coronatestergebnis die Apotheke die Daten an das Gesundheitsamt weiterleitet.
Wobei sich das positive Testergebnis durch den Nachtest durchaus als falsch herausstellen kann, betont Waldmann. Im umgekehrten Fall gelte das nicht: „Ein negativer Test bleibt negativ.“
Nach dem Abstrich im Mund- und Nasenraum weiß man 15 Minuten später Bescheid. „Wir haben schon Buchungen von Firmen, die ihre Mitarbeiter zwei Mal die Woche zum Test schicken“, sagt Denecke. Der zweite Termin ist kostenpflichtig, wird aber von der Firma übernommen. Der erste Termin pro Woche wird zentral über die LAV abgerechnet. Die Personendaten landen in einem Rechenzentrum, um sicherzugehen, dass sich niemand mit zwei freien Tests in der Woche durchmogeln kann.
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Zwei Tests pro Woche
Auf diese Weise, berücksichtigt man die Phase zu Beginn und am Ende einer Coronainfektion, in der die Ansteckungsgefahr niedriger liegt, „komme man gut durch die Pandemie und kann für sich ein Stück Normalität wiedergewinnen“, sagt Denecke. Bis die Impfung erfolgt.
Es gibt mittlerweile viele verschiedene einfache Testverfahren, auch welche, die über eine Mundspülung erfolgen. Denecke wiegt den Kopf hin und her, viel hält er nicht davon. Mit einem Urteil hält er sich zurück, aber dass er sich für einen Test per Abstrich entschieden hat, spricht für sich.
Freie Anbieter wie die Firma Hamburg Access Technologies HAT GmbH wirbt über ihre Homepage für ein eigenes Testangebot mit Gurgeltests. Ein Testzentrum ist auch in Hildesheim eingerichtet.
Vorrang für Abstrichverfahren
Dem Vorrang für das Abstrichverfahren entspricht auch die Maßgabe der zuständigen Gesundheitsbehörde des Landkreises Hildesheim, die allerdings erst Ende März – also in zwei Wochen – von kostenlosen Tests für Jedermann ausgeht, wie Pressesprecherin Sabine Levonen auf HAZ-Anfrage mitteilt: „Aktuell werden intensive Gespräche mit den zuständigen Kammern und Verbänden geführt.“ Dann sollen Schnelltests mit Tiefenabstrich durch geschulte Kräfte angeboten werden. Der Landkreis selbst bleibt außen vor: Ein eigenes Testzentrum werde nicht eingerichtet. Sobald es losgeht, will die Behörde eine Liste veröffentlichen.
Dabei ist es längst losgegangen, wie die Andreas Apotheke beweist. Auch der LAV hatte bereits vergangenen Dienstag mitgeteilt, für eine schnelle Umsetzung Sorge zu tragen. Und verknüpft das mit der Forderung an den Bund, Apothekenpersonal vorrangig gegen Corona impfen zu lassen.
Und auch die Stadt Hildesheim drückt nun auf das eigene Gaspedal. Am Montagabend hat Oberbürgermeister Ingo Meyer in der Ratssitzung mitgeteilt, dass die Stadt dem Landkreis bereits mitgeteilt habe, die Organisation von Testangeboten im Stadtgebiet eigenverantwortlich zu übernehmen.
Dabei soll es mindestens ein eigenes Testzentrum geben, erweitert um ein sogenanntes Drive-Through, also die Option, mit dem Auto vorzufahren. Das Angebot werde aber nicht von der Stadt selbst betrieben werden. „Der Start der Testzentren soll schnellstmöglich erfolgen“, kündigte Meyer an.
