Hildesheim - Und plötzlich geht alles sehr schnell: Die niedersächsische Corona-Verordnung, die Montag in Kraft tritt, sieht vor, dass Museen und Galerien ab einer Inzidenz unter 50 wieder öffnen dürfen. Eingeschränkt ist das auch schon bei einer Inzidenz unter 100 möglich. Für Hildesheim heißt das konkret: Besucher sind zugelassen, wenn sie sich angemeldet und einen konkreten Termin gebucht haben. Maskenpflicht, Hygiene- und Abstandsregeln gelten weiter.
14 Tage später können auch Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos wieder den Betrieb aufnehmen. Liegt die Inzidenz zwischen 50 und 100, müssen die Besucher allerdings einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen. Bei einer Inzidenz unter 50 ist dies nicht nötig.
„Von jetzt auf gleich“
Mit einer so plötzlichen Trendwende in Sachen Öffnung der Museen „von jetzt auf gleich“ habe zwar keiner gerechnet, konstatiert Claudia Höhl. „Aber wir sind gewappnet“, so die Direktorin des Dommuseum -s. Wenn die offizielle, schriftliche Bestätigung der Landesregierung vorliege, könne die Ausstellung „Leere und Form. Die Sammlungen des Dommuseums und der Dr. Christiane Hackerodt Kunst- und Kulturstiftung“ am Dienstag mit allen vorgeschriebenen Hygienevorschriften und Abstandsregelungen eröffnet werden.
Meinung: Kurzatmige Strategie für die Kultur
Eigentlich hätte sie zum Aschermittwoch der Künstler im Februar starten sollen und ist deshalb „voll eingerichtet, mit Ausstellungskatalog und allem, was dazu gehört“, so Höhl. Um gewappnet zu sein, seien Verwaltung und Kassenpersonal auch nicht in Kurzarbeit geschickt, „sondern anderweitig eingesetzt worden“. Und stehen jetzt parat.
Relevanz beweisen
„Wir können nicht sagen, wir sind gesellschaftlich relevant und fundamental und dann sagen, es rechnet sich nicht“, betont Höhl. „Damit würden wir sagen, wir sind überflüssig.“ Für die Dommuseumsdirektorin ist die Wiedereröffnung auch Teil einer politischen Debatte über die Bedeutung von Museen: „Wir sind mehr als Freizeitvergnügen, wir haben einen anderen Anspruch.“ Denn: „Die meisten Menschen haben dieses Geglotze auf den Bildschirm satt.“ Ob die Giraffe im Zoo, Schiller im Theater oder die Goldene Madonna im Dommuseum: „Wir brauchen Orte, wo man wieder anders nachdenken kann.“
Für das Roemer- und Pelizaeus-Museum -gestaltet sich die Kehrtwendung in Sachen Öffnung anders: „Bei uns sind alle in Kurzarbeit“, beschreibt Regine Schulz die Situation. Wenn sie alle Mitarbeiter zurückhole und nach drei Tagen das Museum wieder schließen müsse, das sei ein zu großer Aufwand: „Als wir nach dem ersten Lockdown wieder geöffnet haben, sind die Leute aus Angst vor Ansteckung zwei Wochen nicht gekommen.“ Aber man wolle so schnell wie möglich wieder für die Besucher da sein. Eine Entscheidung soll Anfang der Woche gefällt werden.
Abhängig von Inzidenzwerten
Auch das Theater für Niedersachsen - kann nicht sofort reagieren. Intendant Oliver Graf begrüßt die Öffnung von Theatern, die damit wieder ins öffentliche und politische Bewusstsein rückten. „Aber wir müssen nun abwarten, bis die Öffnungspläne konkretisiert werden.“ Denn noch seien einige Fragen offen: „Wenn wir von den tagesaktuellen Inzidenzwerten abhängig sind, haben wir keine Planungssicherheit. Das betrifft uns durch unseren Landesbühnenbetrieb gleich doppelt, da sich die Inzidenzwerte auf Regionen beziehen.“ So könne es passieren, dass das tfn in einem Gastspielort spielen darf, in Hildesheim aber nicht.
Unklar sei auch, wie genau mit den negativen Tests umgegangen werden soll: „Wo können unsere Zuschauer_innen sich testen lassen, und welche Tests werden dann akzeptiert?“, fragt Graf. Zu all diesen Fragen gebe es aber bereits Gespräche „und wir hoffen, schnellstmöglich wieder für unser Publikum da sein zu können“, auch wenn es noch keinen konkretem Termin gebe.
Abhängigkeit von Verleihern
Karl-Heinz und Roland Brinkmann, Betreiber des Thega-Filmcenter, - sehen dem Datum mit großer Skepsis entgegen: „Wenn ab Montag gelockert wird, wer weiß, wie hoch der Inzidenzwert dann am 22. März ist“, befürchtet Roland Brinkmann eine Steigerung. Problematisch sei auch, wenn Hildesheim starten dürfe, Hannover wegen zu hoher Werte nicht: „Da rücken die Verleiher die Filme nicht raus. Und wir wollen ja schon was Gutes anbieten können.“ Dafür brauche es flächendeckende Entscheidungen. Nicht zufrieden ist er auch, dass „die Siege aus dem 1. Lockdown“ – wie keine Maskenpflicht am Platz – inzwischen wieder zurückgenommen seien. Resümee: „Wir nehmen den 22. März zur Kenntnis und beschäftigen uns mit einer Filmdisposition allerfrühestens eine Woche vorher.“
Auch im Theaterhaus -wird sich im März gar nichts ändern, erklärt Interims-Geschäftsführer Joachim von Burchard. „Das ist alles nicht wirklich vernünftig planbar“, konstatiert er. Und da das Nachwuchsfestival Schredder sowieso digital stattfinden soll, sei auch zurzeit kein Bedarf an einer Öffnung.
Unpraktische Vorschläge
In Hannover - geht das Sprengelmuseum von einer Öffnung frühestens zum 19. März aus. Im Landesmuseum lautet die Devise „so schnell wie möglich“. Aber, so Direktorin Katja Lembke: „In der kommenden Woche wird es damit noch nichts werden.“ Das Kestner-Museum peilt den 13. März an. Die Kestnergesellschaft baut eine Ausstellung ab und wird erst Mitte April öffnen. Das Staatstheater hat schon vor Bekanntgabe der neuen Vorschriften verkündet, bis zum 11. April im reinen Online-Betrieb zu bleiben.
von Martina Prante und Ralf Neite
