Von Enercon übernommen

Hildesheimer Unternehmer kauft große Firma für Windrad-Türme

Hildesheim/Emden - Knut Bettels hat einen Zulieferer der kriselnden Wind-Branche erworben. Der soll bald andere Geschäftsfelder erobern – doch erst einmal droht ein Personalabbau.

Türme von Windrädern sind meist aus Beton. Solche Bauwerke konstruiert die Firma WEC Turmbau, die jetzt von der Hildesheimer Unternehmensgruppe Bettels übernommen wurde. Foto: Patrick Pleul/dpa

Hildesheim/Emden - Der Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels übernimmt eine Firma aus Emden, die bislang vor allem Betontürme für Windräder hergestellt hat. Damit steigt die Gesamtzahl aller Beschäftigten in Bettels’ Firmengruppe auf deutlich über 1000. Bei der jüngsten Neuerwerbung stehen allerdings zunächst einmal Konflikte mit dem Betriebsrat über geplante Entlassungen an. Hoffnungen macht Bettels die Entwicklung bei einer privaten Güterbahn-Firma, die er im Vorjahr übernommen hatte.

WEC Turmbau heißt das Emder Unternehmen, das bislang zu einem weit verflochtenen Firmen-Netzwerk um den großen Windrad-Hersteller Enercon gehörte. Der trennt sich aufgrund der anhaltenden Krise in der Windrad-Branche seit Jahren von Tochtergesellschaften und Zulieferern. Im Herbst vergangenen Jahres hatte Bettels von Enercon bereits dessen Bahn-Tochter Egoo übernommen.

Enercon mag nicht mehr

Bettels, selbst früher Insolvenzverwalter, hat sich auf Sanierungsfälle spezialisiert. Als solchen schätzt der Hildesheimer auch das Fertigbetonteile-Werk WEC Turmbau ein. Bis zu 500 Mitarbeiter hatte das 2005 gegründete Unternehmen in der Spitze, derzeit sind noch etwa 180. Für viele von ihnen will Bettels erst einmal Kurzarbeit beantragen, zudem plant er, noch 30 bis 40 Arbeitsplätze abzubauen.

Das Problem bei WEC Turmbau: Die Firma ist fast vollständig davon abhängig, von Enercon Aufräge für den Bau von Betontürmen für Windräder zu bekommen. Doch weil der Windkraft-Ausbau seit Jahren hinter Zielen und Prognosen zurückbleibt, ist der Bedarf an diesen Türmen weit geringer als kalkuliert. WEC ist folglich schlecht ausgelastet. Bislang hatte Enercon letztlich die Defizite ausgeglichen, um seinen Lieferanten zu stützen.

Erfolg mit Bahnfirma

Ein Sanierungsfall soll WEC freilich nicht bleiben. Bettels möchte die Firma so umstrukturieren, dass sie weniger auf Windrad-Türme festgelegt ist, sondern zum Beispiel auch Spannbetonteile fertigen kann, sieht Möglichkeiten zum Beispiel im Brücken- und Tunnelbau und berichtet von ersten Gesprächen mit potenziellen großen Auftraggebern. Zunächst freilich stehen heikle Personaldebatten an. Die bisherige Geschäftsführung und der Betriebsrat stehen sich seit längerem feindselig gegenüber, erheben gegenseitige Vorwürfe. „Da herrscht große Unruhe, das wird nicht einfach“, weiß Bettels.

An einer anderen Erwerbung aus der „Enercon-Welt“ hat der Hildesheimer hingegen jetzt schon viel Freude, wie er sagt. Bei dem Bahnlogistiker Egoo sei es „sehr schnell“ gelungen, neue Kunden und Aufträge zu gewinnen. „Dort haben wir inzwischen sogar Fachkräfte zurückholen können, die zuvor das Unternehmen verlassen hatten“, berichtet er. Ob so etwas bei WEC Turmbau auch einmal denkbar ist, dürfte auch vom künftigen Windkraft-Ausbau abhängen.

Hybrid-Lok im Einsatz

Inzwischen hat Bettels auch in eine „Hybrid-Lok“ investiert – eine Lokomotive, die auf elektrifizierten Bahnstrecken mit Strom fahren kann, die aber auf Diesel umschaltet, wenn keine Stromleitung mehr zur Verfügung steht. „Das ist in der Bahn-Logistik oft ein Aufwand, dass die letzten Kilometer zum Beispiel zu Firmenbahnhöfen oder auf Nebenstrecken nicht elektrifiziert sind“, hat Bettels festgestellt. Nach und nach will er deshalb den Fuhrpark umstellen. Da pro Hybrid-Lok allerdings ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag fällig wird, ist das kein kurzfristiges Projekt.

Die Unternehmensgruppe Bettels ist vor allem in der Entsorgungs- und Beton-Branche aktiv, zum Portfolio gehört aber neben der Bahnfirma auch ein Stromversorger, ein Restaurant wie das neue drei11 am Andreasplatz oder Freizeitanlagen wie das Jim & Jimmy am Lerchenkamp. Insgesamt macht die Gruppe schon ohne WEC etwa eine Viertelmilliarde Euro Umsatz im Jahr.

  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.