Hildesheim - Der Hildesheimer Comedian und Schauspieler Tan Caglar startet weiter durch. Seit August ist er in der Arzt-Serie „In aller Freundschaft“ zu sehen, am Sonntag hat er sein Debüt im Berliner „Tatort“. In der Folge „Die Kalten und Die Toten“ spielt er den Assistenten Malik Aslan, der Meret Becker und Mark Waschke bei den Ermittlungen unterstützt. Um 20.15 Uhr im Ersten.
Erst die Sachsenklinik, nun noch der Tatort: Wie kam das zustande?
Das war ähnlich wie bei „In aller Freundschaft“. Ich habe gar nicht damit gerechnet, als mich im Lockdown ein Anruf meiner Agentur erreichte: „Ach übrigens... hast du Lust, im „Tatort“ mitzuspielen?
Ihre Reaktion?
Ja klar! „Mama und Papa, guckt mal, ich bin im Tatort!“
Das ist schon etwas Besonderes, nicht wahr?
Ja. Als meine Eltern damals als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, haben sie gesagt: „Wenn wir irgendetwas über die Deutschen gelernt haben, dann, dass man sonntags in die Kirche geht und am Abend Tatort schaut.“ Und jetzt darf ich da mitspielen, das ist super!
Bei „In aller Freundschaft“ mussten sie sich unter 70 Bewerbern durchsetzen. Das war jetzt wahrscheinlich anders?
Ich weiß gar nicht, wie das Casting-Verfahren schlussendlich genau lief, aber ja, ich musste Schauspiel-Szenen einreichen. Doch gab es wohl auch ein direktes Interesse. Weil die Produktion vielleicht gedacht hat, dass ich als Typ gut passen würde.
Sind Sie selbst Tatort-Fan?
Ich habe als Jugendlicher tatsächlich oft Tatort geguckt und war immer schon ein großer Schimanski-Fan. Danach bin ich ein bisschen davon abgekommen, weil man von Serien und Filmen überflutet wurde. Als die Anfrage kam, habe ich mich natürlich wieder mehr damit beschäftigt, gerade mit dem Berliner Tatort und einen neuen Bezug dazu gefunden.
Welche Rolle spielen Sie im Kripoteam? Sind Sie eher der Mann, der im Hintergrund die Recherchearbeit für die Kommissarin und den Kommissar erledigt?
Genau, ich bin ein EDV- und Computerspezialist: „Wo war das Handy des Opfers zum letzten Mal eingeloggt, auf welchen Internetportalen hatte der Täter ein Profil, was sind die Passwörter?“
Das bedeutet, dass Ihre Figur nicht in gefährliche Situationen gerät?
Ich darf natürlich nicht zu viel verraten. Aber ich durfte die Rolle nun schon im zweiten Tatort verkörpern, und da bin ich auch stärker in Aktionen involviert. Malik will ja auch mehr machen. Der ist ein sehr sportlicher Typ, auch wenn er im Rollstuhl sitzt.
Und in der Sachsenklinik: Haben Sie sich da gut eingelebt?
Ja, ich fühle mich da sehr wohl, es ist eine sehr familiäre Atmosphäre. Die Figur des Dr. Ilay Demir ist natürlich auch eine Rolle, die mir auf den Leib zugeschrieben ist. Dieser Arzt bin quasi ich, nur mit einem anderen Namen. Und dass ich leider keine chirurgischen Fähigkeiten habe.
Ist ihr Malik Aslan im Tatort ein ähnlicher Charakter?
Vom Typ her ist er etwas jünger, draufgängerischer und auch ein bisschen unbefangener. Aber sonst von der Grundhaltung her agiert er ähnlich. Er spielt viel mit der Unsicherheit seines Umfeldes, ist gerne sarkastisch, aber hauptsächlich humorvoll.
Was wird nun aus Ihrer Karriere als Comedian, wenn die Schauspielerei immer mehr Raum einnimmt?
Das geht weiter. Für mich ist die Comedy das absolute Fundament von allem, was ich tue. Auch für meine Motivation ist das sehr wichtig. Man darf nicht vergessen: Wenn man vor einer Kamera steht, bekommt man kein Feedback vom Publikum. Auf der Live-Bühne erreicht dich hingegen die direkte Reaktion. Das ist ein wunderbares Gefühl, das ich nicht missen möchte.
Wenn Sie aus irgendeinem Grund nicht mehr Comedian und Schauspieler sein könnten, was wären sie lieber: Kriminalkommissar oder Arzt?
Als echter Beruf?
Genau.
(Lacht). Die Frage hat mir tatsächlich noch nie jemand gestellt. Witzigerweise wollte ich als Kind immer Polizist werden. Ich wollte mit einem Polizeiwagen rumfahren und für Gerechtigkeit sorgen. Als ich dann größer war und so viel mit Ärzten zu tun hatte, habe ich gedacht: „Ah, es ist so gut, Menschen zu helfen, das ist eigentlich auch eine tolle Tätigkeit.“ Insofern ist es vielleicht Schicksal, dass die beiden Berufe, die ich spannend fand, mir jetzt im Schauspiel passieren. Ich könnte mich da wirklich ganz schwer entscheiden.
Bei unserem letzten Gespräch im März sagten Sie, dass Sie Hildesheimer bleiben. Hat sich das durch die vielen Fernsehtermine verändert?
Nein, ich komme immer zwischendurch nach Hause, manchmal auch nur für einen Tag. Hildesheim ist und bleibt einfach meine Heimat. Nach Hause kommen ist immer noch am schönsten.
Zur Person
Tan Caglar, 1980 in Hildesheim geboren und lebt nach wie vor hier. Seit seinem 24. Lebensjahr ist er wegen einer Rückenmarkserkrankung komplett auf den Rollstuhl angewiesen. Caglar spielte Rollstuhlbasketball in der Bundesliga, wurde Motivationscoach, gab Workshops. Bekannt wurde er als Model, Moderator, Comedian und Autor. Seit August spielt er die Rolle des Dr. Demir in der Ärzte-Serie „In aller Freundschaft“. Beim „Tatort“ gibt er am Sonntag sein Debüt.

