Klimakrise

Hildesheimer Logistik-Riese betankt immer mehr Lastwagen mit Biogas

Hildesheim - Einer der größten Arbeitgeber Hildesheims setzt auf einen Treibstoff, der ansonsten eher auf dem Rückzug ist – und erklärt, warum er in seiner Branche die Lösung derzeit nicht in der E-Mobilität sieht.

Vor allem von Hildesheim aus unterwegs: Biogas-Lastwagen von Transgourmet. Foto: DeSoto/Nothdurft

Hildesheim - Die Zahl der Erdgasautos sinkt seit Jahren. Strom und zunehmend auch Wasserstoff gelten als Treibstoff der Zukunft für Autos und Lastwagen. Ein Logistik-Konzern, der zu den größten Arbeitgebern in Hildesheim zählt, trotzt nun allerdings beim Bemühen um weniger CO2-Ausstoß diesen Trend: Das Unternehmen Transgourmet stellt einen erheblichen Teil seiner Lastwagen-Flotte auf Biogas um. Gerade der Standort Hildesheim spielt dabei eine wichtige Rolle.

490 Beschäftigte hat Transgourmet an seinem Standort östlich der Autobahn 7 im Glockensteinfeld. Insgesamt 81 Lastwagen sind dort stationiert, zwölf davon fahren inzwischen mit Biogas. Damit ist Hildesheim innerhalb des Unternehmens eine Art Vorreiter. Bislang sind 30 der insgesamt 900 Transgourmet-Lastwagen mit Biogas unterwegs. Bis zum Jahresende soll die Quote allerdings auf zehn Prozent steigen, kündigt das Unternehmen an. Bis zum Jahr 2030 soll mehr als jeder dritte Transporter der Firma mit Biogas betrieben werden.

Reichweite über 500 Kilometer

Die mächtigen 18-Tonner können bis zu 120 Kilogramm Biogas tanken. „Damit haben unsere Biogas-Lastwagen eine Reichweite von etwa 500 bis 600 Kilometern“, rechnet Transgourmet vor. Von Hildesheim aus beliefert das Unternehmen Kunden in den Regionen um Bielefeld, Paderborn, Beckum und Bad Salzuflen im Westen sowie Bispingen und Uelzen im Norden und Klötze, Helmstedt und Halberstadt im Osten.

Wenn dabei Biogas-Fahrzeuge statt Lastwagen mit herkömmlichen Verbrenner-Motoren rollen, ist die Auswirkung auf den CO2-Ausstoß massiv, davon sind die Verantwortlichen bei Transgourmet überzeugt. „Sie verursachen mehr als 90 Prozent weniger CO2-Emissionen als Diesel-Lastwagen“, betont eine Sprecherin und rechnet vor: „Bei einer durchschnittlichen Tour von 189 Kilometern werden bei einem Diesel-Fahrzeug 170 Kilogramm CO2 ausgestoßen, bei Biogas sind es nur 14,3 Kilogramm.“

E-Laster nur im Stadtverkehr

Um den Verbrauch noch weiter zu reduzieren, bemüht sich Transgourmet um neue Vereinbarungen mit vielen Kunden. Wenn sie sich seltener beliefern lassen, damit aber mit mehr Ware, würde es weniger Stopps geben und damit auch weniger Treibstoff-Verbrauch. Stoppen müssen die Lastwagen allerdings zum Tanken -und das geht nicht an jeder Tankstelle. Je nach Erhebung bieten derzeit ein Drittel bis die Hälfte aller Tankstellen in Deutschland, die Erdgas anbieten, auch Biogas an.

Transgourmet will jedenfalls die Biogas-Flotte ausbauen. Auch elektrisch betriebene Lastwagen hat das Unternehmen geprüft, setzt derzeit allerdings kaum darauf. „Wir haben bereits einen Elektro-Laster im Einsatz, ein flächendeckender Ausbau ist derzeit jedoch aufgrund der geringen Reichweite noch nicht umsetzbar“, erklärt die Firma. „Das vorhandene Exemplar wird vor allem für Stadtfahrten eingesetzt.“ Generell sind sei das Unternehmen aber „für alle alternativen Antriebstechnologien offen“ und prüfe vor jeder Neubeschaffung, „welche alternative Antriebstechnologie für den Anwendungszweck am besten geeignet ist“.

Klima-Projekte in aller Welt

Transgourmet ist nach eigenen Angaben der erste Lebensmittel-Großhändler in Deutschland, der seine Kunden rechnerisch klimaneutral beliefert – und zwar seit dem 1. Oktober. Die Ausweitung der Biogas-Flotte und die Vermeidung unnötiger Stopps bilden dabei zwei Bausteine zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Die verbleibenden Emissionen werden demnach durch die finanzielle Unterstützung von Klimaschutz-Projekten in aller Welt ausgeglichen.

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