Hildesheim - Nachdem am vergangenen Samstag Rechtsextremist Johannes Welge bei der Demo gegen Corona-Beschränkungen in Hildesheim aufgetreten ist, soll die Reihe auch an den kommenden Wochenenden fortgesetzt werden. „Es wird weiterhin jeden Sonnabend in Hildesheim demonstriert, bis sämtliche Beschränkungen aufgehoben sind“, sagte Jens Stenzel, der die Corona-Demonstrationen ins Leben gerufen hat.
An der Versammlung hatte es zuletzt Kritik gegeben, weil auch Johannes Welge, Kreisvorsitzender der vom Verfassungsschutz beobachteten Partei „Die Rechte“, dort sprechen durfte. Die FDP distanziere sich in aller Schärfe von dem Auftritt, hatte deren Landesvorsitzender Stefan Birkner erklärt. Jens Stenzel ist stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP, organisiert die Demos aber als Privatperson.
„Meinungsfreiheit dient
allen Meinungen“
Dass das Mikrofon bei der Demonstration am vergangenen Samstag grundsätzlich allen zur Verfügung stand, bereut Stenzel auch im Nachhinein nicht. „Die Meinungsfreiheit dient allen Meinungen“, sagt Stenzel: „Zensur ist keine Möglichkeit.“
Welge habe er nicht gekannt, beteuert Stenzel. Er habe aber auch die Gefahr, dass auch radikale Meinungen geäußert werden, von vorne herein bewusst in Kauf genommen, sagt der Sibbesser: „Das habe ich mir im Vorfeld überlegt.“ Außerdem sei der Inhalt von Welges Beitrag gar nicht rechtsradikal gewesen. Stenzel griff allerdings einmal ein, als Welge die Polizisten kritisiert hatte, die die Versammlung begleiteten.
Team organisiert Demos
Stenzel will nach eigenen Angaben weiter bei der Organisation der Demo mitmachen. Allerdings könne er aus beruflichen Gründen nicht mehr jeden Samstag bei den Versammlungen dabei sein. Deswegen habe sich nun ein kleiner Kreis gefunden, der die Demonstrationen organisiert. Wer an dem jeweiligen Samstag Zeit habe, fungiere auch als Anmelder der Demo.
Stadtsprecher Helge Miethe bestätigte auf Anfrage, dass eine Privatperson für den kommenden Samstag von 10 bis 12 Uhr wieder eine Versammlung unter dem Motto „Gegen Grundrechtsbeschränkungen“ auf dem Platz an der Lilie angemeldet habe. Gerechnet werde mit 60 Teilnehmern. Bei der Demo am vergangenen Sonnabend waren sogar 100 Menschen dabei.
„Offenes Mikro“ auch bei künftigen Demos
Wird die Polizei nach dem Auftritt von Welge bei der nächsten Demo nun beim nächsten Mal mehr Personal einsetzten? Dazu äußere man sich „aus einsatztaktischen Gründen“ grundsätzlich nicht, sagt Polizeisprecher Jan Makowski. „Wir stellen uns darauf ein, eine friedliche Versammlung zu gewährleisten und natürlich auch zu schützen“, sagt Makowski.
Nach Angaben von Organisator Stenzel soll es auch bei den künftigen Versammlungen ein „offenes Mikro“ geben. Zugleich planen die Organisatoren aber auch, „Experten“ als Redner einzuladen. Das sollen Menschen sein, die von den Corona-Beschränkungen besonders betroffen sind. Als Beispiele nennt Stenzel etwa einen Restaurantbesitzer, der wegen der Schließung seines Ladens kurz vor der Insolvenz steht, oder eine Mutter, die mit drei Kindern in einer kleinen Wohnung in der Nordstadt lebt.
